Pixomondo Wie Kater Findus in Stuttgart lebendig wird

Von Bernd Haasis 

Pettersson lebt auf einem sonnigen Märchenhof mit allerlei Getier, als der Kater Findus auftaucht und sein Leben auf den Kopf stellt. Das Stuttgarter Effektstudio Pixomondo hat den Vierbeiner animiert in der ersten Realverfilmung des Kinderbuchs, die an diesem Donnerstag in die Kinos kommt.

Pettersson lebt auf einem sonnigen Märchenhof mit allerlei Getier, als der Kater Findus auftaucht und sein Leben auf den Kopf stellt. Das Stuttgarter Effektstudio Pixomondo hat den Vierbeiner animiert in der ersten Realverfilmung des Kinderbuchs, die an diesem Donnerstag in die Kinos kommt.

Stuttgart - Pettersson-Darsteller Ulrich Noethen musste sich Findus beim Drehen vorstellen – einmontiert wurde die Trick-Katze erst hinterher. Für die Kinobesucher sieht es nun so aus, als würden die beiden Helden des schwedischen Kinderbuchautors Sven Nordqvist fröhlich interagieren.

Das Stuttgarter Effekt-Studio Pixomondo hat die Katze zum Leben erweckt und in den Film integriert. Neben visuellen Effekten (VFX) für US-Produktionen wie „Hugo ­Cabret“ und „Oblivion“ hat es nun auch den Kinderfilm als Arbeitsfeld erschlossen. „Qualitativ gibt es da keinen Unterschied “, sagt Niederlassungsleiter Christoph Malessa, „,Pettersson und Findus’ ist mit das Hochwertigste, was man an Kinderfilm ­machen kann – es freut uns, dass es in Deutschland Produktionen dieser Größe gibt.“ 8,5 Millionen Euro hat der Film gekostet – auch weil die Katze sehr oft vorkommt.

Entscheidend sei, dass die Effektleute früh eingebunden wurden: „Wir waren von Anfang an dabei, und es war minutiös ­besprochen, wo und wie die Katze vorkommt“, sagt Malessa. „Je genauer man ­alles plant bis hin zum Dreh, desto größer ist nachher der Effekt.“ Die zweidimensionale, gezeichnete Katze wurde bei ­Pixomondo in eine dreidimensionale Figur übertragen, genau wie die Mucklas, kleine Kobolde. „Man setzt die Trickfiguren in die real gedrehten Szenen ein und gleicht Helligkeit, Farbe und Schärfe an, damit ein homogenes Bild entsteht“, sagt Malessa. Auch Hintergründe und Landschaften stammen aus dem Computer, „mal tauscht man den Himmel aus, mal fügt man Landschaft an.“

Die aufs Kindergartenalter zielende Handlung dreht sich um Freuden, Sehnsüchte und Ängste, die Kleine (Findus) wie Große (Pettersson) umtreiben. Noethen tollt als zerstreuter Opa durch die bunte Fantasiewelt, der neugierige Findus erkundet sie bis in die Winkel, Marianne Sägebrecht taucht als gute Seele auf, und zur Feier so manchen Tages gibt es Pfannkuchentorte.

„Wir haben drei bis vier Bücher zusammengefasst“, sagt Produzent Thomas Springer, der auch das Drehbuch verfasst hat. „Das Ziel war, nah am Original zu bleiben.“ Er ist Mitinhaber der Kölner Firma Tradewind, Schwerpunkt Kinderfilme. „Weil wir selbst Kinder haben – und vielleicht auch ein kindliches Gemüt“, sagt Springer und grinst dabei über beide Backen. Die „magische ­Anziehungskraft des VFX-Standorts Baden-Württemberg“ habe sie nach Stuttgart geführt, „hier gibt es einfach eine große Kompetenz“. Und nicht nur das: „Mit dem Namen Pixomondo kann man internationale Partner gewinnen.“ Und Geld: Die baden-württembergische MFG-Filmförderung hat den Streifen unterstützt, als klar war, dass Findus ein Stuttgarter werden würde.

VFX für Hollywood-Filme macht Pixomondo meist parallel an mehreren Standorten, beim Tom-Cruise-Zukunftsthriller „Oblivion“ „über 50 Prozent in Stuttgart“, sagt Malessa. „Bei ,Pettersson und Findus’ waren es 100 Prozent, denn wir verteilen Arbeit erst ab einem gewissen Volumen.“

Auch das ist ein Anreiz, solche Projekte zu machen, und das nächste ist bereits im Kasten: Anfang 2015 kommt die Verfilmung von Jo Nesbøs Kinder-Bestseller„Doktor Proktors Pupspulver“ ins Kino, noch eine Kooperation von Tradewind und Pixomondo, wieder mit Hilfe der MFG. In dem turbulenten Abenteuer für Sieben- bis Zehnjährige geht es um Pupspulver, das flugfähig macht. Der kleine Held Bulle saust über die Dächer der Stadt, angetrieben vom eingefärbten Rückstoß, den das Wundermittel erzeugt. „Allein der Pupsrauch brauchte sieben Terabyte Speicher“, sagt Malessa.

Auch eine 40 Meter lange Anaconda wurde im Computer zusammengebaut – aus 10 Millionen Polygonen. „Sie stammt vom selben Kollegen, der die Drachen für ,Game of Thrones’ gemacht hat“, sagt Malessa. „Sie sollte böse sein, aber nicht zu böse, um die Kinder nicht zu sehr zu erschrecken.“ Schön gruslig ist sie geworden und ein Beispiel für Detailtiefe: In den Augen der Schlange spiegelt sich das menschliche Gegenüber.

„Pettersson und Findus“ ist ohne Altersbeschränkung freigegeben und kommt an diesem Donnerstag in die Kinos.

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