Polizeieinsätze in Stuttgart Überstunden-Rekord bei der Stuttgarter Polizei

Von Wolf-Dieter Obst 

Zum Glück alles nur Übung: Polizisten üben den Ernstfall – hier im Frankfurter Hauptbahnhof. Foto: dpa
Zum Glück alles nur Übung: Polizisten üben den Ernstfall – hier im Frankfurter Hauptbahnhof. Foto: dpa

Die Polizei kommt kaum zum Atemholen – Großeinsatz folgt auf Großveranstaltung. Allein 162 000 Überstunden in Stuttgart sind ein trauriger Rekord.

Stuttgart - Der Stuttgarter Hauptbahnhof steht am 11. September im Zeichen des Terrorismus: Gut 1000 Teilnehmer von Bundes- und Landespolizei sind am Dienstagabend und in der Nacht zum Mittwoch an einer Anti-Terror-Übung beteiligt – und das im laufenden Bahnbetrieb. Dabei werden Schüsse fallen und Sprengsätze detonieren. Ein weiterer Einsatz, der die Überstundenzahlen der Ordnungshüter erhöht.

Für die Polizei ist im Land aber auch ohne Terrorübung ständig Großalarm. Die Einsatzbelastung wird in explodierenden Überstundenzahlen sichtbar. Knapp zwei Millionen hat die Südwest-Polizei gesammelt, die Hälfte davon bei den Truppen des Polizeipräsidiums Einsatz in Göppingen. Auch die Stuttgarter Polizei hat trotz vielfältiger Unterstützung von außen Rekordzahlen: 2017 sind 162 000 Überstunden angefallen.

Auch früher schon viele Überstunden

„Das bedeutet, dass jeder Beamte theoretisch zusätzlich zwei Wochen Urlaub machen könnte“, sagt Stuttgarts Polizeipräsident Franz Lutz. Dies sei aber unrealistisch. Dabei zieht sich die hohe Belastung seit Jahrzehnten hin: Im Jahr 1999, als der Kurden-Konflikt mit der Festnahme des PKK-Führers Öcalan, der Kosovo-Krieg und andere Anlässe für brisante Demonstrationen neben mehreren Großveranstaltungen die Polizei in Atem hielten, hatten die Beamten lediglich 150 000 Überstunden angehäuft.

Der Grund ist eine Personalnot durch einen Stellenabbau in früheren Jahren und eine anhaltende Pensionierungswelle. Abgänge werden zudem durch Nachwuchseinstellungen bis auf Weiteres nicht ausgeglichen. Ralf Kusterer von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) im Beamtenbund warnt: „Präventive Streifen gibt es immer weniger, die Beamten sind mit Einsätzen im Dauerauftrag.“

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