Studenten mit Kind haben es nicht leicht. Auch nicht bei der Suche nach geeigneten Betreuungsangeboten. Foto: dpa

Studenten mit Kind haben es nicht leicht. Auch nicht bei der Suche nach geeigneten Betreuungsangeboten. Die Studentenwerke wollen Abhilfe schaffen, es mangelt aber an Personal. Um Betreuungsangebote langfristig zu sichern, wird Personal sogar über Bedarf eingestellt.

Stuttgart - Die Studentenwerke finden nicht genügend Erzieher, um die eigenen Betreuungsangebote auszubauen. Gut drei Prozent der mehr als 300 000 Studenten im Land haben mindestens ein Kind, wie die Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses des Landtages, Helene Heberer (SPD), nun mitteilte. Die Gewerkschaft Bildung und Erziehung (VBE) sieht dagegen ein generelles Problem: die unzureichende Bezahlung der Erzieherinnen und Erzieher.

In 45 Kindertageseinrichtungen werden durch die Studentenwerke insgesamt 1026 Betreuungsplätze angeboten, erklärt die Arbeitsgemeinschaft Studentenwerke Baden-Württemberg, in der sich alle acht Studentenwerke des Landes organisiert haben. 215 Plätze stehen in Heidelberg zur Verfügung, dort sucht Marion Meurer von der Kita-Verwaltung weitere Fachkräfte „zur Erweiterung der Betreuungsangebote“. Das Studentenwerk Freiburg-Schwarzwald bietet zurzeit zwei Teilzeitstellen an, und auch in Stuttgart wäre man über weitere Erzieher froh. In der Landeshauptstadt stehen derzeit 110 Betreuungsplätze zur Verfügung, bis September sollen weitere zehn Plätze dazukommen.

„Bis 2014 wollen wir weitere 60 Plätze schaffen“, sagt Stephanie Schulze aus der Abteilungsleitung Sozial- und Personalwesen. „Dann wären wir sehr gut ausgestattet.“ Gefragt sind die Angebote ohnehin. „Die Kinder in die Kita zu bekommen ist kein Problem“, meint Schulze. Problematisch sei dagegen nicht nur die Suche nach Fachpersonal, sondern auch die nach geeigneten Räumlichkeiten. „In Stuttgart fehlen uns auch schlicht die Grundstücke.“

Um dem Fachkräftemangel vorzubeugen und bis 2014 genügend Erzieher für die dann 180 Betreuungsplätze zu finden, stellt Schulze im Moment Initiativbewerber „auch über Bedarf“ ein – um sich das Personal langfristig zu sichern. Zudem bildet das Stuttgarter Studentenwerk verstärkt aus – in allen sechs Kindertagesstätten gibt es Plätze für Anerkennungspraktikanten, die ein Jahr ihrer dreijährigen Erzieher-Ausbildung dort verbringen. 2010 gab es im Südwesten rund 6000 Erzieher-Schüler, in der Online-Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit sind gleichzeitig 1000 freie Stellen allein in Baden-Württemberg verzeichnet.

Angeregt wird die Nachfrage vor allem durch die Kommunen, die gesetzlich dazu verpflichtet wurden, genügend Betreuungsplätze vorzuhalten. Und so fällt es auch den Studentenwerken schwer, den Bedarf an eigenen Angeboten langfristig zu planen. „Die Kommunen bauen ja auch aus“, sagt Schulze und lobt zugleich die Stadt Stuttgart: „Da sind die Plätze wirklich nicht so teuer.“ Eine engere Absprache zwischen freien Trägern und kommunalen Betreuungseinrichtungen wäre indes auch für ­Michael Gomolzig eine „feine Sache“. Der Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung kritisiert zugleich die Politik, sich des Themas nicht entschlossen genug anzunehmen. „Alle sagen, das wäre nicht ihr Ressort“, so Gomolzig, der im Land weiterhin einen „erheblichen Mangel an Betreuungsplätzen“ sieht.

Der Verbandssprecher sieht aber nicht nur den Ausbau der Betreuungsangebote als Grund für den Fachkräftemangel. Vielmehr sei dieser vor allem der schlechten Bezahlung geschuldet. „Davon kann man keine Familie ernähren“, so Gomolzig. Gemäß des Tarifvertrages würden Erzieherinnen – die meisten sind Frauen – in einer Vollzeitstelle rund 2000 Euro brutto verdienen. Geprägt sei die Branche zudem von Teilzeitstellen, die Erzieherinnen nach der Gründung einer eigenen Familie oft dauerhaft aufgeben würden. „Die meisten Erzieherinnen machen diesen Job nicht ihr Leben lang“, sagt Gomolzig. Ansetzen müsse man also an der Bezahlung, aber auch an der Attraktivität des Berufes. Diese hätte zuletzt durch eine starke Bürokratisierung gelitten. „Die Dokumentationspflichten haben stark zugenommen. Das ist für viele Erzieherinnen unbefriedigend.“

Allein die Studentenwerke haben im Jahr 2011 nach Angaben des Wissenschaftsministeriums 1,7 Millionen Euro aus eigener Tasche für ihre Betreuungsangebote ausgegeben. Der Rest der Kosten sei aus Elternbeiträgen und verschiedenen Zuschüssen bezahlt worden. Hohe Kosten, die bei einer besseren Bezahlung der dafür notwendigen Fachkräfte nicht geringer werden würden.

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