Die Ermittler beschlagnahmten bei den Razzien unter anderem Waffen, Drogen und Rockerinsignien. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

20 Wohnungen, Geschäftsräume und Fahrzeuge, die Mitgliedern der rockerähnlichen Gruppe Osmanen Germania BC zugeordnet werden, sind heute in drei Bundesländern durchsucht worden. Ein Schwerpunkt dabei: der Kreis Böblingen.

Böblingen - Bei einem Großeinsatz ist der Polizei am Dienstag ein Schlag gegen die Organisierte Kriminalität gelungen. 400 Beamte der Landes- und Bundespolizei, darunter drei Spezialeinheiten, durchsuchten gleichzeitig in drei Bundesländern 20 Wohnungen, Geschäftsräume und Fahrzeuge, die Mitgliedern der rockerähnlichen und nationaltürkischen Gruppierung Osmanen Germania BC zugeordnet werden.

Ein Schwerpunkt dabei: der Landkreis Böblingen. „Hier wurden sechs Objekte durchsucht“, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA) in Stuttgart. In welchen Städten genau die Beamten tätig geworden seien, könne er aber nicht bekannt geben. Im Großraum Stuttgart waren außerdem je zwei Objekte im Kreis Esslingen und im Kreis Göppingen sowie je eines im Kreis Ludwigsburg und in Stuttgart im Visier der Ermittler gewesen. Auch in den Kreisen Calw, Reutlingen und Tübingen sowie in Hessen und Nordrhein-Westfalen fanden Razzien statt. Dabei wurden fünf Männer im Alter von 19 bis 45 Jahren festgenommen. „Eine Festnahme fand im Kreis Böblingen statt“, sagte der Sprecher. Die fünf Verdächtigen sollten noch im Laufe des Dienstags einem Haftrichter vorgeführt werden.

Polizei stellt Beweismaterial sicher

Bereits am Samstag, 24. Juni, waren zwei türkische Staatsbürger im Alter von 34 und 37 Jahren in Hessen von Spezialkräften festgenommen und später in Untersuchungshaft gebracht worden. Gleichzeitig wurden auch vier Wohnungen und mehrere Fahrzeuge durchsucht, berichtete das Landeskriminalamt.

Alle sieben Männer stehen im Verdacht, andere Mitglieder der Osmanen, die die Gruppe verlassen wollten oder sich Anweisungen widersetzt hatten, teils erpresst, beraubt und brutal zusammengeschlagen zu haben.

Nach dem Ermittlungsstand sei auch in zumindest zwei Fällen der Tod des Opfers in Kauf genommen worden. Eine dieser Taten habe sich im Landreis Böblingen, die andere im Landkreis Esslingen ereignet, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Unter den Männern, die festgenommen wurden, sollen sich auch führende Mitglieder der Osmanen Germania BC befinden.

Bei den Durchsuchungen stellte die Polizei umfangreiches Beweismaterial sicher. So fanden die Ermittler unter anderem eine scharfe Schusswaffe sowie vier Schreckschusswaffen, Hieb- und Stichwaffen, Rockerinsignien, Bargeld, Schmuck und Rauschgift. Darüber hinaus stellte die Polizei zwei Autos sicher.

Osmanen Germania rückten in den Fokus

Bereits seit Ende 2016 ermitteln die Staatsanwaltschaft Stuttgart, das LKA, die Bundespolizeidirektion Stuttgart sowie die Polizeipräsidien Ludwigsburg und Stuttgart gegen Mitglieder rockerähnlicher Gruppierungen, da es in diesem Milieu immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen war. „Dabei rückte auch die Gruppierung Osmanen Germania BC in den Fokus“, sagte der Sprecher des Stuttgarter Landeskriminalamts.

Bei ihren Ermittlungen seien die Beamten auf mehrere Straftaten aufmerksam geworden, darunter ein versuchter Mord, räuberische Erpressung und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Rockerähnliche Gruppierungen im Südwesten

Gruppierung: Die „Osmanen Germania Box-Club“ sind eine rockerähnliche Gruppierung, die als nationaltürkisch geprägt gilt. Sie wurde im Jahr 2014 in Frankfurt ins Leben gerufen. Die Zahl der „Osmanen“ in Baden-Württemberg schätzt das Landeskriminalamt stabil auf rund 100 Personen. Ihnen werden gute Kontakte in die türkische Politik nachgesagt.

Konflikt: In Stuttgart und Ludwigsburg war es zu teils gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern der Osmanen sowie der sogenannten Stuttgarter Kurden beziehungsweise der kurdischstämmigen Gang Bahoz gekommen. Dabei wurden mehrere Menschen verletzt. Nach Erkenntnissen der Polizei ist Bahoz in Teilen aus der mittlerweile verbotenen Gruppierung Red Legion hervorgegangen. Zurzeit gibt es rund 50 Ermittlungsverfahren um die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gruppen

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