Spät hat der VfB Stuttgart eine Formation gefunden, die im Abstiegskampf bestehen kann. Ein prominenter Spieler schlüpft dabei in eine undankbare Rolle.
Stuttgart - Auch Orel Mangala hat es nicht auf der Ersatzbank gehalten. Natürlich nicht. Aufgesprungen ist er beim 3:2-Siegtreffer des VfB Stuttgart. Gejubelt hat er mit den Mitspielern und Fans nach dem so wichtigen Erfolg gegen Borussia Mönchengladbach im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga. Selbst wenn der Belgier seine feinen Füße diesmal nicht im Spiel hatte.
Nach einer schweren Oberschenkelprellung samt Bluterguss, die er sich eine Woche zuvor bei der TSG Hoffenheim zugezogen hatte, meldete sich Mangala zuletzt gerade noch rechtzeitig einsatzfähig. Es reichte für die Bank. Eingewechselt wurde der 23-jährige Mittelfeldspieler allerdings nicht. In den Schlussminuten kamen Tanguy Coulibaly, Philipp Förster und Lilian Egloff, um die Uhr weiter herunterlaufen zu lassen. Und die bislang gesetzte Stammkraft Mangala muss sich nun mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass sich ohne ihn eine VfB-Elf gefunden hat, die in den nächsten Wochen als Stammformation bezeichnet werden könnte.
Eine Einheit des Vertrauens
„Die Mannschaft war gegen Gladbach gut im Spiel, die Räder haben ineinandergegriffen. Ich habe deshalb keine Veranlassung gesehen, früher zu wechseln“, sagt Pellegrino Matarazzo. Zumal die Kräfte reichten. Der Trainer hätte aber auch sagen können: Tor Müller, in der Abwehr Mavropanos, Anton, Ito, Sosa, im Mittelfeld Karazor, Endo, Führich und im Sturm Tomas, Kalajdzic, Marmoush. Das ist die Einheit seines Vertrauens – und Mangala schon bald ein Härtefall?
Doch zur Wahrheit gehört ebenso, dass sich beim VfB zwar die Zahl der Alternativen ohne weitere Ausfälle zurzeit wieder erhöht, dies aber nur bedingt die Leistungsfähigkeit des Teams steigert. Gegen die Gäste vom Niederrhein drängte sich kein Spieler von der Auswechselbank als Verstärkung für die anstehende Phase auf. Jedenfalls stellte sich beim Blick auf den Spielberichtsbogen nicht zwingend das Gefühl ein, es könnten frische Impulse kommen oder ein Stabilisator.
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Für die Begegnung am Samstag bei Union Berlin scheint deshalb schon jetzt das Motto zu gelten: Never change a winning team. Doch ob sich Matarazzo im Stadion an der Alten Försterei daran hält, eine siegreiche Formation nicht zu verändern? Der Chefcoach wird es sich jedenfalls nicht so einfach machen und alle Möglichkeiten ausloten. Denn er ist ein Trainertyp, der gerne auf die Spielerprofile schaut und sich so seinen Kader für den Spieltag zusammenstellt. Für Mateo Klimowicz bedeutete dies zuletzt, dass er ganz raus war. Wie auch Daniel Didavi, der nach einer Corona-Infektion nicht voll fit war.
Doch sowohl Klimowicz als auch Didavi sind Zehner – und für offensive Mittelfeldspieler mit diesem Zuschnitt ist in dem seit einigen Spieltagen praktizierten Spielsystem kein Platz vorgesehen. „Wir spielen aktuell mit zwei Achtern“, sagt Matarazzo. Was dazu führt, dass beim VfB eine Reihe von Juniorennationalspielern außen vor sind. Außer Klimowicz (21), der für die deutsche U-21-Auswahl beim EM-Gewinn 2021 zum Einsatz kam, noch der türkische U-21-Nationalspieler Ömer Beyaz (18) und der französische U-20-Nationalspieler Enzo Millot (19). Die weiteren Nachwuchskräfte Wahid Faghir (18) und Alexis Tibidi (18) sammelten in der Regionalliga beim VfB II Spielpraxis.
Nun beim 1. FC Union Berlin gefordert
Die lange Liste an zurückversetzten Talenten geht einher mit der deutlich verkürzten Verletztenliste. Außer dem seit Saisonbeginn verletzten Mohamed Sankoh stehen nur Silas Katompa Mvumpa, Nikolas Nartey und Pascal Stenzel darauf – ein Angreifer, ein Mittelfeldspieler und ein Verteidiger. Das verteilt sich ordentlich über die Mannschaftsteile. „Während der Hinrunde hatten wir dagegen oft zehn oder elf Ausfälle gleichzeitig zu kompensieren“, sagt der Sportdirektor Sven Mislintat. Da entstanden auf manchen Positionen fast schon Leerstellen.
Jetzt hat der Tabellenvorletzte nach Wochen der Sieglosigkeit ein Lebenszeichen gesandt. Zudem zeigten sich die Stuttgarter so, wie es Mislintat lange für den Rückrundenstart prognostiziert hatte. Fußballerisch stark, konditionell auf der Höhe. „Es ist wieder mehr Qualität vorhanden“, sagt der Sportchef. Trotz der Schwächen in der Defensive. Sie machten die Aufholjagd erst nötig, weil der VfB 0:2 in Rückstand geriet.
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Spät, aber vielleicht nicht zu spät hat die VfB-Mannschaft dennoch zu sich selbst gefunden – sofern sie die gegen Gladbach gezeigte Leistung im weiteren Verlauf des Saisonfinales bestätigen kann. „Trotz des guten Spiels hat es ja auch diesmal nur drei Zähler gegeben. Jetzt geht es bei Union darum, weiter zu punkten“, sagt Matarazzo. In der Hoffnung, dass er in den kommenden Wochen nicht wieder zu personellen Veränderungen gezwungen wird, sondern Spieler wie Orel Mangala schon mächtig kämpfen müssen, um wieder in der Anfangself zu stehen. „Wenn das so bleibt, dann sind wir eine ganz andere Mannschaft“, sagt Mislintat.