Paco Vaz Spanisches Blut bei den Stuttgarter Kickers

Von Joachim Klumpp 

Die Kickers haben entschieden: Trainer Tomasz Kaczmarek muss gehen – und wird durch den A-Junioren-Coach Paco Vaz (43) ersetzt, zumindest vorläufig.

Stuttgart - Das sind ganz neue Töne in Degerloch. „Vamos, Kickers, vamos!“, hallte es nach dem Vormittagstraining am Dienstag über den ADM-Sportpark, wo Paco Vaz erstmals das Kommando führte. Doch keine Angst, der zunächst einmal als Interimslösung installierte Spanier spricht perfekt deutsch – und schwäbisch. Schließlich ist der 43-Jährige in Dettingen aufgewachsen, wo er immer noch wohnt. Und nicht lange überlegen musste, ob er die angetragene Aufgabe übernimmt. „Dabei geht es zunächst einmal nicht um mich, sondern um den Verein“, wie er betont.

Wobei seine Person natürlich im Blickpunkt steht, denn bei einer erfolgreichen Arbeit würde zunächst einmal wenig dagegen sprechen, mit ihm zumindest bis zum Saisonende weiterzumachen (außer vielleicht die Tatsache, dass er sich auch zum Fußball-Lehrer angemeldet hat). Der Präsident Rainer Lorz wollte – als gebranntes Kind – aber erst einmal keine weitere Prognosen abgeben, nur die: „Die Entscheidung über einen Cheftrainer genießt absolute Priorität.“ Also noch vor der ungelösten Personalie Sportdirektor.

Bewährungsprobe gegen Völklingen

Doch zunächst einmal gilt der Fokus sowieso nur Völklingen, dem Schlüsselspiel gegen das Schlusslicht der Regionalliga am Samstag. „Wir versuchen, in dieser Woche das Maximale hinzubekommen“, sagt Vaz zu seiner kurzfristigen Planung. „Ich muss mir jetzt aber erst einmal ein Bild über den Ist-Zustand der Mannschaft machen.“ Dabei gilt es nach der Negativserie möglicherweise, auch an der mentalen Einstellung zu arbeiten. Vaz weiß: „Es geht nur über Leidenschaft, nicht nur im Fußball, wenn man seine Ziele erreichen will.“ Und die hat er: „Ich bin ehrgeizig.“

Vaz ist bei den Kickers kein unbeschriebenes Blatt. Er führte die U 17 in der Bundesliga auf einen respektablen sechsten Platz, ehe er im Zuge der Umstrukturierungsmaßnamen im Nachwuchs beim VfB Stuttgart als Assistent des Jugendtrainers Heiko Gerber landete. Im Sommer kehrte er nach Degerloch zurück, wo er die U  19 übernahm, die bisher in der Oberliga ungeschlagen Tabellenführer ist. „Er ist sehr strukturiert, macht klare Ansagen und hat Vorstellungen, die er auch umsetzt“, so beschreibt ihn Dieter Märkle, der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Im Rahmen der Möglichkeiten wird Vaz weiter ein Auge auf die A-Jugend werfen, die einstweilen von Co-Trainer Mischa Leibfarth betreut wird. Er selbst bekommt Yannick Dreyer, Coach der U 14, als Assistenten.

Auch Marchese war ein Thema

„Der Entschluss ist uns sehr schwer gefallen, aber der sportlichen Entwicklung geschuldet“, sagt Lorz zu Kaczmareks Beurlaubung. „Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass wir in einer schwierigen Saison 2016/2017 den Klassenerhalt sichern konnten.“ Zunächst gab es auch die Überlegung, Enzo Marchese Trainer Kaczmarek gewissermaßen als verlängerten Arm zur Seite zu stellen. Der wurde aber verworfen, wohl nicht zuletzt, weil es nach wie vor intern Vorbehalte gegen Marchese gibt, der ja nicht ganz freiwillig gegangen war.

Diese Personalie ist damit erst einmal aufgeschoben, ähnlich dürfte es sich im Fall eines Sportdirektors Wolfgang Wolf verhalten. Egal, wer noch kommt, Lorz betont: „Derjenige muss sich auch an den limitierten Möglichkeiten hier orientieren.“ Soll heißen: Den finanziell knappen Ressourcen muss Rechnung getragen werden. Zumal Kaczmarek ja noch einen Vertrag bis Juni 2019 besitzt. Mit den Worten „dem gesamten Verein wünsche ich für die Zukunft nur das Beste“ verabschiedete sich der 33-Jährige. Die Mannschaft weiß, dass nun auch sie gefordert ist. „Es gibt kein Alibi mehr“, sagt Sandro Abruscia. Und Kapitän Josip Landeka fügt hinzu: „Wir müssen schauen, dass wir wieder Spaß am Fußball bekommen.“ Also: Vamos, Kickers. Was frei übersetzt so viel heißt wie: Auf die Blauen!

Stuttgarter Kickers - Regionalliga

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