Die Paulinenpflege Winnenden hat für Autisten viele Angebote parat. Sie bietet nach der Diagnose eine erste Hilfestellung und Orientierung. Es sind dramatische Fälle, die Laura Bürkle und Dany Kral von Eltern zu hören bekommen.
Es gibt Tage, da steht das Telefon von Laura Bürkle so gut wie nicht still. Die 28-Jährige ist als Teamleiterin im „Care und Case Management“ erste Ansprechpartnerin in der Paulinenpflege Winnenden beim Thema Autismus.
Der Bedarf ist groß. „Die Nachfrage hat zugenommen. Mal sind es nur kurze Verweise auf andere Stellen, zum Beispiel für die Diagnostik, mal ausführliche Telefonate und persönliche Beratungs- und Infogespräche“, sagt Laura Bürkle. Allen könne nicht geholfen werden, aber dann werde im Gespräch gemeinsam überlegt, wer sonst als Anlaufstelle in Frage kommen könnte. „Wir versuchen immer zu schauen, was möglich ist und wo noch Bedarf ist. Dabei haben wir auch bei personalbedingten Engpässen eine positive Einstellung und betreiben keine Schwarzmalerei“, erklärt Dany Kral, Geschäftsführer im Bereich Autismus bei der Paulinenpflege Winnenden. Dort hat man sich vor rund 15 Jahren verstärkt dem Thema Autismus verschrieben und ist nun breit aufgestellt – sei es bei den Themen Schule, Studium, Berufsorientierung, Ausbildung, Arbeit oder bei Fragen und Angeboten zum Wohnen.
„Wir bieten spezialisierte Hilfen und Regelangebote sowie Therapieangebote für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung, sowohl in Raum Stuttgart als auch im südbadischen Raum“, sagt Kral und betont, dass eigentlich nur noch von Autismus-Spektrum-Störung gesprochen werde, da es eine Vielzahl an Ausprägungen gebe. „Von Personen, denen man es kaum anmerkt, bis zu solchen, die schwer behindert sind, gibt es alles. Und es ist eine Behinderung und nicht wegtherapierbar.“ In Freiburg gebe es für besondere Fälle eine Waldgruppe. „Das ist quasi ein Waldkindergarten für Erwachsene. Das sind sogenannte Systemsprenger, die Räume nicht ertragen und sich im Freien auspowern müssen, um den Tag zu meistern.“
Um betroffenen Eltern zu helfen, die sich meist noch relativ hilflos direkt nach der Diagnose melden, wird das Netzwerk der diakonischen Einrichtung genutzt und alles individuell miteinander verknüpft. Doch neben speziellen Schulklassen, berufsvorbereitenden Maßnahmen und Ausbildungen im Berufsbildungswerk ist es oft erst einmal wichtig, den Eltern Hilfestellungen an die Hand zu geben, um den Alltag in den Griff zu bekommen. „Es sind oft dramatische Fälle, bei denen die Familien an Belastungsgrenzen kommen und lernen müssen, was im Fall ihres Kindes die autistischen Ausprägungen fördert, was es zu vermeiden gilt und was jetzt gut tut“, erklärt der Bereichsgeschäftsführer in der Paulinenpflege Winnenden. Dabei verweist der 49-Jährige auch auf ein neues Angebot, das in den Räumen der Bodenwaldschule – die Einrichtung ist die einzige Schule für Erziehungshilfe im Kreis und befindet sich in Trägerschaft der Paulinenpflege – stattfindet.
„Wir bieten ein Elternseminar an, bei dem es schon jetzt eine Warteliste gibt.“ Dort würden Eltern Tipps bekommen, Wissenswertes von Referenten hören und hätten die Möglichkeit, sich zu vernetzen, sagt Laura Bürkle. „Mit der Kombi von Hilfestellungen wollen wir Betroffenen einen Werkzeugkasten an die Hand geben und Orientierung bieten“, ergänzt Kral.
Informationen online unter : https://www.paulinenpflege.de