Von der Polizei geschlossen: Die Geschäfte sind vorerst beendet. Foto: and

Es ging nicht um Ermittlungen zum Berliner Anschlag, sondern um den Vorwurf der Hehlerei: In der Stuttgarter Innenstadt sind am Dienstag mehrere Geschäftsräume von Juwelieren von der Polizei durchsucht worden.

Stuttgart - Für drei Inhaber von Juweliergeschäften in der Stuttgarter Innenstadt hat die Polizei am Dienstag einen ganz anderen metallischen Armschmuck bereitgehalten: Handschellen. Wegen des Verdachts der banden- und gewerbsmäßigen Hehlerei sowie der gewerbsmäßigen Urkundenfälschung ermitteln die Strafverfolger gegen insgesamt fünf Beschuldigte, gegen drei von ihnen hat die Staatsanwaltschaft Haftbefehl beantragt. Über das Ergebnis der Razzia wurde zunächst nichts bekannt.

Die Polizei stattete drei Schmuckgeschäften an der Eberhard-, Tübinger und Marienstraße am Dienstag gegen 10 Uhr einen überraschenden Besuch ab. Angesichts der Geschehnisse beim Weihnachtsmarkt in Berlin hätten Passanten beim Anblick der verschiedenen Polizeifahrzeuge von Kripo und Bereitschaftspolizei glauben können, die Aktion habe etwas mit den Ermittlungen nach dem Anschlag in der Bundeshauptstadt zu tun. Doch es ging um eine andere Form der Kriminalität: Eigentumsdelikte.

Vorwurf: Mit gestohlener Ware gehandelt

„Den Beschuldigten wird vorgeworfen, gestohlene Ware angekauft und weiterverkauft zu haben“, sagt Staatsanwaltssprecher Jan Holzner auf Anfrage. Weil dabei auch Ankaufsbelege manipuliert worden sein sollen, gehe es zudem um Urkundenfälschung. Wenn so etwas nicht nur einmal, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg gemacht werde, ergebe sich der Verdacht der Gewerbsmäßigkeit. Für die Beschuldigten hatten die Ermittler daher ganz andere, echte Urkunden parat: Haftbefehle.

Bei den Juweliergeschäften handelt es sich um Filialen, die von einer großen Familie in ganz Baden-Württemberg betrieben werden. Dringender Tatverdacht besteht gegen drei Familienangehörige im Alter zwischen 27 und 39 Jahren, die jeweils als Inhaber geführt sind. Bei der Polizeirazzia wurden außerdem Wohnräume in Steinenbronn im Kreis Böblingen durchsucht.

Einer der Beschuldigten ist eine schillernde Figur

Der Fall sorgt in der Branche auch deshalb für Aufsehen, weil einer der Beschuldigten in der Öffentlichkeit kein Unbekannter ist. 2015 präsentierte er sich als Juwelier-Partner des Handball-Bundesligisten TVB 1898 Stuttgart. Dazu ließ er 98 individuell nummerierte Armbanduhren als Sonderedition auflegen, die als Sammlerstücke zum Aufstieg der Bittenfelder in den Verkauf gingen. Der Geschäftsmann stellte sich bei dieser Gelegenheit selbst als Sportler und ehemaligen Leistungsringer dar, der für den TSV Musberg in der 1. Bundesliga gerungen haben will. In seinen Veröffentlichungen posierte er in dieser Zeit auch mehrfach mit dem Musberger Ringer-Weltmeister Frank Stäbler. Aus Kreisen des Vereins ist allerdings zu erfahren, dass der Betroffene lediglich in seiner Jugend Wettkämpfe bestritten habe.

In einem Fernseh-Nachrichtenkanal präsentierte sich der Juwelier zudem als einer, der in Deutschland einst als Jugendlicher bei Null anfing, bereits mit 21 Jahren sein erstes Schmuckgeschäft aufgemacht und es dann zu mehreren Filialen in und um Stuttgart gebracht habe. Bei den anderen Beschuldigten soll es sich um Angehörige der großen Familie handeln.

Bei der Razzia wurden den ganzen Tag über Beweismittel gesucht und gesichert. Wie die Ermittler auf die Spur der mutmaßlichen bandenmäßigen Hehler kamen, darüber war am Dienstag nichts zu erfahrnen. „Die Auswertung des Beweismaterials“, so Staatsanwalt Holzner, „wird sicher einige Zeit in Anspruch nehmen.“

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