Mophilis Fadjzai aus Simbabwe sah sich Gewalt und Mobbing ausgesetzt. Foto: Christoph Link

Afrikanische Krankenschwestern in Deutschland erfahren oft Rassismus am Patientenbett. In Mainz trafen sich 200 von ihnen zum Erfahrungsaustausch.

Die Signale der Wertschätzung kommen gut an, jüngst beim ersten Treffen der afrikanischen Krankenpfleger in Deutschland. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat eine Mail mit guten Wünschen geschickt, die kenianische Botschafterin aus Berlin ist da, und die Landesregierung von Rheinland-Pfalz hat einen Redner entsandt. Und der ist sehr angetan.

 

„Noch nie bin ich so empfangen worden, so viel Lebensfreude spüre ich hier“, sagt der Landesvertreter, Miguel Vincente, Beauftragter für Migration und Integration, nachdem er von tanzenden und singenden Frauen in den Saal des „Hauses der Kulturen“ in Mainz geleitetet worden ist. Pflegekräfte aus Afrika spielen im deutschen Gesundheitssystem eine immer wichtigere Rolle. Um ihre Anliegen drehte es sich bei der Tagung des vor fünf Jahren gegründeten Vereins African Nurses and Pfleger in Germany (ANPG) – und da ging es um Weiterbildung, Karrierechancen, Anwerbung, aber auch um Rassismus im Beruf. Der Gesundheitssektor profitiere „massiv“ von der Migration, berichtete Miguel Vincente, schon jetzt hätten 22 Prozent der Beschäftigten der Branche einen Migrantenhintergrund. Es sei Sache der Politik, eine Atmosphäre zu schaffen, in der „Rassismus nicht geduldet wird, die für Vielfalt und Toleranz steht“. Vielen der 200 Tagungsteilnehmerinnen sprach der Redner da aus dem Herzen. „Über Rassismus im Beruf könnte ich ein Buch schreiben“, sagt die Krankenpflegerin und ANPG-Vorsitzende Rose Komarek (36) aus Kenia, die im Krankenhaus in Dinslaken arbeitet. Obwohl sie die Dienstkleidung von Krankenschwestern trage, werde sie von Patienten oft mit der Frage „Bist du die Putzfrau?“ empfangen. Aus der älteren Generation komme manchmal der Hinweis, „fassen Sie mich nicht an“. Selbst wenn sie nur „Guten Morgen“ sage, komme stereotyp die Bemerkung: „Sie sprechen aber gut Deutsch! Woher kommen Sie?“ Mophilis Fadjzai (26) kam vor acht Jahren aus Simbabwe als Au-pair nach Deutschland, machte danach ein Freiwilliges Soziales Jahr und dann eine Ausbildung zur Krankenpflegerin an einer Provinzklinik in Rheinland-Pfalz. „Zweimal wurde ich von Patienten geschlagen, als ich ihnen eine Spritze geben wollte“, berichtet Fadjzai. In der Krankenpflegeschule sei sie von 20 Azubis die einzige Dunkelhäutige gewesen, von ihrer Lehrerin fühlte sie sich gemobbt: „Die wollte mich durchfallen lassen.“ Aber sie fühle sich jetzt wohl in Deutschland, sie schicke ihrer Mutter Geld nach Simbabwe.

Afrikanische Pflegekräfte hochmotiviert

Eine Krankenschwester aus Ostafrika berichtet, dass sie von einer bettlägerigen Patientin einmal mit der Forderung empfangen wurde, sie wolle von „einer richtigen Krankenschwester“ versorgt werden. Sie habe geantwortet, sie sei allein auf der Station und auf eine „richtige Krankenschwester“ müsse sie bis zum Schichtwechsel warten. Später musste die Frau dringend versorgt und gewaschen werden, und später habe sie sich auch entschuldigt.

Gerade jüngere Pflegekräfte brauchten in rassistischen Situationen den Zuspruch und den Austausch, den die Gemeinschaft des Vereins biete, sagt Rose Komarek. Auch bei Mobbing durch Kollegen – so ist in einem Fall eine afrikanische Azubi stets in den Pausen mit dem Reinigen der Urinflaschen beauftragt worden – gibt der Verein Ratschläge. Komarek sieht afrikanische Pflegekräfte als hochmotiviert an, sie wollten ihr Leben und das ihrer Familien verbessern, sie brächten ihre eigene Kultur mit und viel Empathie. Für alle seien Helfer aus Afrika in Deutschland eine Win-win-Situation, sagt auch Kenias Botschafterin Stella Orina: „In Deutschland gibt es eine Lücke bei Krankenpflegerinnen, und in Kenia haben wir viele ausgebildete Fachkräfte, die wir nicht alle beschäftigen können. Wir sind bereit für eine Partnerschaft.“

Laut Bundesagentur für Arbeit hat sich die Zahl der in Deutschland tätigen Kranken- und Altenpfleger aus Afrika von 2013 bis 2023 (Stand September) verachtfacht auf fast 35 000, die aus Asien versechsfacht auf 60 900. Die wichtigsten Ursprungsländer Afrikas sind Tunesien, Marokko, Kamerun, Eritrea, Madagaskar und Nigeria.