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Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat am Montag Anklage gegen Parkplatzmörder erhoben.

Stuttgart/Magstadt - Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat am Montag Anklage gegen den sogenannten Parkplatzmörder erhoben. Dem 56 Jahre alten Mann aus Esslingen wird zweifacher Mord und ein versuchter Mord vorgeworfen. Er soll sich seine Opfer willkürlich herausgesucht haben.

Die Beweislast scheint erdrückend zu sein. Als der 56-Jährige im Dezember 2010 in Esslingen verhaftet wurde, fanden die Ermittler die Tatwaffe - im Kofferraum seines BMW. Dazu die seit 14 Jahren nicht mehr hergestellte und deshalb seltene Munition des Kalibers .32 Wadcutter, die beide Opfer tötete. Der mutmaßliche Doppelmörder hat gleichwohl kein Geständnis abgelegt. "Er hat seine Vernehmungen immer ins Lächerliche gezogen", so Claudia Krauth, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart, am Montag.

Wer nichts zugibt, kann sich auch nicht zum Motiv äußern. "Es sind nur Mutmaßungen möglich", sagt Krauth. Gestützt auf die Ermittlungen verschiedener Polizeidirektionen geht die Strafverfolgungsbehörde aber davon aus, dass sich der Angeschuldigte seine Opfer kurzfristig und willkürlich ausgesucht hat. "Er tötete sie ohne jeden Anlass".

Der erste Mord, der dem Esslinger - einem frühpensionierten Postbeamten - zur Last gelegt wird, geschah am späten Abend des 8. Mai. Das Opfer war der 30-jährige Heiko S. aus Magstadt (Kreis Böblingen). Der frühere Bundeswehrsoldat wurde auf einem Parkplatz zwischen Magstadt und Stuttgart-Büsnau durch einen Kopfschuss aus kurzer Entfernung getötet. Heiko S. saß in einem Peugeot 106, als ihn die Kugel traf. Der Parkplatz ist als Treffpunkt von Homosexuellen und Strichern bekannt.

Am 2. Juli wurde der 70-jährige Hans Friedrich L. aus dem Main-Taunus-Kreis ermordet. Seine nackte Leiche lag neben einem Parkplatz an der A 5 bei Mörfelden-Walldorf (Hessen). Auch er wurde durch einen Kopfschuss getötet, auch dieser Parkplatz ist als Treffpunkt Homosexueller bekannt. Kripobeamte in Böblingen und in Hessen hatten jeweils schnell Tatverdächtige - allerdings die Falschen. Ein 33-Jähriger saß im Magstadter Mordfall 53 Tage unschuldig hinter Gittern. Zwei in Hessen verhaftete Männer kamen indes nach wenigen Tagen frei. Der Grund: Ballistiker hatten herausgefunden, dass Hans Friedrich L. und Heiko S. mit derselben Waffe und der gleichen Munition umgebracht worden waren. Beiden Männer waren von hinten erschossen worden.

Auf die Spur des 56-Jährigen kamen die Ermittler durch eine Straftat in Freudenstadt, die jetzt als versuchter Mord angeklagt wird. Der mutmaßliche Täter war am 6. Juni auf dem Marktplatz in den Wagen eines 62-jährigen Belgiers eingestiegen. Er bedrohte den Mann mit einem Messer und befahl ihm wegzufahren. Doch der Tourist, der auf seine Frau wartete, wehrte sich und schlug den Angreifer in die Flucht. Monate danach ergab ein DNA-Abgleich, dass es sich bei den Tätern von Freudenstadt und Magstadt um dieselbe Person handelt. Der nicht vorbestrafte 56-Jährige wurde dann aufwendig über sein Fahrzeug ermittelt.

Der mutmaßliche Doppelmörder ist an Aids erkrankt. Er will sich vor Jahren in Kenia mit HIV infiziert haben. Angeblich bei einem Transvestiten. Ob er, wie wegen der Tatorte spekuliert wird, aus Hass auf Homosexuelle getötet hat, ist offen.

Dem 56-Jährigen wird am Landgericht Stuttgart der Prozess gemacht. Die Verhandlungstermine stehen noch nicht fest.

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