SUV auf der Avenue Champs Élysées beim Arc de Triomphe Foto: dpa/Michel Euler

Bis zu 18 Euro für eine Stunde Parken! Die Einwohner von Paris haben in einer Befragung der Bürger höhere Parkgebühren speziell für SUVs beschlossen.

Die Stadt Paris wird die Parktarife für schwere Personenwagen massiv verteuern. In einer Volksbefragung billigten am Sonntag 54,55 Prozent der Einwohnerschaft das Projekt der sozialistischen Bürgermeisterin Anne Hidalgo. Demnach soll ein Parkplatz für SUVs (Sport Utility Vehicles) und ähnliche Fahrzeuge in der Innenstadt nicht mehr 6, sondern 18 Euro kosten. In den Randbezirken werden es 12 Euro sein.

 

Wer sechs Stunden im Louvre-Museum verweilen will, zahlt für das Parken mit einem SUV 225 Euro. Die jeweilige Höhe der Parkgebühr soll aufgrund der Kreditkarteneingabe an der Bezahlsäule automatisch bestimmt werden.

Nur knapp sechs Prozent gaben ihre Stimme ab

Hidalgo freute sich über die, wie sie sagte, „klare“Annahme. Allerdings gaben nur 5,68 Prozent der Berechtigten ihre Stimme ab. Die Stadtvorsteherin erklärte nach Bekanntwerden des Resultates, die Maßnahme diene dem dreifachen Ziel der „Sicherheit, der Raumaufteilung und der Umwelt“.

Laut Verkehrsexperten verursachen Geländewagen besonders schwere Unfälle mit Fußgängern und Radlern. Zudem stoßen sie 15 Prozent mehr CO2 aus. Sie sind zudem zwölf Zentimeter breiter als vor einem Jahrzehnt und 25 Zentimeter länger. Auch wiegen sie im Durchschnitt um die 250 Kilo mehr als andere Personenwagen.

Das Kriterium für die höheren Gebühren ist das Gewicht: Die verdreifachte Gebühr gilt für Fahrzeuge von mehr als 1,6 Tonnen. Plug-in-Hybridmotoren fallen darunter. Elektroautos sind hingegen bis zu zwei Tonnen ausgenommen. Wegen ihres teils hohen Gewichts sind auch Nicht-SUV-Modelle wie der Mini Countryman oder der Renault Captur betroffen. Verschont werden Fahrzeugbesitzer, die im jeweiligen Viertel wohnen oder arbeiten.

Das trug Hidalgo vom Verein der 40 Millionen Automobilisten den Vorwurf ein, sie betreibe Wahlpolitik. Die Hauptbetroffenen seien die zehn Millionen Vorortbewohner – und sie seien gar nicht zur Bürgerbefragung zugelassen worden, kritisierte der Vorsteher des Autovereins, Pierre Chasseray. Die den Parisern gestellte Frage besage in Wahrheit: „Nur ruhig, Sie sind von den höheren Parkgebühren nicht betroffen – bezahlen werden die anderen.“

Prominente Unterstützung

Die rot-grüne Stadtregierung hatte allerdings auch prominente Unterstützung erhalten. Fatih Birol, der Vorsteher der in Paris ansässigen Internationalen Energieagentur (IEA), erklärte, entscheidend sei beim Gebührenprojekt nicht die Wahlpolitik, sondern die umwelt- und verkehrspolitische Dimension. Es sei „der Sinn der Geschichte“, dass die Autos stärker und je nach Schadstoffausstoß besteuert würden. Bisher habe man sich in Ländern wie Frankreich darauf beschränkt, für emissionsstarke Wagen höhere Abgaben beim Kauf zu verlangen, führte Birol aus. Das genüge nicht mehr. Heute müsse auch das Fahren unterschiedlich besteuert werden, um einen verkehrspolitischen Steuerungseffekt zu erzielen.

In Frankreich wollen Städte wie Lyon dem Pariser Vorbild noch in diesem Sommer folgen. Andernorts in Europa laufen Diskussionen, so etwa in Berlin, London oder Oslo.

Hitzige Debatte im Netz

In den wohlhabenderen Ländern Westeuropa erreichen SUVs heute laut dem Branchenmagazin „Automotive News Europe“ bereits einen Marktanteil von 51 Prozent. In den sozialen Medien, wo das Kürzel SUV hitzige Debatten bewirkt, dürften die Besitzer solcher Geländewagen aber nicht in der Mehrheit sein. Dort erhalten auch Umweltaktivisten Applaus, die nachts in Paris und anderen Städten immer wieder die Luft aus den SUV-Pneus ablassen.