„Die Stammkunden kennen mich alle persönlich und wenden sich an mich, sobald es Probleme gibt“, sagt Semy Foto: Dario Nassal

Neon-Licht und lange Nächte: In einer Serie stellen wir Nachtclubs im Stuttgarter Norden vor und Menschen, die dort arbeiten. Heute: Ein VIP-Betreuer im Perkins Park.

Stuttgart-Feuerbach - Semy Khadhraoui lehnt sich in seinem Stuhl zurück und lächelt. Im Perkins Park habe er schon Verrücktes erlebt. „Zum Beispiel als Snoop Dogg hier war: Der saß im VIP-Bereich und wollte, dass wir ihm alle Getränke in einen goldenen Kelch schütten, den er dabei hatte. Aus Gläsern trinkt er nicht!“ Semy Khadhraoui habe veranlasst, dass die Barmänner dem Wunsch des Hip-Hop-Stars nachkamen. „Und Snoop Dogg trank den ganzen Abend Schampus aus seinem goldenen Kelch und blieb bis zum Schluss!“

Seit neun Jahren arbeitet Semy Khadh-raoui als Service-Team-Leiter und VIP-Betreuer im Perkins Park – eine der ältesten und prominentesten Diskotheken in Stuttgart. Seine Aufgabe ist es, sich um die besonderen Gäste dieser Diskothek zu kümmern: Die VIPS. Khadhraoui mag den Beruf: „Mir gefällt diese Mischung aus Lockerheit und Eleganz. Du musst den richtigen Ton treffen – gerade bei Prominenten! Wenn du zu kumpelhaft bist, erscheint das unhöflich. Bist du aber zu distanziert, hast du keinen guten Draht zu den Gästen. Dann fühlen sie sich unwohl.“ Es sei eine Gratwanderung für ihn, den gelernten Gastronomen. Eine Herausforderung – jedes Mal aufs Neue.

Von Bar zum VIP-Bereich

17.30 Uhr: Gäste sind noch keine da. Aber im Perkins Park ist schon einiges los: Zwei Frauen füllen die große Bar im Bistro-Bereich mit Champagner und Wodka-Flaschen auf. Ein Mann mit Sackkarre wartet vor dem Eingang zur Küche. Über den Flur huschen Angestellte mit gestressten Mienen. Eine Frau kehrt Müll von der Tanzfläche auf. „Ich habe eine Vier-Tage-Woche – wie die meisten, die in Diskotheken arbeiten“, erläutert Semy Khadhraoui. Er arbeite Dienstag, Mittwoch, Freitag und Samstag. „Mein Tag beginnt in der Regel um 17 Uhr.“ Zunächst gehe er die Reservierungen für den jeweiligen Abend durch, dann widme er sich dem Dienstplan. „Ich schreibe die Personalplanung; schaue, wer wo wann arbeitet und überprüfe schließlich, ob die Angestellten ihre Arbeit korrekt ausführen.“ Die besonders treuen Gäste des Perkins Park rufe er persönlich an: „Ich erkundige mich nach ihrem Wohlergehen. Nehme Sonderwünsche auf. Pflege Kontakte.“ Auch während der Party sei Khadhraoui im Haus. „Ich bin so etwas wie die Informationssäule unseres Clubs. Die Stammkunden kennen mich alle persönlich und wenden sich an mich, sobald es Probleme gibt.“ Denn Semy Khadhraoui ist vor Ort, vermittelt zwischen Stammgästen und Mitarbeitern, eilt von Bar zum VIP-Bereich. Immer mit einem Lächeln auf den Lippen, immer freundlich.

Über dem DJ-Pult auf der großen Tanzfläche befindet sich ein hüfthohes Absperrgitter. Dahinter befindet sich der VIP-Bereich. Nicht jeder darf hier rein, sondern nur die Gäste, für die Semy Khadhraoui zuständig ist. Die VIPs. „Das sind vor allem sehr treue, sehr prominente oder sehr reiche Kunden.“ Khadhraoui erinnert sich an einen besonderen Abend, als ein Ölscheich dort über dem DJ-Pult gesessen habe. Der Scheich sei unzufrieden gewesen. Denn an diesem Abend waren für seinen Geschmack zu wenige Frauen im VIP-Bereich. Für jede Frau, die zu ihm hochgeholt wurde, habe der Scheich deshalb eine Flasche des teuersten Wodkas bestellt. „Ich habe natürlich versucht, so viele hübsche Frauen in den VIP-Bereich zu lotsen wie möglich. Nachdem ungefähr dreißig von ihnen um den Scheich herum tanzten, gingen uns die Wodka-Flaschen aus“, erzählt Khadhraoui und lacht. Man erlebe verrückte Sachen als VIP-Betreuer. „So was vergisst du nicht. Zum Teil habe ich hier Umgang mit sehr exzentrischen Leuten. Das sind Erfahrungen fürs Leben.“

„Gleich gehe ich mich umziehen, dann wirke ich seriös“

Jedem Wunsch können Semy Khadhraoui und seine Mitarbeiter jedoch nicht nachkommen, so interessant die eine oder andere Macke eines Prominenten auch sein mag. „Es gibt Grenzen – vor allem beim Thema Drogen.“ Da komme es mitunter zu Problemen: „Wer meint, er muss hier kiffen oder andere Drogen konsumieren, den schicken wir raus – egal wie er heißt!“ Doch nicht immer ist das ganz so einfach. Khadhraoui erinnert sich an eine Veranstaltung mit einem Hip-Hop-Star. „Sein Markenzeichen ist, mit Joint im Mund aufzulegen, und darauf wollte er nicht verzichten.“ Rauswerfen konnten Khadhraoui und sein Team den Musiker jedoch auch nicht. Denn er war als Programmpunkt fest eingeplant. Die meisten Gäste hatten an diesem Abend Karten gekauft, um den legendären Hip-Hopper hinterm DJ-Pult zu sehen. „Zum Glück haben wir einen Kompromiss gefunden: Er durfte mit Joint im Mund auftreten. Allerdings ohne ihn anzuzünden.“

Semy Khadhraoui sitzt mit Jogging-Hose und Skater-Kappe im Bistro der Killesberger Diskothek und schlürft an seinem Kaffee. „Immer extra stark! Das ist die beste Vorbereitung für eine lange Nacht.“ Er sieht nicht aus wie einer, der den Reichen und Berühmten ihre reservierten Tische zuweist. Eher sieht er aus, als wäre er selbst Hip-Hopper. „Gleich gehe ich mich umziehen, dann wirke ich seriös“, sagt Khadhraoui und lacht. Daraufhin erhebt er sich und geht in sein Büro, um mit einigen Stammgästen zu telefonieren und Dienstpläne auszudrucken.

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