Pilzinfektionen Experten warnen vor spezieller Diät bei Candida-Syndrom

Von Angela Stoll 

Bei etwa 70 Prozent der Erwachsenen findet man  Pilze auch  im Darm, allen voran der  Candida albicans. Foto: dpa
Bei etwa 70 Prozent der Erwachsenen findet man Pilze auch im Darm, allen voran der Candida albicans. Foto: dpa

Pilzinfektionen sind nach der Erfahrung vieler Menschen eher lästig als bedrohlich. 1,7 Milliarden Betroffene weltweit haben sich schon gegen Pilze zu Wehr setzen müssen – meist handelt es sich dabei um Fuß- oder Nagelpilz, aber auch eine Pilzinfektion der Schleimhäute ist häufig.

Tübingen - Pilzinfektionen sind nach der Erfahrung vieler Menschen eher lästig als bedrohlich. 1,7 Milliarden Betroffene weltweit haben sich schon gegen Pilze zu Wehr setzen müssen – meist handelt es sich dabei um Fuß- oder Nagelpilz, aber auch eine Pilzinfektion der Schleimhäute ist häufig. Doch nicht immer müssen Pilze im menschlichen Körper behandelt werden: Bei etwa 70 Prozent der Erwachsenen findet man Pilze auch im Darm, allen voran der Candida albicans.

Diesem Pilz wird so manches zugetraut: So glauben viele Naturheilkundler, dass eine übermäßige Pilzbesiedlung des Darms zu ganz verschiedenen Problemen führen kann, etwa zu Müdigkeit, Kopfschmerzen und Asthma. Möglicherweise gibt es auch einen Zusammenhang zwischen Hautkrankheiten wie Neurodermitis und einer starken Candida-Besiedlung des Darms. Sie nennen es das Candida-Syndrom.

Diese Darmpilz-Hypothese geht auf den amerikanischen Internisten C. Orion Truss zurück. Er glaubte, dass Medikamente, Umweltgifte, Konservierungs- und Farbstoffe sowie eine zuckerreiche Ernährung dazu führen, dass sich Candida den Körper schwächt. Heilung versprechen sie sich von einer speziellen, möglichst zuckerfreien Ernährungsweise, um dem Pilz wiederum die Nahrungsquellen zu entziehen.

Blutungen in schweren Fällen

Doch dieses Verfahren ist unter Experten sehr umstritten. Für einen gesunden Menschen ist der Candida kein Problem, sagt Martin Schaller von der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft. Erst wenn sich diese Balance ändert – etwa durch eine Behandlung mit Antibiotika – „übernimmt der Pilz das Regiment.“ Dann kann es zu juckenden und nässenden Rötungen an Haut oder Schleimhäuten kommen.

Auch im Darm kann der Pilz überhand nehmen, etwa wenn ein Patient ein stark geschwächtes Immunsystem hat oder lange Antibiotika einnehmen musste. Symptome hierfür sine ein weißer Belag auf der Zunge. Außerdem leiden die Patienten öfters an Schleimabgängen, teils an Durchfällen. In schweren Fällen kommt es zu Blutungen.

Von einer Anti-Pilz-Diät mit rigorosem Trauben- und Fruchtzuckerverzicht halten Mediziner allerdings nichts. Sinnvoller sei eine ausgewogene, vielseitige Ernährung, sagt Jürgen Tietz, der das Institut für Pilzkrankheiten in Berlin leitet. Wird eine starke Candida-Besiedlung des Darms nachgewiesen, empfiehlt Tietz, auch den Mundraum auf Pilzbefall zu untersuchen. So setzen sich die Pilze manchmal unter den dritten Zähnen, an kariösen Stellen oder am Zahnstein fest. Diese gilt es dann noch vor dem Darm zu therapieren. Mittel der Wahl seien die Anti-Pilz-Mittel Miconazol und Nystatin.

Hoffnungen setzen manche Forscher in Probiotika, die unter anderem viele Milchsäurebakterien enthalten. Diese können die Pilzbesiedlung im Darm reduzieren. So könnten Menschen, die anfällig für schwere Candida-Infektionen sind, etwa hochbetagte Patienten oder Frühgeborene, schon bald vorbeugend Probiotika bekommen.

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