Wo heute noch das Gebäude der ehemaligen Kultkneipe Vertiko steht, Foto: Sägesser

Nach Jahren der Ungewissheit wird nun das Gebäude der ehemaligen Kultkneipe Vertiko an der Filderhauptstraße 88 abgerissen. Der Besitzer, die Schönbuch Brauerei, möchte das Grundstück behalten und Wohnungen bauen.

Plieningen - In der Kneipe sieht es aus wie nach einer wilden Party. Die Stühle stehen kreuz und quer herum, ein paar Kaffeetassen warten auf die Spülmaschine, und ein einsames Schnapsglas steht auf der Theke. Bald wird all das verschwunden sein. Die Tage der ehemaligen Plieninger Traditionskneipe Vertiko an der Filderhauptstraße 88 sind gezählt. Zwar lebte sie mit neuem Pächter und unter neuem Namen noch einmal kurz auf. Den letzten Gast hat die Wirtschaft dennoch vor anderthalb Jahren gesehen. Nun soll das Gebäude abgerissen werden. Das hat der Besitzer, die Böblinger Schönbuch Brauerei, bestätigt.

„Als Gaststätte wäre das Gebäude nicht mehr wirtschaftlich mit den wenigen Sitzplätzen“, nennt Geschäftsführer Götz Habisreitinger einen der Gründe für den Abriss. Zudem sei die Bausubstanz sehr schlecht und „man hätte viel Geld reinstecken müssen“, beispielsweise um die heute geltenden Brandschutzverordnungen zu erfüllen. Der Abriss ist deshalb beschlossene Sache.

Dem Wirt wurde die Sache zu bunt

Die Geschichte der Plieninger Kneipe am Ufer der Körsch war lange geprägt von Ungewissheit. Jahrzehntelang wurde die Szenekneipe unter dem Namen Vertiko betrieben. Im Juli 2007 verkündete die Schönbuch Brauerei, dass sie das Grundstück verkaufen wolle. Eine Bauträgergesellschaft, ebenfalls aus Böblingen, wollte das Gebäude abreißen und Wohnungen errichten. Zum Vertragsabschluss kam es aber nie. Über die Gründe hielten sich beide Seiten bedeckt.

Dem damaligen Wirt Roland Jehle wurde die Sache dennoch zu bunt. Er verließ Plieningen. Denn während der Verhandlungsphase wurde sein Pachtvertrag ein Jahr lang nur unter Vorbehalt aufrechterhalten. Alle zwei Monate bekam er Aufschub für seinen Auszugstermin. Ab August 2008 versuchte nochmals ein neuer Wirt sein Glück, renovierte das Haus und änderte den Namen in Restauration Jägerhof. Zwei Jahre nach der Eröffnung verkaufte aber auch Thomas Labusch das letzte Bier und entschied sich für einen anderen Kneipen-Standort. Seither steht das ehemalige Vertiko leer. Nach einem neuen Pächter wurde „nicht mehr offensiv“ gesucht, sagt Götz Habisreitinger.

Die Brauerei will das Grundstück behalten

Wie es nach dem Abriss weitergeht, verrät der Schönbuch-Geschäftsführer bereits. Die Brauerei will das Grundstück behalten und voraussichtlich selbst ein Mietwohnhaus bauen. „Das ist der Stand der Dinge. Wir haben bisher aber weder ein Abriss- noch ein Baugesuch beim Baurechtsamt gestellt“, sagt Habisreitinger. Weitere Alternativen wie ein Apartmenthaus mit Hotelservice seien ebenfalls geprüft worden. „Das gibt das Grundstück aber nicht her“, erklärt er die Entscheidung. Da die Brauerei derzeit noch ein anderes großes Projekt beackere, werde voraussichtlich vor kommendem Jahr nichts passieren.

Nur ein paar Hausnummern weiter, im Bezirksrathaus an der Filderhauptstraße 155, waren die Abrisspläne bislang nicht bekannt. „Ich bin schon überrascht“, gesteht die stellvertretende Bezirkschefin Regine Theimer. Sie kenne die Wirtschaft noch aus der Vertiko-Zeit und „damals hat die Kneipe einfach zu Plieningen dazugehört“, sagt sie mit ein wenig Nostalgie in der Stimme. Sie persönlich habe die Hoffnung gehabt, dass sich vielleicht doch noch einmal eine Nischen-Gastronomie an der Hauptstraße im Ort niederlässt.

Ein akuter Notstand werde ihrer Meinung nach nicht ausbrechen. Zum einen, da die Bürger sich in den vergangenen Jahren bereits daran gewöhnt haben, dass die Kneipe fehlt. Zum anderen, sagt Regine Theimer, „gibt es genügend andere gute Restaurants und Biergärten in Plieningen“.

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