Auch die Glasschale mit den Steinen wird Vallon Foto: Bernd Zeyer

Der evangelische Pfarrer Ulrich Vallon verlässt im Herbst Rot, um Dekan des Kirchenbezirks Sulz am Neckar zu werden.

Rot - Auch wenn die Koffer noch nicht gepackt sind, so ist für Pfarrer Ulrich Vallon doch klar, dass er drei Dinge auf jeden Fall mit nach Sulz am Neckar nimmt: eine Glasschale voller Steine, einen Stein mit eingraviertem Labyrinth sowie ein kurzes Stück Seil. Alle drei Sachen haben für den 52-Jährigen, der Rot im Oktober verlassen wird, eine tiefere Bedeutung.

„Man darf sich nicht in Kleinigkeiten verlieren“

Wer bei Vallon als Schüler in den vergangenen Jahren Religionsunterricht gehabt hat, dem dürfte folgende Szene bekannt vorkommen: Sämtliche Steine werden aus einer blauen Glasschale genommen und auf den Tisch gelegt. Dann sollen die Schüler sie wieder so hineinlegen, dass keiner übrig bleibt. Wer mit den kleinen Steinen anfängt, der scheitert zwangsläufig. „Die großen Brocken müssen zuerst rein“, erzählt Vallon und überträgt diese Erkenntnis aufs Alltagsleben: „Man darf sich nicht in Kleinigkeiten verlieren.“ Das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden habe auch ihm stets geholfen.

1993 war Ulrich Vallon nach Zuffenhausen gekommen, um dort im Pfarramt Pauluskirche seine erste Pfarrstelle anzutreten. 2005 wechselte er dann nach Rot, momentan ist er Geschäftsführender Pfarrer der Gemeinden Rot und Himmelsleiter, die zusammen gut 8000 Mitglieder haben. Als man auf ihn zukam und ihm die Stelle des Dekans im evangelischen Kirchenbezirk Sulz am Neckar anbot, sagte er nach einer kurzen Bedenkzeit schließlich zu. Im Oktober, so der momentane Zeitplan, wird er dort die Verantwortung für knapp 40 000 Gemeindeglieder in 40 Gemeinden übernehmen.

„Nur durch Zusammenwirken entsteht Kirche“

In seinem Arbeitszimmer wird dann auch eine ganz spezielle Erinnerung an die Stuttgarter Zeit liegen: ein knapp 20 Zentimeter kurzes Stück Seil aus einem Klettergarten in Bad Cannstatt. Dort war er oft zusammen mit seinem Kollegen Frithjof Rittberger und Konfirmanden beim Klettern. Das Seil, erklärt Vallon, stehe für Zusammenhalt und Gemeinschaft. Wenn man es aufdröselt, kämen immer neue Seile zum Vorschein. „Das ist ein wunderbares Bild für die Kirche“, sagt der gebürtige Ludwigsburger. Im Zentrum stehe Jesus Christus, um ihn herum würden sich viele Menschen mit verschiedenen Begabungen gruppieren. „Nur durch Zusammenwirken entsteht Kirche“, erläutert Vallon.

In den vergangenen Jahren hat sich der Vater zweier erwachsener Kinder im Auftrag der Landeskirche als Gemeindeberater engagiert. In Rot hat er sich sehr dafür eingesetzt, dass die Fusion der Gemeinden Freiberg, Mönchfeld und Rot zur Gemeinde Himmelsleiter erfolgreich über die Bühne geht. „Es war ein langer Anlaufweg, aber der Erfolg spricht für sich“, sagt Vallon. Stichtag für den Zusammenschluss ist der erste Januar 2013. An seinem zukünftigen Amt reizen ihn die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten. „Wir werden uns von der Vorstellung verabschieden müssen, dass es zukünftig in jedem Ort ein Pfarramt gibt“, blickt er in die Zukunft. Wenn man kirchliches Leben vor Ort erhalten wolle, müsse das Verhältnis von Ehrenamt und Hauptamt neu gewichtet werden.

Mit nach Sulz am Neckar wird Ulrich Vallon auch einen Stein mit eingraviertem Labyrinth nehmen. „Das Labyrinth charakterisiert den Glaubensweg“, sagt der Pfarrer. In der Mitte befinde sich Gott. Wenn man dorthin gelangen wolle, müsse man sich manchmal auch ein Stück vom Mittelpunkt entfernen. Nähe sei ebenso wichtig wie Distanz: „Jesus blieb auch nicht immer bei seinen Jüngern. Manchmal zog er sich auch zurück.“

Nicht aus Zuffenhausen zurückziehen wird sich Vallons Ehefrau Sabine. Sie leitet auch weiterhin die Rosenschule und pendelt nach Sulz. Wer Vallons Nachfolger wird, steht noch nicht fest. Wohl aber, dass er Rot vermissen wird: „Auf einer Zufriedenheitsskala mit zehn möglichen Punkten lag meine Zeit hier bei neuneinhalb.“

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