Im Rahmen eines Ausbildungsprogramms lernen drei Frauen aus der Türkei auch das Alexander-Stift in Allmersbach im Tal kennen. Nach der Hospitation geht’s nun zurück in die Heimat, aber bald werden sie alle mit einem Ziel wiederkommen.
Was die Hospitation der drei jungen türkischen Frauen in den Häusern des Alexander-Stifts in Lorch und Allmersbach im Tal betrifft, sind sich Steffen Wilhelm und Juliana Friedl einig. Sowohl der Pressesprecher der Diakonie Stetten – das Alexander-Stift ist ein Tochterunternehmen der Einrichtung – als auch die Ausbildungs- und Projektkoordinatorin waren schwer beeindruckt von den künftigen Auszubildenden. „Das war schon ein beachtenswertes Treffen. Die jungen Frauen lernen wie wild Deutsch und können es auch schon ganz gut. Zudem sind sie selbstbewusst und wissen genau, was sie wollen“, sagt Steffen Wilhelm und Juliana Friedl ergänzt, dass das erste Zusammentreffen sehr angenehm war. „Alle drei Damen waren sofort sehr interessiert an allem und haben viele Fragen gestellt rund um ihren künftigen Alltag in Deutschland.“
Der Kennenlernbesuch ist Teil des Türkei-Ausbildungsprogramms
Weil sie dort ab Herbst wohnen und arbeiten werden, waren sie nun zwei Wochen zu Gast in den beiden Häusern des Alexander-Stifts in Lorch und in Allmersbach im Tal. Der Kennenlernbesuch ist Teil des Türkei-Ausbildungsprogramms der Diakonie Baden, an dem der Altenhilfeträger teilnimmt. Im Herbst werden die Frauen wiederkommen und eine dreijährige Ausbildung zur Pflegefachfrau im Alexander-Stift beginnen. Während der Hospitation haben die jungen Frauen vier Tage die Frühschicht und vier Tage die Spätschicht im Haus Lorch begleitet. „Zudem gab es mit den Pflegeschulen in Lorch und in Waiblingen einen Kennenlern-Termin sowie einen Anleitungstag mit einer Kollegin“, erklärt Juliana Friedl.
Die erste Bilanz der künftigen Azubis fällt positiv aus
Und die erste Resonanz der künftigen Azubis klingt positiv: „Ich mag es, alten Menschen zu helfen, und mir gefällt es sehr gut hier“ sagt Sermin Aker. Die 28-Jährige ist mit ihren Kolleginnen Fatma Tikiz (24) und Melike Sahiner (25) für den Besuch aus der Türkei angereist, um die Arbeit und die Menschen im Seniorenzentrum kennenzulernen. Nach der Ausbildung planen sie, in Deutschland zu bleiben und als Fachkräfte zu arbeiten. Alle drei bringen dafür schon praktische Erfahrungen und theoretische Vorkenntnisse mit. „Ich habe in Ankara Altenpflege studiert und ein Praktikum in einem Altenheim gemacht.“ berichtet Melike Sahiner. Und Fatma Tikiz ergänzt: „Ich habe an der Uni Krankenpflege studiert.“ Mit Unterstützung der türkischen Partnerorganisation, der Stiftung Sabev in Ankara, belegen sie bereits seit Monaten Sprachkurse. „Mit den Kooperationspartnern an der Seite kann diese Form der Fachkräftegewinnung eine gute und zukunftsorientierte Ergänzung zu weiteren Maßnahmen im Rahmen der Personalgewinnung eines Unternehmens sein“, sagt Juliana Friedl. Die Ausbildungskoordinatorin ist sicher, das dies „im Idealfall“ auch langfristig dem Fachkräftemangel entgegenwirken könne. „Ich denke, dass es aber keine ausschließliche Art darstellen sollte und auch nicht kann. Man muss mindestens genauso die künftigen Auszubildenden vor Ort im Blick haben und schauen, wie man als Arbeitgeber für Azubis von hier attraktiv sein kann“, sagt Juliana Friedl.
Die drei Besucherinnen haben ihren Ausbildungsvertrag schon in der Tasche – Melike Sahiner und Fatma Tikiz für eine Lehre im Gemeindepflegehaus Allmersbach und Sermin Aker für die Ausbildung im Seniorenzentrum Lorch. Der Lorcher Haus- und Pflegedienstleiter Markus Behr hat die Frauen während des zweiwöchigen Besuchs kennengelernt: „Ich war beeindruckt, wie gut sie schon Deutsch konnten und wie offen sie gleich auf uns und die Bewohner zugekommen sind. Sie waren von Anfang an sehr motiviert und hilfsbereit“, sagt er. Heimleiterin Kriemhilde Sopp erläutert, wie den angehenden Azubis der Einstieg erleichtert werden soll: „Wir stellen ihnen eine Mietwohnung, in der sie als WG leben können.“
Dass künftige Auszubildende aus dem Ausland zum Reinschnuppern kämen, sei das erste Mal für das Alexander-Stift gewesen. „Premiere sozusagen“, sagt Juliana Friedl und fügt hinzu, dass das Alexander-Stift seit Jahren um Mitarbeitende und Azubis aus dem Ausland werben würde. Doch bei den bisherigen Projekten gab es meist nur ein digitales Gespräch. „Die jetzige Form brachte eine andere Tiefe mit sich.“ Hauptziel war das gegenseitige Kennenlernen. Die künftigen Azubis erfuhren von den Verantwortlichen, was sie erwartet. „Ich habe das Gefühl, dass beide Seiten nun dem Start noch gespannter, aber etwas weniger nervös entgegenblicken“, sagt Juliana Friedl.
Türkei-Ausbildungsprogramm
Diakonisches Werk Baden
Im Rahmen des 5. Jahrgangs des Türkei-Ausbildungsprogramms 2022/2023 bietet das Diakonische Werk Baden Einrichtungen der Altenhilfe in Baden-Württemberg an, Menschen aus der Türkei als Auszubildende für die dreijährige Lehre zur Pflegefachkraft zu gewinnen und auf diesem Wege dem bestehenden Bedarf nach Auszubildenden und späteren Fachkräften zu begegnen. Mit der erfolgreich absolvierten Ausbildung erhalten die Teilnehmer in Deutschland den Anspruch auf einen dauerhaften Aufenthalt.
Partnerorganisation
In Kooperation mit einer türkischen Stiftung als Partner wird Menschen aus der Türkei im Rahmen des Programms die Möglichkeit eröffnet, den legalen Weg der Ausbildung und anschließender Berufstätigkeit in Deutschland zu beschreiten. In der Türkei richtet sich das Angebot an junge arbeitsuchende Menschen – zumeist mit Vorerfahrung.