Alfred und Erika in Stuttgart: Dienstags gehen sie immer auf den Markt. Foto: Florian Gann

Dass Erika und Alfred ein Paar wurden, hat mit einigen Zufällen zu tun. Ein auffälliger roter Mantel und ein Novembertag auf einer Brücke in Esslingen – das ist ihre Liebesgeschichte.

Hätte Erika damals auf der Pliensaubrücke in Esslingen nicht den auffälligen roten Mantel mit den großen weißen Knöpfen getragen, wer weiß, ob es jemals zu einem ersten Date zwischen ihr und Alfred gekommen wäre. Aber Alfred hat sie erkannt. „Ich habe das Fräulein angesprochen. Ganz plump“, sagt Alfred. Im November 1963 war das.

 

Wir treffen Alfred (84) und Erika (82), die ihren Nachnamen nicht in der Öffentlichkeit teilen wollen, im Januar vor den Schaufenstern vom Breuninger in der Stuttgarter Innenstadt. Hier erzählen sie ihre Geschichte. Sie beginnt eigentlich mit Erikas Bruder.

Der Mann, der perfektes Hochdeutsch sprach

Der Bruder war damals bei der Bundeswehr. Er hat sich immer wieder mit seinen Kameraden einem Bundeswehr-Stammtisch getroffen und wollte Erika mitnehmen. „Ich wollte davon eigentlich gar nichts wissen. Dann bin ich aber trotzdem mal mitgegangen“, sagt Erika. Und dann war da ein Mann, der perfektes Hochdeutsch gesprochen hat, einer aus der Hannover-Gegend. Zu den anderen Männern hat er immer wieder gesagt: „Seien Sie doch mal ruhig, lassen Sie das Fräulein auch was sagen.“ Dieser Mann war Alfred. Aber das er später mal ihr Ehemann sein sollte, davon wusste sie zu dem Zeitpunkt noch nichts.

Dass sich Erika und Alfred später auf der Pliensaubrücke in Esslingen getroffen haben, war reiner Zufall. Sie kam gerade aus Stuttgart, und er war eben auch da und hat sie gleich entdeckt mit ihrem roten Mantel. „Wir kennen uns doch“, hat er gesagt. „Und dann hat er keine Ruhe gelassen, dass wir uns mal treffen“, erzählt Erika. „Dann sind wir ins Kino gegangen. Ich weiß gar nicht mehr in welchen Film. Er war hartnäckig, und so haben wir uns halt immer wieder getroffen.“

Nach einem Jahr wird geheiratet, auch aus Vernunft

Sie hatten ihre Zimmer nicht weit auseinander, sie in Cannstatt, er in Untertürkheim. „Und dann haben wir aus Vernunft gesagt, nach einem Jahr, wir heiraten“, sagt Erika. Ein Jahr lang kannten sie sich damals, 59 Jahre ist es her, dass sie ihre Schwüre ausgetauscht haben.

Und was ist seither passiert? Sie hat viele Jahre bei Kodak gearbeitet, als das Unternehmen mit analoger Fotografie noch viel Geld verdient hat. Er war Bäcker, das Mehl im Beruf hat seinem Asthma nicht gut getan, deswegen wurde er Kraftfahrer. Sie sind gemeinsam mit dem Wohnmobil Tausende Kilometer durch die Welt getourt, „vom Nordkap bis Syrien“, sagt Alfred.

Einmal sind sie in Spanien ausgeraubt worden, dann hat es gereicht mit dem Wohnmobil. Jetzt verbringen sie ihre Sommer lieber in einem Haus auf der Schwäbischen Alb, nur im Winter sind sie daheim in Hedelfingen, da sind die Temperaturen etwas entspannter. Dienstags gehen sie immer auf den Markt am Marktplatz. Und ab und zu schauen sie, was es beim Breuninger Neues gibt.

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