Daimler und Porsche präsentieren überraschend gute Quartalszahlen. Sie dürfen aber nicht überbewertet werden. Die Herausforderungen bleiben groß.
Stuttgart - Bei Daimler geht es Schlag auf Schlag: Nur wenige Stunden, nachdem der Stuttgarter Konzern den Mercedes EQS als erste elektrische Luxuslimousine der Marke vorgestellt hat, legt das Unternehmen überraschend gute Eckdaten für das erste Quartal dieses Jahres vor. Der Kontrast zum ersten Quartal des Vorjahres könnte nicht größer sein. Damals standen wegen der Corona-Pandemie in der gesamten Autoindustrie die Bänder in den Fabriken wochenlang still, weil die Lieferketten gerissen waren. Damals schien die Branche auf einen Abgrund zuzusteuern. Im Vergleich mit diesem Horrorquartal erscheinen die nun präsentierten Zahlen fast schon himmlisch gut. Auch Porsche ist nach den Zwangspausen im vorigen Frühjahr wieder gut in Fahrt und steuert in diesem Jahr auf einen Rekordabsatz zu.
China ist die Lokomotive der Autokonjunktur
Alles gut also? Nicht ganz. Daimler und Porsche profitieren wie andere Autobauer auch vor allem davon, dass sich der chinesische Markt nach dem scharfen Einbruch durch die Ausbreitung des Corona-Virus überraschend schnell wieder erholt hat. China ist heute die Lokomotive der weltweiten Autokonjunktur. Wichtig ist jedoch, dass das Geschäft auch auf dem US-Markt und vor allem in Europa wieder besser läuft. Eine zu große Abhängigkeit von einem Markt ist jedoch sehr riskant. Nur ein ausbalanciertes globales Wachstum gewährleistet Sicherheit.
Der Übergang zur Elektromobilität bringt große Herausforderungen
Zudem sind die Quartalszahlen nur eine goldene Momentaufnahme, die nicht überbewertet werden darf. Sie dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Autobauer in den kommenden Jahren gewaltige Herausforderungen bewältigen und viel Geld investieren müssen. Mehr als hundert Jahre gab es fast nur den Verbrennungsmotor. Doch nun sollen zum Schutz des Klimas binnen eines guten Jahrzehnts fast nur noch Stromer verkauft werden. Viele Fragen sind dabei indes noch offen, nicht zuletzt, wie so schnell ein eng geknüpftes und stabiles Ladenetz aufgebaut werden soll. Auch der neue Luxus-Stromer EQS von Mercedes-Benz kann nur dann zum Renner werden, wenn die gut betuchten Kunden nicht viel Zeit auf der Suche nach einer freien Steckdose verlieren.