Dass im Pflegezentrum Haus Schönberg eine Flüchtlingsunterkunft eingerichtet werden soll, ist noch immer umstritten. Nun sind weitere Details bekannt geworden.
In der künftigen Flüchtlingsunterkunft im Birkacher Stadtteil Schönberg sollen vor allem „ausgesuchte Fälle“ untergebracht werden. Das kündigte am Dienstagabend eine Vertreterin des Sozialamts bei einer Informationsveranstaltung im Gemeindesaal der Himmelfahrtskirche an.
Wegen der Ausstattung des ehemaligen Altenpflegeheims könnten demnach vor allem behinderte und pflegebedürftige Flüchtlinge, Schwangere sowie Frauen mit Babys und Kleinkindern künftig dort leben. Man schaue immer, welche Unterkunft für welchen Personenkreis besonders gut geeignet sei, so die Sozialamtsmitarbeiterin. Rund 100 Bürger waren der Einladung des Birkacher Bezirksamts gefolgt, um über die Unterbringung der Flüchtlinge im ehemaligen Pflegeheim Haus Schönberg informiert zu werden. Die Frage, mit welchem Personenkreis ab etwa Ende dieses Jahres das Gebäude am Röhrlingweg belegt werden soll, treibt aktuell viele Bewohner des 1500 Einwohner zählenden Stadtteils um. Die Sozialamtsmitarbeiterin erklärte, dass zuletzt in Stuttgart vor allem Asylbewerber angekommen seien, die Zahl der Flüchtlinge aus der Ukraine hingegen rückläufig sei.
Aufregung im Schönberger Gemeindesaal
Wie die Birkacher Bezirksvorsteherin Andrea Lindel erklärte, wolle die Stadt eigentlich eine größere Anzahl an Flüchtlingen in der Unterkunft unterbringen, als die derzeit vom Regierungspräsidium Stuttgart genehmigten 101 Personen. „Dafür braucht es aber ein brandschutzrechtliches Gutachten“, sagte Lindel. Anschließend könnte mit einem neuerlichen Bauantrag eine Erhöhung der Bewohnerzahl erreicht werden.
Diese Ankündigung führte am Dienstag im Schönberger Gemeindesaal zu erheblicher Aufregung. Einige Zuhörer forderten, es im Sinne eines Kompromisses bei der jetzt angekündigten Zahl an Flüchtlingen zu belassen. Bereits im vergangenen Januar hatte Sozialbürgermeisterin Alexandra Sußmann erklärt, dass im Haus Schönberg theoretisch bis zu 370 Menschen Platz finden könnten.
Buslinie 71 könnte künftig häufiger fahren
Lindel informierte zudem darüber, dass die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) angesichts des zu erwartenden Mehrbedarfs in Aussicht gestellt habe, die ÖPNV-Anbindung des Stadtteils zu verbessern. Demnach könnte ab Herbst 2024 an Werktagen die Buslinie 71 zu den Hauptverkehrszeiten im 15-Minuten-Takt verkehren. Für die Angebotsausweitung müsse ein zusätzliches Fahrzeug in den Umlauf gebracht werden, zitierte Lindel die SSB. Hierfür müssten zunächst Mittel in den städtischen Haushalt eingestellt werden.
Die Mitarbeiter der Johanniter, die künftig die Flüchtlingsunterkunft betreiben, warben dafür, sich in der Unterkunft ehrenamtlich zu engagieren. Demnach werden Helfer zum Beispiel für die Hausaufgabenbetreuung von Flüchtlingskindern, für die Organisation von Ausflügen und die Durchführung von Sprachkursen gesucht. Als künftiger Hausleiter der Unterkunft bat auch Erzin Taze um die Mithilfe der Nachbarn. Taze ist aus politischen Gründen selbst aus der Türkei geflohen und lebt seit sechs Jahren in Deutschland.