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Am Dienstagabend haben sich die Norweger guten Gewissens von ihren Fans verabschiedet.

Stuttgart - Einst war Norwegen Popniemandsland. Doch dann kamen die 1980er, A-ha und "Take On Me". Inzwischen gilt Norwegen als große Popnation, und Morton Harket, Magne Furuholmen und PÚl Waaktaar-Savoy durften sich am Dienstagabend guten Gewissens von ihren Fans in Stuttgart verabschieden.

Man wird Morten Harket nicht als den wortkargen, gut gekleideten Mann in Erinnerung behalten, den er an diesem Abend in der Porsche-Arena in Stuttgart für die 5000 Fans spielt. Einer, der auch dann doch kühl wirkt, wenn ihm Fans eifrig mit Norwegen-Flaggen zuwinken. Nein, wenn A-ha im Dezember in Oslo ihre allerletzten Konzerte gegeben haben, wird Harket wohl eher als der pfiffige Typ aus dem Video zu "Take On Me" im Gedächtnis bleiben, der aus einer Bilderwelt ins wirkliche Leben drängte.

Auch wenn A-ha seit "Take On Me" noch viele Hits hatten, sich längst von den 1980er Jahren emanzipiert haben, so schleicht sich ins Repertoire des Abschiedskonzerts in Stuttgart doch immer wieder der Zeitgeist von damals mit seinen stampfenden Beats und quakenden Synthiesounds.

Kaum ist um 21 Uhr das bedeutungsvolle Streicherintro verklungen, beginnen die A-ha-Synthies schon zu zucken und zu brummen, zu zischen und zu summen. Und noch bevor Morten Harket die ersten Worte aus "The Sun Always Shines On TV" singen kann, sitzt kaum mehr einer in der komplett bestuhlten Halle..

Zwar unterlegen Harket, Keyboarder Magne Furuholmen und Gitarrist Waaktaar-Savoy, die live von zwei Gastmusikern begleitet werden, ihre Songs gerne mit stampfenden Beats, doch immer wieder schimmern durch das A-ha-Repertoire große, opulente Melodieentwürfe. Etwa in der dramatischen Version von "Hunting High And Low", die die große Fallhöhe zwischen dem Cha-cha-cha und der schwermütige Harmoniesüchtigkeit sichtbar macht, die auch der sanfte Publikumschor am Ende nicht leugnen kann. Oder in ""Scroundel Days", durch das sich Harkets Stimme widerspenstig schlängelt.

Zwar schrammen die musikalisch-pathetischen Inszenierungen von Balladen wie "Stay On These Roads" an diesem Abend immer wieder einmal haarscharf am Kitsch vorbei, aber stets mit kunstvollen Schnörkeln. Hübsch gerät auch das Unplugged-Intermezzo, das mit einer zarten Interpretation von "Crying In The Rain" ausklingt. Und wenn zum Beispiel "Manhattan Skyline" gerade Gefahr läuft, zur Schnulze umzukippen, holt Harket zu einer plötzlich losratternden Gitarre ein Megafon hervor.

Während in den Songs zwar stets die immer noch souverän Höhen und Tiefen meisternde Stimme des 51-jährigen Harket im Mittelpunkt steht, darf zwischen den Liedern Furuhulmen den Alleinunterhalter spielen. Er sagt dann auf Deutsch Sachen wie "Hallo Stuttgart, alles gut?" oder "Wir sind A-ha, aber dass wussten Sie ja bereits,"

Und ganz am Ende der Zugaben, nach "Cry Wolf" und "The Living Daylights", spielen A-ha noch dieses zappelige "Take On Me". Und für einen Moment verwandelt sich Harket ein allerletztes Mal doch in den pfiffigen Jungen aus dem Video.

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