Die Tierrechtsorganisation Peta mit Sitz in Stuttgart stoppt immer wieder illegale Tierhändler. Dabei kooperieren die Aktivisten mit der Polizei und dem Veterinäramt – und begeben sich auch selbst in Gefahr.
Rund 1000 Euro in bar soll Jana Hoger gleich einem Mann in die Hand drücken, auf einem kleinen öffentlichen Platz in Heilbronn, 10 Uhr hatten sie ausgemacht. 1050 Euro für einen weißen Pudelwelpen, angeboten im Internet. Jana Hoger hat eine Transportbox dabei, da soll das neue Haustier rein. Ihre Kollegin Lisa Bechtloff begleitet sie. Viele Leute sind in dieser Wohngegend nicht unterwegs, ab und zu fährt ein Auto an dem Platz vorbei.
Als die beiden Frauen am vereinbarten Treffpunkt ankommen, nähern sich drei Personen: zwei Männer und eine schwangere Frau. Einer der Männer hat etwas weißes, Flauschiges auf dem Arm – das muss der Welpe sein. Schnell wandert das zitternde Tier in die Arme von Jana Hoger, sie drückt den Welpen fest an sich, wärmt und streichelt ihn. „Der würde meiner Mutter gefallen“, sagt sie zu ihrer Kollegin. Es ist das ausgemachte Stichwort.
Fällt jener Satz – so hatten es die beiden auf der Autofahrt von Stuttgart besprochen –, ist es Zeit, sich ein paar Schritte zu entfernen und die Polizei zu rufen. Dann geht alles ganz schnell. Aus einem der an der Straßenseite geparkten Autos steigen zwei Männer aus, es sind Beamte der Heilbronner Polizei, Abteilung Gewerbe und Umwelt, spezialisiert unter anderem auf Tierschutz. Auch zwei Frauen vom Veterinäramt Heilbronn erscheinen. Verdutzte Blicke bei den drei Personen, die bis eben dachten, mit dem Welpen das schnelle Geld zu machen.
Der Welpe kam illegal aus der Slowakei nach Deutschland
Da hatten sie die Rechnung ohne Jana Hoger und Lisa Bechtloff gemacht. Denn anders als es den Anschein macht, sind die zwei keine ahnungslosen Kaufinteressentinnen, sondern Aktivistinnen der Tierrechtsorganisation Peta mit Hauptsitz in Stuttgart – und an diesem Tag undercover unterwegs. „Es ist auffallend, wie verdreckt der Welpe ist. Er ist voll mit Urin und saß wahrscheinlich längere Zeit in einer Transportbox“, sagt Hoger.
Aus der Slowakei habe er den Welpen nach Deutschland gebracht, berichtet einer der überführten Männer in gebrochenem Deutsch. Da der Welpe zu jung und damit noch nicht gegen Tollwut geimpft ist, hätte er überhaupt nicht nach Deutschland eingeführt werden dürfen, erklärt die Dame vom Veterinäramt. Zudem kann der Halter keine nach dem Tierschutzgesetz nötige Erlaubnis zum gewerblichen Tierhandel vorlegen.
Im Kampf gegen illegalen Tierhandel kooperieren Aktivisten und Polizei
Jana Hoger versteckt den Welpen halb in ihrer Jacke, da hat er es schön warm. Er zittert nun weniger, nagt an einem ihrer Finger. „Die ersten Monate sind für die Entwicklung des Hundes extrem wichtig“, sagt sie, „aber der hier hat wahrscheinlich noch nicht viel Gutes erlebt.“ Eine Reise durch Europa und dabei über einen längeren Zeitraum allein in einer kleinen Transportbox sei für den Welpen „eine Katastrophe“, sagt Hoger.
Für die Peta-Aktivistin, die auch aus der Vox-Fernsehsendung „Hund Katze Maus“ bekannt ist, ist dies nicht das erste Mal. Immer wieder durchforstet sie das Netz nach auffälligen Angeboten und informiert anschließend die Beamten vor Ort sowie das zuständige Veterinäramt. Aktivisten und die Polizei – diese Gruppen stehen sich sonst in vielen Bereichen mit gegensätzlichen Interessen gegenüber. Im Kampf gegen illegalen Tierhandel aber ziehen sie an einem Strang: „Anders kommt man an diese Leute nicht ran“, erklärt einer der Heilbronner Beamten. Die Käufer meldeten sich oft erst hinterher – „und dann ist es zu spät“, berichtet er.
Nicht jeder verdeckte Einsatz läuft reibungslos und friedlich
Vor dem Treffen wurden sie von den Peta-Aktivistinnen informiert. „Mittlerweile wissen die Behörden, dass man sich auf unsere Hinweise verlassen kann“, sagt Jana Hoger. Deshalb hatten die Beamten bereits in ihren Autos gewartet und waren entsprechend rasch zur Stelle. Wenig später rufen sie zwei Kollegen von der Streife hinzu. Die Wohnungsdurchsuchung steht an. Dort könnten noch weitere für den Verkauf gedachte Welpen aus der Slowakei sein. Am Ende aber bleibt es bei dem einen geretteten Tier.
Nicht jeder verdeckte Einsatz läuft so reibungslos und friedlich ab wie der in Heilbronn. „Manchmal hatten die Besitzer Messer dabei – oder bei der Durchsuchung der Wohnung wurden andere Waffen gefunden“, erzählt Hoger. Sie erinnert sich an einen Fall in Berlin, als sie die Halter in deren Wohnung fast zwei Stunden hinhalten musste, bis die Polizei eintraf. Wenn sich die Peta-Aktivistin zu erkennen gibt, wird sie auch mal angeschrien, beleidigt oder bedroht.
Während Corona erreichte der illegale Handel einen traurigen Höhepunkt
Schließlich geht es beim illegalen Handel mit Haustieren – meistens betrifft es Hunde – um viel Geld: „Der Handel mit Welpen ist mittlerweile ein Multimillionengeschäft“, sagt Jana Hoger. Laut Peta werden allein auf den größten Internetplattformen mehr als 20 000 Welpen zum Verkauf angeboten. „Nicht selten werden Welpen mittlerweile über kleine Clans in Deutschland verkauft, die mit dem Tierverkauf viel Geld verdienen“, sagt Hoger.
Während der Coronapandemie erreichte der illegale Handel mit Haustieren einen traurigen Höhepunkt: Laut Deutschem Tierschutzbund wurden 2021 so viele Hunde und Katzen illegal gehandelt wie nie zuvor. Mehr als 2200 Tiere waren betroffen. Die Zahlen sind zwar wieder rückläufig, doch die offizielle Statistik zeige oft nur die Spitze des Eisbergs.
Extreme Mehrbelastung für ohnehin gebeutelte Tierheime
Mit Folgen für die ohnehin gebeutelten Tierheime. Denn wird ein Welpe wie in Heilbronn gerettet, beschlagnahmt ihn das Veterinäramt und bringt ihn im Tierheim unter. Die Versorgung dieser Tiere bedeutet für die Tierheime eine extreme Mehrbelastung.
Bei der Jagd nach den illegalen Tierhändlern setzt Peta auch auf Hinweise aus der Bevölkerung, auf anonyme Whistleblower. Auf der Internetseite der Tierrechtsorganisation können Formulare sowohl zu einem illegalen Handel als auch zu einer möglichen Tierquälerei ausgefüllt werden. Denn, so betont es die Justiziarin von Peta: „Tiere können sich zum Schutz vor ihren Peinigern nicht einfach an jemanden wenden. Sie brauchen Menschen, die sich für sie starkmachen.“
Hinweis
Information
Unser Autor hat von der Tierrechtsorganisation Peta im Vorfeld den Hinweis erhalten, dass zwei ihrer Aktivistinnen zusammen mit Polizei und Veterinäramt einen illegalen Welpenverkauf in Heilbronn verhindern wollen. Um den Ablauf einer solchen Aktion für unsere Leser transparent zu machen, beobachtete unser Autor das Geschehen vor Ort.