So gut wie alle Teile der ehemaligen Konzern-Niederlassung lassen sich ohne großen Aufwand für Polizeizwecke umbauen. Foto: factum/Bach

Der Umbau des einstigen IBM-Komplexes zur Polizeischule hat begonnen. Das Land investiert 42 Millionen Euro. Die angehenden Beamten werden ihren Beruf in einer angenehmen Umgebung erlernen.

Herrenberg - Das Arbeiten bei der IBM muss durchaus erträglich gewesen sein. Zur Entspannung der Beschäftigten hatte der Konzern seinen Architekten ein Schwimmbad genauso ins Auftragbuch geschrieben wie eine Kegelbahn. Von den Tischen der vollverglasten Kantine blickten die Mitarbeiter über die sanften Schwünge grüner Hügel des Naturschutzgebiets bis hinüber nach Herrenberg.

Zumindest die letzte Annehmlichkeit bleibt angehenden Polizisten erhalten. Dass aus dem Schwimmbad ein Fitnessstudio wird, dürfte die große Mehrzahl von ihnen auch nicht beklagen. Die Kegelbahn hingegen weicht rein beruflichen Zwecken. Aus ihr wird eine Anlage für simulierte Schießübungen mit Laserwaffen. Eine Schießanlage für echte Waffen ist als Neubau geplant, aber noch nicht genehmigt.

Die Umbauten haben mit einiger Verspätung begonnen

Mit einiger Verspätung haben Anfang des Monats die Umbauten des einstigen IBM-Komplexes zwischen Herrenberg und Nufringen zur Polizeischule begonnen. „Wir warten händeringend darauf, dass wir hier reindürfen“, sagt Uwe Seidel von der Hochschule der Polizei. „Das Gebäude ist für uns ein Glücksfall.“ So gut wie alle seine Teile lassen sich ohne größeren Aufwand für die Zwecke der Polizei umnutzen. Ein einstiges Callcenter, größer als eine Sporthalle, wird zum Herzstück. Hier sollen Kulissen aufgebaut werden, in denen die Polizeianwärter in Rollenspielen schon einmal gefährliche Einsätze üben.

Die Klage eines Unternehmens, das bei der Auftragsvergabe unterlegen war, hatte den Baubeginn verzögert. Außerdem waren die anfänglichen Arbeiten mühsam. Der Komplex ist mit Material erbaut, dessen Staub aus heutiger Sicht als gesundheitsschädlich gilt. Entsprechend vorsichtig müssen Eingriffe ins Mauerwerk angegangen werden, und seien es nur Arbeiten mit der Bohrmaschine.

Inzwischen sind die Handwerker mit gewöhnlichem Trockenbau beschäftigt. Insbesondere der Umbau der ehemaligen Büros zu Schlafräumen schreitet derzeit voran. Sämtliche Anschlüsse sind ohnehin vorhanden, denn ursprünglich hatte auch IBM die Räume für Übernachtungen konzipiert. Erst später wurden daraus Büros. Sofern der Bau keine weiteren Überraschungen birgt, wird die Polizeischule im September nächsten Jahres eröffnen. Im Landkreis Böblingen wird es der zweite Ausbildungsstandort nach der Wildermuth-Kaserne in Böblingen sein.

Die Kosten sind auf 42 Millionen Euro kalkuliert

Der Stadt Herrenberg „dürfte diese Nutzung lieber sein als die vorher geplante“, sagt Corinna Bosch, die das Amt für Vermögen und Bau leitet, den landeseigenen Immobilienbetrieb. Ursprünglich hatte die Landesregierung den leer stehenden Komplex gekauft, um in ihm eine Großunterkunft für Flüchtlinge unterzubringen, eine sogenannte Landeserstaufnahmestelle. Der Plan entfiel indes alsbald mangels Flüchtlingen. Der Kaufpreis für den Komplex gilt als Geheimsache, anders als die Umbaukosten. 42 Millionen Euro sind kalkuliert. Die Innenausstattung kommt hinzu.

Der Anlass des Umbaus ist die schiere Platznot. 1800 Neueinstellungen hat die Landesregierung der Polizei fürs aktuelle Jahr genehmigt, so viele wie nie zuvor seit der Gründung Baden-Württembergs. An so gut wie all ihren Ausbildungsstandorten baut die Polizei aus. In Herrenberg sollen knapp 500 angehende Beamte des mittleren Dienstes ihren Beruf erlernen. Ihre Ausbildung dauert zweieinhalb Jahre, wovon sie eines im praktischen Dienst in Polizeirevieren verbringen.

Überdies werden um die 150 Mitarbeiter am neuen Standort beschäftigt sein, vom Ausbilder bis zum Öffentlichkeitsarbeiter. Allein für die Verpflegung sind drei Köche und zehn Küchenhelfer vorgesehen. Das könnte der Stadt Herrenberg ein kleines Konjunkturprogramm bescheren. In Zukunft soll ein Bus vor dem Gelände halten. Dessen Fahrgäste sind dann „alles junge Leute mit einer anständigen Ausbildungsvergütung“, sagt Seidel. „Das sind auch Kunden für den Einzelhandel und die Gastronomie.“

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