So in etwa könnte der Parkplatz beim Wellarium künftig aussehen. Foto: LEA

Stadt lässt Förderantrag für Klimaschutzprojekt erstellen, von dem etliche Haushalte profitieren könnten.

Steinheim - Unterm Strich herrschte in der jüngsten Sitzung des Steinheimer Gemeinderats nahezu Einigkeit, dass das angepeilte Nahwärmenetz mit der Heizzentrale beim Schulzentrum ein großer Wurf sein kann und ein Meilenstein im Hinblick auf das Bestreben, eine klimaneutrale Energieversorgung zu erreichen. So gaben dann auch fast alle Gremiumsmitglieder grünes Licht dafür, einen Förderantrag für das Projekt beim Bund einzureichen. Einzig Markus Klein von der CDU votierte dagegen, sein Fraktionschef Uwe Löder enthielt sich der Stimme. Sollte man am Ende eine Zusage über Zuschüsse bekommen und schließlich ein Baubeschluss gefasst werden, würde ein weit und breit einmaliges Vorhaben gestartet: Mit einem Mix aus Solarzellen, die über den Parkplätzen beim Wellarium errichtet werden könnten, und der bestehenden Holzhackschnitzelanlage im Schulzentrum soll so viel Energie gewonnen und punktuell gespeichert werden, dass das Freibad und die Wohnviertel um die Beethovenstraße und die Steinbeisstraße mit Wärme beliefert werden. Perspektivisch könnte das Netz erweitert und weitere Quartiere angedockt werden.

Man mache sich dadurch unabhängig von Importen, kreiere ein klimaneutrales System und habe keine finanzielle Belastung durch etwaige Abgaben für den CO2-Ausgleich, fasste die Klimaschutzmanagerin Rebecca Roller zusammen. Der ganze Kreislauf könne auch um weitere alternative Technologien wie Brennstoffzellen erweitert werden, ergänzte Anselm Laube, Geschäftsführer der Ludwigsburger Energieagentur (LEA), der das Modell ersonnen hat und die Kommune bei dem Projekt begleitet. Laube rechnet damit, dass sich rund 65 Prozent der Haushalte für das Nahwärmenetz begeistern können. Der Chef der LEA machte auch darauf aufmerksam, dass der Zeitpunkt jetzt günstig sei, eine solche Initiative zu beginnen, weil viele Fördermittel abgeschöpft werden könnten. Für die erste Ausbaustufe winken der Stadt rund fünf Millionen Euro, gut sieben Millionen Euro müssten insgesamt in die Hand genommen werden. Diese Ausgaben brächten die regionale Wertschöpfung in Schwung, meinte Laube. „Das ist eine Win-win-Situation“, fasste er zusammen.

Ähnlich begeistert reagierte Rainer Breimaier von den Grünen. Man mache sich unabhängiger von Gas- und Ölbaronen und spare Energiekosten. Breimaier zeigte sich zudem zuversichtlich, dass die Kommune das Vorhaben trotz Einnahmeeinbrüchen in der Coronakrise schultern kann. Schließlich stünden die Hauptausgaben erst 2023 oder 2024 auf der Agenda. „Die SPD war und ist beeindruckt von dem Konzept“, zeigte sich auch Annette Grimm von den Sozialdemokraten angetan. Die Fraktionsvorsitzende machte sich aber Sorgen, dass das Ganze daran scheitert, dass am Ende nicht genügend Haushalte mitmachen. Sie erkundigte sich, ob eine Bestandsaufnahme bei den potenziellen Abnehmern im Vorfeld vielleicht sinnvoll wäre. In eine ähnliche Richtung dachte Timo Renz von den Freien Wählern. „Man müsste gleich mit Begeisterung in die Bevölkerung reingehen“, empfahl er. Renz sah andernfalls und ohne entsprechende Informationspolitik die Gefahr, dass einige Eigentümer nun ihre Heizungen auf Vordermann bringen – und dann in ein paar Jahren als Kunden für das Wärmenetz verloren sind. Außerdem solle die Verwaltung eine Lösung für die Finanzierung des Projekts aufzeigen.

Uwe Löder will ebenfalls vermeiden, sich in ein unkalkulierbares finanzielles Risiko zu stürzen. Vorab müsste beispielsweise geklärt werden, wer für Verluste haftet oder was mit dem vorhandenen Gasnetz geschieht und ob die Verträge dazu einen Konkurrenzbetrieb zulassen. Der Christdemokrat wollte zudem wissen, ob unterm Strich nicht sogar eine dezentrale Lösung sinnvoller wäre, bei der die einzelnen Hausherren auf eigene Solarthermieanlagen setzen.

Anselm Laube glaubt allerdings nicht, dass Insellösungen der Weisheit letzter Schluss sind. Man bräuchte dann jeweils große Wärmespeicher im Gebäude. „Wir haben im Landkreis auch nicht so viel Wald“, betonte er im Hinblick auf Heizungen auf der Basis von Biomasse. In Richtung Annette Grimm und ihren Bedenken wegen der Anschlussquote sagte der Geschäftsführer der LEA, dass man im Rahmen der Antragsstellung für die Zuschüsse eine Bestandsaufnahme der Heizungstypen durchführe. Aber klar sei auch: „Wenn wir zu einem Zeitpunkt X der Vorplanung nicht genügend Interessensbekundungen oder Vorverträge auf dem Tisch liegen haben, müssen wir das Projekt abbrechen.“

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