Die Stadtverwaltung will die Zäune am Friedhof erhöhen, um die Rehe fernzuhalten Foto: factum/Bach

Der Korntaler Friedhof hat ein Problem mit Wildtieren. Besucher beschweren sich nicht nur über abgefressene Blumenkränze. Die Rehe hinterlassen auch Exkremente rund um die Gräber. Ein wirksames Mittel gegen die Vierbeiner kennt bisher niemand.

Korntal-Münchingen - Als Iris Lopresti ihrem verstorbenen Bruder an Weihnachten 2015 einen Rosenstrauß ans Grab im Korntaler Friedhof legt, sind am nächsten Tag alle Blüten ab. „Zuerst dachte ich, irgendjemand will uns etwas Böses“, erzählt Lopresti. Doch dann berichten ihr andere Besucher, dass es hungrige Rehe seien, die die Blumen abfressen.

Doch die Wildtiere sind nicht nur gefräßig. Die Korntalerin Christa Maier kommt im November 2016 das erste Mal auf den Friedhof, weil ihr Mann dort begraben liegt. Nicht nur die hellen Rosen und die Gerbera, die sie ihm ans Grab gelegt hat, sind abgefressen. „Um das gesamte Grab meines Mannes waren Hinterlassenschaften von Tieren angehäuft“, berichtet Maier. Auch sie erfährt von anderen Besuchern, dass Rehe dafür verantwortlich seien. Einmal sei es so schlimm gewesen, dass Maier nicht einmal mehr ans Grab laufen konnte.

Die Regplage dauert etwas mehr als ein Jahr an

Gegen den Kot können die zwei Frauen nichts unternehmen. Zumindest die Blumen wollen sie aber schützen. Sie hätten sich deshalb an die Friedhofsgärtnerei Stellmacher gewandt. Der Besitzer, Klaus-Dieter Stellmacher, habe ihnen empfohlen, Hornmehl auf die Blumen zu streuen. „Das funktioniert“, berichtet Lopresti. Die Rehe schrecke das ab. „Aber es bringt nichts, wenn es schneit oder regnet.“ Immer wieder müsse sie das Grab von Neuem verschönern. „Und das kostet ja auch immer Geld“, so Lopresti.

Laut Stellmacher dauert die Rehplage seit etwas mehr als einem Jahr an. Wieso das Wild plötzlich den Friedhof zur Fressmeile auserkoren hat, kann sich der Gärtner nicht erklären. Auch Revierförster Steffen Frank kann nur darüber spekulieren. Einerseits sei da eine gewisse Anpassungsfähigkeit: Gerade das Rehwild aus dem Seewald, das immer wieder Kontakt zu Spaziergängern hat, wisse inzwischen, dass keine Gefahr vom Menschen ausgeht. Andererseits gebe es einen sogenannten Populationsdruck – gerade im Winter, wenn sich viele Tiere in den Wald zurückziehen. „Die Tiere stehen sich im Seewald auf den Füßen. Sie suchen deshalb nach Möglichkeiten, ihren Lebensraum zu erweitern“, erklärt Frank.

Das Wild in den Griff zu kriegen, ist nicht so einfach

Christa Maier und Iris Lopresti sagen, die Stadtverwaltung bereits darauf hingewiesen zu haben, dass es auf dem Korntaler Friedhof ein Rehproblem gibt. Auch andere Besucher hätten sich beschwert. Doch bis heute habe sich nichts geändert, kritisiert Christa Maier. Immer noch würden Blüten abgefressen, immer noch lägen hier und da kleinere und größere Kothaufen.

Doch die unappetitlichen Hinterlassenschaften in den Griff zu kriegen, ist nicht so einfach. Selbst Revierförster Frank weiß keinen Rat, wie man die Rehe vom Friedhof fernhalten kann. Zur Not, so Frank, müssen man sie „demobilisieren“ – was so viel bedeute wie sie mit einem Betäubungspfeil bewegungsunfähig zu machen, um sie dann wieder in den Wald zurückzubringen. Dass die Rehe aber erneut auf den Geschmack der Grabblumen kommen und auf den Friedhof zurückkehren, könne die Demobilisierung wohl nicht verhindern.

Der Zaun soll erhöht werden

Im Korntal-Münchinger Rathaus ist das Problem bekannt. Aber auch die Verwaltung scheint machtlos gegen die tierischen Vierbeiner zu sein. „Wir können das Eindringen der Rehe auf den Friedhof leider nicht vollständig verhindern“, so Regina Neuhöfer, Fachbereichsleiterin der Öffentlichen Ordnung. Dennoch gibt es einige Vorkehrungen: „Um es aber wenigstens zu erschweren, haben wir in der Vergangenheit immer wieder Zaunreparaturarbeiten vorgenommen, beziehungsweise fehlende Zaunteile entlang der Ludwigsburger Straße ergänzt.“ Zudem soll „so schnell wie möglich“ der Zaun entlang der Ludwigsburger Straße erhöht werden.

Auch die Besucher können dafür sorgen, die Rehe fernzuhalten. Die Stadt appelliert an die Bürger, die Tore des Friedhofs zu schließen, da man den Rehen sonst ihren Gang zum Vespertisch zu einfach mache.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: