Die Stuttgarter Staatsoper wird saniert und erweitert. Zu welchem Preis, das hängt auch von der weiteren Entwicklung der derzeit steigenden Baupreise ab. Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Die Baupreise steigen und steigen. Das nährt hinter den Kulissen im Rathaus die Befürchtung, auch das Milliardenprojekt Opernsanierung werde womöglich noch teurer. Stadt und Land dämpfen die Befürchtungen.

Stuttgart - Allein zwischen 2019 und 2021 sind die Baupreise in Stuttgart nach Angaben der Stadt um jährlich durchschnittlich sieben Prozent gestiegen – und im Augenblick ist kein Ende in Sicht. Auch bei Kulturbauten schlägt die Kostenexplosion ins Kontor. Der Anbau des Theaterhauses und auch die absehbare Erhöhung der Baukosten für das neue Film- und Medienhaus sind jüngste Beispiele. Wie aber steht es diesbezüglich um das größte Kulturprojekt der Stadt, die Sanierung der Staatsoper und den Bau einer Interimsspielstätte bei den Wagenhallen? Noch sehen sich die Finanziers Stadt und Land gut gerüstet gegen eine weitere Verteuerung des Milliardenprojekts.

 

Zur Erinnerung: Im November 2019 hatten Stadt und Land eine vertiefte Kostenuntersuchung für die Sanierung und Erweiterung der Oper auf den Tisch gelegt. Danach wurden auf Basis der damaligen Baupreise zwischen 550 Millionen und 740 Millionen Euro Kosten für das Projekt genannt. Weil in den Berechnungen Baupreissteigerungen von durchschnittlich 3,5 Prozent für die kommenden zehn Jahre eingepreist wurden, belief sich die Summe schließlich auf bis zu 953 Millionen Euro.

Für die Interimsspielstätte sind mehr als 100 Millionen Euro veranschlagt

Gesondert ausgewiesen wurde der Bau einer Interimsspielstätte bei den Wagenhallen, die bis 2027 stehen soll: Sie schlug in der Kalkulation mit zusätzlich über 100 Millionen Euro zu Buche – unter dem Strich also mehr als eine Milliarde Gesamtkosten. Nicht mit eingerechnet sind die Kosten für Verwaltungsgebäude, die die Stadt im Vorgriff auf die sogenannte Maker City auf eigene Kosten errichtet (84 Millionen Euro). Sie sollen der Oper als provisorische Verwaltungs- und Technikgebäude dienen und nach dem Rückbau der Interimsspielstätte stehen bleiben für etwaige Nutzungen durch die Kreativwirtschaft.

Schon 2019 hatte das Finanzministerium darauf hingewiesen, dass jede weitere Verzögerung der Planung pro Jahr rund 30 Millionen Euro Mehrkosten verursachen werde. Im Sommer 2021 gaben Landtag und Gemeinderat dann zeitgleich den Startschuss für die Planungen. Allein für die Ausweichspielstätte – Voraussetzung für die Sanierung des denkmalgeschützten Littmann-Baus – wurde dafür ein Zeitraum von drei Jahren angesetzt, 2027 soll dann der Umzug von Oper und Ballett an die Wagenhallen erfolgen, die Sanierung der Oper bis 2037 abgeschlossen sein.

Stadt und Land hoffen, dass Baupreissteigerung nur vorübergehend ist

Angesichts der galoppierenden Inflation, coronabedingter Lieferschwierigkeiten bei Baumaterialien und kostenintensiver Klimaschutzauflagen wird hinter den Kulissen im Rathaus bereits spekuliert, dass auch das Opernprojekt finanziell aus dem Ruder laufen könnte. Stadt und Land, die das Vorhaben zu jeweils 50 Prozent finanzieren, sehen sich dagegen durch den in der Kalkulation bereits eingepreisten Risikopuffer derzeit noch auf der sicheren Seite.

Der Technikbürgermeister Dirk Thürnau (SPD), dessen Hochbauamt für die Planungen und den Bau der Interimsspielstätte verantwortlich zeichnet, verweist auf den Risikozuschlag (zwölf Millionen Euro) sowie die eingerechnete Baukostensteigerung (15 Millionen) für das Provisorium bis zur geplanten Fertigstellung 2027: „Das ist schon ein ziemlich dickes Polster.“

Auch Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) spricht von einem „großen Puffer“. Thürnau argumentiert, dass über die Dauer der Planungs- und Bauzeit die Preise auch wieder fallen könnten: „Aber das wäre ein Blick in die Glaskugel.“ Im städtischen Finanzreferat ist man skeptischer und verweist auf Prognosen aus der Bauwirtschaft, die von einem anhaltend hohen Baupreisniveau ausgehe: „Dann könnte es eng werden und der Puffer schnell aufgebraucht sein“, heißt es. Auch Kulturbürgermeister Fabian Mayer glaubt nicht, dass die Preise so schnell wieder fallen. Das Finanzministerium, dessen Amt für Vermögen und Bau federführend den Projektabschnitt Sanierung und Erweiterung der Oper an der Kulturmeile betreut, erklärt auf Anfrage, man habe die Baupreisentwicklung im Blick. Bisher seien „rechnerische Mehrkosten“, die durch die Baupreisteigerung seit 2019 eingetreten seien, noch nicht in der Kostenschätzung fortgeschrieben worden. Auch beim Land hofft man, dass sich die Preisentwicklung in den kommenden Jahren „wieder etwas beruhigt“, räumt aber ein: Falls sich die Entwicklung wie zuletzt fortsetze, müsse man „wie alle anderen Bauherren“ mit Mehrkosten rechnen.

Planung für ein Kulissenlager an der Zuckerfabrik macht Fortschritte

Jenseits der Kostenfrage scheint es dagegen bei den Planungen für einen Erweiterungsbau des Opern-Kulissenlagers auf dem Areal der Cannstatter Zuckerfabrik Fortschritte zu geben. Nach Informationen unserer Zeitung laufen zwischen dem bisher dort residierenden Backmaschinen-Hersteller und der Stadt aussichtsreiche Verhandlungen über eine mögliche Verlagerung des Betriebs. Dadurch wäre es möglich, dort Teile der Opern-Werkstätten und der Requisiten unterzubringen und so das Bauvolumen des neu zu erstellenden Kulissengebäudes an der Konrad-Adenauer-Straße auf ein städtebaulich verträgliches Maß zu reduzieren.