Solaranlage: Zwischen Beantragung und Inbetriebnahme dauert es laut Stadtwerken im Schnitt ein Jahr. Foto: imago//Christian Ohde

Das Interesse an Photovoltaik ist groß. Ulrich Seiffert aus Stuttgart-Möhringen hat bei den Stadtwerken eine Solaranlage beauftragt. Die Module sind zwar schon lange auf dem Dach, aber der 85-Jährige wartet seit Mai 2022 auf den Anschluss. Das sind die Gründe.

Nach einer monatelangen Hängepartie kommt jetzt wieder etwas Bewegung in die Sache. Ulrich Seiffert hat im November 2021 eine Solaranlage für sein Haus in Stuttgart-Möhringen beauftragt. „Ich muss gucken, dass die ganze Technik noch zu meinen Lebzeiten ans Netz geht“, sagt der 85-Jährige. Bisher hat er nämlich noch kein Watt Sonnenstrom geerntet.

 

Ulrich Seiffert erzählt, er habe die Stadtwerke Stuttgart mit der Solaranlage beauftragt. Sein Schwager und dessen Kinder hätten gute Erfahrungen gemacht. „Ich dachte, das läuft alles, da muss man nicht viel machen.“ Er will selbst lieber im Hintergrund bleiben, aber seine bald zweijährige Geschichte hält er doch für erzählenswert. Seit Mai 2022 seien die 20 Solarmodule auf dem Dach des Hauses, erzählt Ulrich Seiffert. Bis heute, 15 Monate nach Installation, ist die Anlage nicht am Netz.

Lieferengpässe verzögern Installation

Nun sind bald zwei Sommer ins Land gegangen, in denen seine Anlage mit ihren zehn Kilowattpeak viel Energie hätte abwerfen können. Das Problem sei der Schaltschrank gewesen, sagt Seiffert. Dieser musste erneuert werden, aber es würden Komponenten fehlen, habe das Installationsunternehmen immer wieder gesagt; es habe den Auftrag von den Stadtwerken übernommen.

Im Internet fand Seiffert, gelernter Elektroingenieur, die Teile jedoch. „Ab da habe ich ständig angerufen“, sagt er. Vor ein paar Tagen sei dann ein Trupp da gewesen. Der habe auch einiges erledigt, doch nun fehle noch die Internetverbindung, erst dann könne die EnBW als Netzbetreiber den Zähler tauschen. Ulrich Seiffert ist technisch interessiert. Über Solaranlagen sagt er: „Das ist die Zukunft.“ Nach all den E-Mails und Telefonaten, die der 85-Jährige in den vergangenen Monaten abwickeln musste, stellt er allerdings leicht resigniert fest: „Ich würde es heute wohl nicht mehr machen, das wäre mir wahrscheinlich zu viel.“

Stadtwerke Stuttgart realisieren derzeit 200 Anlagen

In der Regel betrage die Wartezeit zwischen Beauftragung und Inbetriebnahme ein Jahr, teilt Caroline von Graevenitz, die Sprecherin der Stadtwerke Stuttgart, mit. Dass es auch mal so lange wie bei dem Fall in Stuttgart-Möhringen dauern kann, könne leider vorkommen. Grund seien Engpässe bei Komponenten und Handwerkern. „Die Welle wird aber derzeit intensiv abgearbeitet, und die Lage entspannt sich langsam“, so von Graevenitz.

Aktuell realisieren die Stadtwerke Stuttgart 200 Photovoltaik-Anlagen. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren waren es laut der Sprecherin etwa 50. Um die Auftragslage zu bewerkstelligen, arbeiten die Stadtwerke mit circa 15 Partnerunternehmen zusammen „und sind ständig auf der Suche nach weiteren Partnern“.