Gute Laune beim Ultra-Europe-Festival 2022 Foto: Imago/Zvonimir Barisin

Die kroatische Tourismusstadt Split hat sich in den vergangenen Jahren zur Partymetropole gemausert – nicht immer zur Freude der Bevölkerung. Die Stadtverwaltung versucht, Exzesse mit drakonischen Strafen zu unterbinden.

Das Ultra-Europe-Festival wird Zehntausende von Touristinnen und Touristen in die kroatische Partymetropole Split locken. Einerseits ist das so gewollt – Gastronomen buhlen um junges Publikum. Andererseits sollen saftige Strafen die schlimmsten Exzesse begrenzen.

 

Es ist abzusehen, dass nicht nur bei Wirten und Hoteliers in Kroatiens größter Ausgehmetropole Split die Kassen klingeln werden. Auch die Stadtverwaltung dürfte ordentlich Reibach machen. 300 Euro Strafe veranschlagt die Kommune für das Trinken von Alkohol, Urinieren oder Schlafen auf öffentlichen Plätzen; 300 Euro kostet ein Selfie auf einem illegal erklommenen Denkmal; 150 Euro wird für unerwünschtes Erbrechen fällig. Bereits im Juni haben die Gesetzeshüter das über die Stränge schlagende Partyvolk mit 30 000 Euro zur Kasse gebeten.

Weitere Zusatzeinnahmen winken dem Stadtsäckel

Anwohnerklagen und die öffentliche Entrüstung über Aufnahmen von sich in den Altstadtgassen um den Diokletianpalast erleichternden, kopulierenden oder im Komaschlaf versunkenen Nachtschwärmern haben den Stadtrat Ende Mai einen strengen Strafkatalog verabschieden lassen. 40 Prozent der saftigen Strafgelder seien von den Übeltätern innerhalb von drei Tagen beglichen worden, um sich den Strafnachlass von 50 Prozent zu sichern, berichtete vergangene Woche zufrieden der stellvertretende Bürgermeister Bojan Ivosevic.

Weitere Zusatzeinnahmen winken dem Stadtsäckel wohl im Laufe der nächsten Tage: Am kommenden Wochenende steigt in Split wieder das Ultra-Europe-Festival. Mehr als 150 000 Freundinnen und Freunde elektronischer Tanzmusik werden in der kroatischen Touristenstadt erwartet.

Kurz nach Kroatiens EU-Beitritt 2013 bescherte das erste Ultra-Europe-Festival dem altehrwürdigen Split das Image einer coolen Partystadt im Südosten Europas. Auch jenseits der Veranstaltung begannen vermehrt Jungtouristen, nach Split zu pilgern. Sie haben den Fremdenverkehr und das Nachtleben in der von der Unesco als Weltkulturerbe geschützten Altstadt nachhaltig verändert.

Seit 2010 ist die Bettenzahl der Privatunterkünfte in Split von 4400 auf über 22 000 geklettert. Hinter dem georgischen Batumi, aber noch vor Marbella, Venedig, Florenz und Lissabon gilt Split als Europas Touristenmetropole mit der höchsten Dichte von Airbnb-Herbergen pro Einwohner.

Saufen-bis-zum-Abwinken-Touren

Die Gäste brachten reichlich Geld in die zweitgrößte Stadt Kroatiens. Doch unglücklicherweise verlief der Wandel zur Partymetropole schnell und ungehemmt – von einer Strategie keine Spur. Clubs, Kneipen und Schnellimbisse schossen in Windeseile aus dem Boden, belebten das Nachtleben in der Altstadt – und sorgten wenig überraschend für Konfliktstoff. Viele Einwohner kehren dem Zentrum den Rücken. Diejenigen, die blieben, zeigen sich zunehmend von lärmenden Partygängern genervt.

Recht widersprüchlich wirkt bisweilen der Umgang der Kommune mit den umworbenen, aber auch gefürchteten Partygästen. Einerseits versuchen die Stadtväter, mit Strafen die Auswüchse des Partytourismus zu begrenzen. Zugleich ködern Gastronomen erlebnishungrige Gäste mit Saufen-bis-zum-Abwinken-Touren.

„Party hard or Stay at home!“ – Gratispizza und hundert Minuten lang unbegrenzt Bier, Billigwhiskey, Rum, Gin oder Wodka für schlappe 24 Euro ist ein von vielen Diskotheken praktiziertes Geschäftsmodell, das vor allem bei Besuchern von den britischen Inseln Anklang findet.

Doch wer seine Gäste abfüllt, sollte ihnen auch ausreichend Möglichkeit geben, sich zu entleeren. Als eines der zahlreichen Probleme mit dem Partytourismus in Split macht das Portal total-croatia-news.com fehlende öffentliche Toiletten aus: „Urinieren im historischen Zentrum ist schrecklich. Aber die Leute müssen auch irgendwo pinkeln.“

Das Portal schlägt daher vor, dass die Kommune sich an den Organisatoren des Ultra-Europe-Festivals ein Beispiel nehmen und in Altstadtnähe in der Sommersaison mobile Partytoiletten installieren sollte. Die Kunststoffverschläge seien zwar „nicht schön, aber sicher das geringere Übel“.

Festivalmetropole Kroatien

Ultra Europe
 Zum neunten Mal findet in diesem Juli das Ultra Europe in Kroatien statt. Mehr als 150 Acts kommen nach Split, um beim Ultra Europe an drei Tagen auf vier Bühnen aufzulegen.

Musikreise
In diesem Jahr hat sich das Ultra Europe mit dem kroatischen Fremdenverkehrsamt zusammengetan, dessen Ziel es ist, Kroatien als eines der besten Festivalziele in Europa zu positionieren. Deswegen hat das Festival die einwöchige Destination Ultra vorgestellt, ein einzigartiges Musikreisekonzept, das im Anschluss an das dreitägige Festival stattfindet und Zugang zu Partys in ganz Kroatien bietet.