Eine aufgerissene Skihose, ein Abend in einem Lokal, ein Ausflug auf den Berg: Marlies und Günter Stapff aus Neuhausen sind seit 64 Jahren verheiratet und erzählen, wie alles begann.
Es ist ein Feiertag im Mai, als Marlies Stapff (92) ihren zukünftigen Ehemann auf dem Weg in das Hochtal Dammkar mit Ski auf dem Rücken überholt. „Wir, meine zwei Freunde und ich, hätten schon noch ein bisschen schneller laufen können, aber ihr Tempo haben wir nicht geschafft“, erzählt Günter Stapff (92) heute.
Es ist 1958 und seine erste Skitour in den Bergen, der Bauingenieur ist erst vor kurzem von Stuttgart nach München gezogen. Von der breiten Skipiste ist nur noch ein schmaler Streifen Schnee übrig, der an den Rändern in Geröll übergeht. Günter Stapff verliert in einer Kurve die Kontrolle und reißt sich an dem steinigen Untergrund die Naht seiner Skihose auf. „Sein Freund hat gesagt, helf mir doch, die beiden anderen da runter zu bringen“ erzählt Marlies Stapff in ihrem bayerischen Dialekt, der auch nach 60 Jahren noch durchklingt. Im Tal nimmt sie im VW-Käfer der Männer Platz statt im Reisebus. Die Idee, auf dem Weg zurück nach München noch einen Kaffee trinken zu gehen, erscheint abwegig mit der aufgerissenen Skihose. „Aber ich hab gesagt, da geh ich hintendrein, das sieht niemand“, sagt Marlies Stapff lachend.
Im Gänsemarsch zum Kaffee trinken
Es folgen ein erstes Treffen zu zweit im Schwabinger Lokal Hängematte und eine zweite Verabredung zum Bergsteigen auf den Wallberg beim Tegernsee. Marlies Stapff erinnert sich an den Ausflug zurück: „Erstens bin ich schneller gelaufen als er, zweitens habe ich die ganze Zeit geredet und ihm ist die Luft weggeblieben und drittens hat er sich oben eine Cola bestellt und ich ein Bier.“
Er überzeugt ihre Familie von sich
Bei dem zweiten Treffen soll es erst einmal bleiben. Marlies Stapff wird von einem Bekannten nach Brasilien eingeladen. Drei Wochen, in denen sie kaum an Zuhause und den Stuttgarter denkt. Doch der stellt sicher, dass er nicht so schnell in Vergessenheit gerät, leiht bei Marlies Stapffs Mutter in der Zwischenzeit regelmäßig Werkzeug aus und erkundigt sich nebenbei, wie es der jungen Frau geht, die mit ihrer vorlauten, sportlichen Art Eindruck hinterlassen hat. „Bis ich zurückkam, hat er meine Mutter um den Finger gewickelt“, erzählt Marlies Stapff. Zurück in München, bleibt Günter Stapff hartnäckig, lädt sie zum Schwimmen ein, fährt mit ihr auf seinem Tassy Roller ins Theater und Kino und besucht mit ihr Faschingsbälle.
Ein Jahr nach ihrem Kennenlernen heiraten die beiden standesamtlich in München und kirchlich in Stuttgart. 1962 übernimmt Günter Stapff das Bauingenieursbüro seines Vaters und die beiden ziehen um. „Das war schon ein großer Unterschied zwischen dem lebigen München und dem verklemmten Schwaben“, erzählt Marlies Stapff. Wie ein Karpfen auf dem Trockenen habe sie sich gefühlt. Doch auch wenn es der Landeshauptstadt an Seen und Gipfeln mangelt – das Paar war in den 65 Jahren, die sie sich kennen, regelmäßig in den Bergen. Denn Bergsteigen und Ski fahren, das war immer „das Maßgebliche“. Noch heute geht das Paar regelmäßig spazieren, er mit seinen langen Beinen ein Stück voraus. „Obwohl du, wie ich, auch ein Stück geschrumpft bist!“, zieht Marlies Stapff ihren Mann liebevoll auf.
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