Mitglieder des inzwischen verbotenen Osmanen Germania Boxclub in ihren Kutten mit dem Emblem der rockerähnlichen Gruppe, einem vermumten Osmanen-Krieger. Foto: privat

Vor dem Stuttgarter Landgericht bestätigen Zeugen einen Überfall auf einen Kurden in Ludwigsburg im November 2016. Allerdings fehlen harte Beweise, dass dafür der inzwischen verbotene „Osmanen Germania Boxclub“ verantwortlich ist.

Stuttgart - Die Anklage ist vor dem Stuttgarter Landgericht mit ihrem Versuch erst einmal gescheitert, einen brutalen Überfall auf einen jungen Mann zweifelsfrei zwei Anführern der rockerähnlichen Gruppierung Osmanen Germania zur Last zu legen. In der ersten Fortsetzung des Osmanen-Prozesses nach der Sommerpause befragten die Richter Zeugen zu einer Attacke auf einen kurdischstämmigen, heute 26 Jahre alten Mann in Ludwigsburg. Er war am 21. November 2016 gegen 21.10 Uhr von einer Gruppe Maskierter in der Karlstraße nahe dem Bahnhof angegriffen worden.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Etwa 20 Osmanen hätten mit Baseballschlägern, Axtstielen und Schlagstöcken vor allem auf den Kopf des Mannes eingeschlagen. Als er zu Boden gegangen sei, hätten sie ihn getreten und weiter geschlagen, wirft der Staatsanwalt vor allem dem damaligen Stuttgarter Führungsduo der Osmanen vor, Levent Uzundal, dem Vorsteher der Gruppe, und Toni Wörz, seinerzeit als Sergeant at Arms, als Waffenmeister, für Auseinandersetzungen inner- und außerhalb der Gruppe zuständig. Vor Gericht schilderten drei Zeuginnen und der angegriffene Mann den Angriff. Eine der Frauen will gehört haben, dass jemand „in der Gruppe ‚Osmanen‘ rief“. Der Begriff habe ihr deshalb etwas gesagt, weil ihr etwa eine Woche vorher „eine Freundin von einer Osmanen-Gruppe erzählt hatte, die in Ludwigsburg Stress macht“. Während des Überfalls – so zwei Zeuginnen – hätten die dunkel gekleideten Männer vor allem Türkisch gesprochen.

Den „Wolfsgruß“ faschistischer Türken gezeigt

Einige Angreifer hätten den Wolfsgruß gezeigt, der unter türkischen Faschisten üblich ist. Dabei werden Ring- und Mittelfinger auf den Daumen gepresst. Zeige- und kleiner Finger abgespreizt. Das Zeichen verwenden Lehrer in deutschen Grundschulen unter dem Begriff Schweigefuchs, um ihre Klasse zur Ruhe zu bringen. Der Wolfsgruß wird von vielen Osmanen auf Fotos in sozialen Netzwerken gezeigt – ebenso von meist türkischen Anhängern der vom Verfassungsschutz beobachteten rechtsradikalen Grauen Wölfe. Es waren an dem Verhandlungstag die einzigen Anhaltspunkte dafür, dass die Osmanen den jungen Kurden überfallen haben. Die Aussagen entlasten zumindest Wörz, der kein Türkisch spricht. Er hätte als Sergeant at Arms das Kommando bei der Aktion führen müssen. Befehle wie „macht weiter“ oder „er darf nicht mehr aufstehen“ seien aber nur auf Türkisch gebellt worden.

Verteidiger fordert: „Fakten – jetzt!“

Die Anklage stützt sich vor allem auf Abhörprotokolle, doch sind Zweifel angebracht, ob damit der Überfall zu beweisen ist. Zwar ist in einem mitgeschnittenen Telefonat zweier den Osmanen zugerechneter Männer am 21. November 2016 die Rede von einem Überfall, bei dem „Toni dabei gewesen“ ist. Die Rede ist von Schlägen auf den Kopf, es „war unmenschlich“. In einem weiteren Telefonat spricht auch Wörz darüber, man habe „aber so richtig Demolation gemacht, auf Kopf und so“. In dem Gespräch wird aber auch deutlich, dass dies in Feuerbach gewesen sein soll – also fast zwölf Kilometer vom Tatort in Ludwigsburg entfernt.

Anfang Juli hatte ein Kriminalhauptkommissar die These vertreten, Feuerbach sei ein Codewort für Ludwigsburg gewesen. Und meinte, „aufgrund seiner Position als Sergeant at Arms war Wörz mit Sicherheit dabei“. Wörz’ Verteidiger Martin Stirnweiss forderte Belege für diese Vermutungen: „Wie kommen Sie darauf, dass der 21. November eine Aktion der Osmanen Germanen, Chapter Stuttgart und Heilbronn war? Fakten – jetzt!“ Die blieb der Kriminale schuldig.

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