Noch wird am neuen Böblinger Standort gewerkelt, aber schon bald können Post- und Postbank-Geschäfte im Einkaufszentrum an der Wolfgang-Brumme-Allee 2 abgewickelt werden. Foto: Stefanie Schlecht

Die Postbank-Filiale in Böblingen zieht interimsweise um, bleibt aber vor Ort erhalten. Jene in Sindelfingen wird hingegen dauerhaft geschlossen, Kunden sollen nach Böblingen oder Stuttgart fahren. „Ein Armutszeugnis“, findet ein Kunde.

Die gute Nachricht zuerst: Die Postbank-Filiale in Böblingen an der Bahnhofstraße 33, die noch bis einschließlich Montag, 19. Juni, geöffnet hat, schließt zwar an Ort und Stelle, bleibt aber in unmittelbarer Nähe erhalten: Im Einkaufszentrum an der Wolfgang-Brumme-Allee 2 wird ab Mittwoch, 21. Juni, eine neue, barrierefrei zugängliche Filiale eröffnet. Dort bleiben alle Dienste erhalten: Ein- und Auszahlungen sowie Überweisungen sind am Schalter oder am Automaten möglich, außerdem gibt es Beratung zu Finanzthemen. Auch Postdienstleistungen werden am neuen Standort weiterhin angeboten. Die neue Filiale ist aber nur eine Übergangslösung: Geplant ist, dass die Postbank 2025 dauerhaft in ein bis dahin neu errichtetes Gebäude an der Ecke Tal-/Karlstraße einziehen wird.

 

Keine Filiale mehr für Sindelfingen

Nun zur schlechten Nachricht: Die Postbank in Sindelfingen an der Gartenstraße 16 schließt. Die Filiale öffnet letztmalig am Samstag, 17. Juni. Per Aushang werden Kunden informiert, dass sie künftig ihre Bankgeschäfte in Böblingen an der Wolfgang-Brumme-Allee 2 oder in Stuttgart an der Möhringer Landstraße 2 erledigen sollen. Postgeschäfte könnten weiterhin in Sindelfingen getätigt werden, die nächstgelegene Partnerfiliale sei an der Mercedesstraße 12.

Weshalb dieser Schritt? „Wie andere Institute auch prüft die Postbank auf Basis des Kundenverhaltens laufend ihr Vertriebsnetz“, sagt der Pressesprecher Oliver Rittmaier. „Wir stellen fest, dass unsere Online-Angebote zunehmend stärker genutzt werden, und zwar über alle Altersgruppen hinweg.“ Stationäre Angebote würden weniger nachgefragt, weshalb deren Wirtschaftlichkeit fortlaufend geprüft und „wo geboten auch umgebaut“ werde – so in Sindelfingen.

„Das ist doch ein Unding!“

Für Reinhard Stübner, der in Sindelfingen wohnt und die Filiale an der Gartenstraße regelmäßig genutzt hat, ist das ein großes Ärgernis. „Dies ist ein Armutszeugnis für die Sindelfinger Innenstadt und würgt die schleppende Innenstadtbelebung noch weiter ab“, schreibt er unserer Zeitung. Nicht alle könnten sich auf Online-Banking einlassen, und auf dem Wochenmarkt etwa könne man nicht überall mit Geldkarte bezahlen. „Sindelfinger Innenstadt ohne Postbankdienste ist doch ein Unding!“, ärgert er sich. Es dürfe nicht „an solchen banalen Grundvoraussetzungen der Infrastruktur“ mangeln.

Zudem beobachtet Stübner, dass die Filiale gut besucht wird. Der Pressesprecher erklärt, warum die Schließung dennoch nötig ist: „Entscheidend ist vor allem die Art der nachgefragten Leistungen, nicht die Kundenfrequenz.“ Es müsse das Verhältnis zwischen reinen Serviceleistungen (wie Postdienste, Bargeldauszahlung) und wertschaffendem Neugeschäft (zum Beispiel durch Abschlüsse von Bankprodukten wie Kredite, Wertpapiere, Versicherungen) stimmen. „Filialen, die dieses Potenzial nicht haben, schließen wir deshalb“, sagt Rittmaier. Nur so könne langfristig die Rentabilität des Unternehmens sichergestellt werden.