Beim Imbiss im katholischen Pfarrgarten unterhielten sich die Pilger über Trennendes und Verbindendes bei den verschiedenen Glaubensrichtungen. Foto: Waltraud Daniela Engel

Die christlichen Gemeinden haben einen ökumenischen Pilgerspaziergang unternommen und sind dabei von Kirche zu Kirche gezogen.

Stuttgart-Vaihingen - Es müsste mehr solcher Veranstaltungen geben, damit Brücken gebaut und Gräben zugeschüttet werden“, sagte Gabriele Wickenhäuser im Anschluss an die Pilgerreise durch Vaihingen. Um voneinander zu lernen und einander besser kennenzulernen, war sie mit rund 50 weiteren Pilgern am Freitagabend dem Angebot der christlichen Gemeinden gefolgt und von Kirche zu Kirche gezogen. Nach dem ökumenischen Kirchentag 2011 in Vaihingen war allen Beteiligten der evangelischen, methodistischen und katholischen Gemeinden klar, dass sie im Grunde recht wenig voneinander wissen. Daraus entwickelte sich die Idee für einen Austausch, der im Pilgern seinen Anfang nahm.

Neue theologische Impulse kamen durch das verbindende Element der Taufe. Während die evangelische Pfarrerin Eveline Kirsch die Theorie erklärte, konzentrierte sich die methodistische Pastorin Birgitta Hetzner auf die Praxis mit viel Gesang, und Pfarrer Stefan Ruf von der katholischen Gemeinde schloss die Pilgerreise mit der Erklärung der Taufsymbole.

„Keiner hat die Wahrheit für sich gepachtet“

Etwas ausführlichere Informationen über die Gebäude selbst hätten sich einige Teilnehmer gewünscht: Die offensichtlich unterschiedliche Architektur – von den Buntglasfenstern in der evangelischen Stadtkirche über ein schlichtes funktionales Interieur in der methodistischen Pauluskirche bis hin zur prunkvollen katholischen Christus-König-Kirche – wurde nicht thematisiert. Aber diese offensichtlichen Unterschiede brachten auch die Gespräche im Anschluss im Pfarrgarten in Gang. Gespräche, die vor allem die Toleranz und Offenheit gegenüber den anderen Religionen widerspiegelten, meinte Ruf. Und Hetzner ergänzte: „Keiner hat die Wahrheit für sich gepachtet.“

Der Pastoralreferent Joachim Klopfer sieht hingegen aber auch die Gräben zwischen den Glaubensrichtungen: „Auch auf offizieller Ebene müsse man Schritte aufeinander zugehen, damit irgendwann vielleicht ein gemeinsames Abendmahl möglich ist“. In Vaihingen funktioniert nach Ansicht von Klopfer die Ökumene bereits an der Basis, da es fast ausschließlich gemischt-konfessionelle Familien gibt. Trotzdem müsse man – ganz im Sinne des Pilgerns – noch ein Stück des Weges gemeinsam miteinander und aufeinander zu gehen, bestätigte auch Pfarrerin Kirsch.

Ganz dem Wunsch von Wickenhäuser und den anderen Pilgern entsprechend findet im Herbst eine ökumenische Fortbildungsreihe in Vaihingen statt, bei der sich zeigen soll, dass das, „was uns verbindet, viel stärker ist, als das, was uns trennt,“ erklärte Kirsch.

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