Das Bohnenviertelfest (Archivbild) wird 2022 nach Corona-Pause wieder stattfinden – so wie die meisten Straßenfeste Stuttgarts. Welche das sind, erfahren Sie in unserer Bildergalerie. Foto: Andreas Rosar/Fotoagentur-Stuttgart

Kein Sommerfest 2022 – diese Nachricht schockierte viele Stuttgarterinnen und Stuttgarter. Einen Sommer ohne Straßenfeste muss im Kessel darum aber niemand befürchten, wobei es Abstriche gibt.

Nachdem die Veranstalter bekannt gegeben hatten, dass es im Sommer 2022 kein Sommerfest in Stuttgart geben wird, stellt sich die Frage: Haben auch andere Straßenfeste derartige Probleme mit gastronomischem Fachpersonal? Müssen trotz Ende der Coronamaßnahmen weitere Stadtteilfeste aussetzen? Die meisten Veranstalter größerer Straßenfeste berichten Gegenteiliges. Bohnenviertelfest, Marienplatzfest oder Heusteigviertelfest – viele erstehen nach der Coronazwangspause von den Toten auf. Einige allerdings in etwas abgespeckter Form, denn die Probleme, die das Sommerfest hatte, kennt man auch anderswo.

 

Feuerseefest

So auch in der Rosenau, die das Feuerseefest in Stuttgart-West ausrichtet. „Personelle Probleme im Gastrobereich haben auch wir“, sagt eine Mitarbeiterin. Allerdings könne das Feuerseefest dennoch wie geplant vom 15. bis zum 18. September stattfinden. Coronabedingt feiert es sein zehnjähriges Bestehen ein Jahr zeitverzögert.

Heusteigviertelfest

Das Heusteigviertelfest vom 24. bis 26. Juni werde dieses Jahr kleiner ausfallen als vor der Pandemie, sagt Marc Bodon vom Vorstand des Heusteigviertelvereins: „Einige unserer früheren Stammlieferanten gibt es nun nicht mehr.“ Darum habe sich der Veranstalter neue Partner suchen müssen, diese hätten auch höhere Preise verlangt. Dieses Jahr würden zum Beispiel nur drei anstatt fünf Bühnen auf dem Fest bespielt. Auch der veranstaltende Verein selbst sei dezimiert, was bei der Organisation eine besondere Herausforderung darstelle. „Insgesamt sind wir sehr froh, dass wir das Stadtteilfest wieder auf die Beine stellen können, etwas Sorge schwingt aber auch noch mit“, sagt der Bodon.

Vaihinger Stadtfest

Auch ein Neuling tritt durch die Corona-Pandemie erst verspätet auf die Bühne der Stadtteilfeste: Das Vaihinger Stadtfest debütiert bereits in wenigen Wochen, am 2. und 3. Juli im Vaihinger Stadtpark. Kai Jehle-Mungenast, Bezirksvorsteher des Stadtteils und Vorsitzender des Vereins Heimatring Stuttgart-Vaihingen/Rohr freut sich auf ein buntes Bürgerfest. „Da bei uns die Vereine das kulinarische Angebot übernehmen, sind wir von der Personalnot in der Gastronomie weniger betroffen“, sagt Jehle-Mungenast. Aber auch die Vereine seien durch die Pandemie gebeutelt, sodass einige ihre ursprünglich geplanten Auftritte abgesagt hatten, da etwa Musikvereine seit zwei Jahren kaum proben konnten.

Marienplatzfest

„Auf jeden Fall“, antwortet Reiner Bocka, einer der Veranstalter des Marienplatzfestes auf die Frage, ob die Veranstaltung wie geplant stattfinden wird. „Mit freiem Eintritt und Essens- und Getränkeständen wollen wir erreichen, dass die Leute herkommen und genießen können“, so Bocka. Damit hoffe man, vom 30. Juni bis zum 3. Juli mindestens so viele Leute wie vor der Pandemie anlocken zu können.

Westallee

Bei der Westallee, einem alternativen Straßenfest, das vom 9. bis 11. Juli unter anderem in der Johannesstraße gefeiert werden soll, sucht man zur Zeit ebenfalls noch Personal, wie Felix Klenk vom veranstaltenden Verein verrät. „Personal zu finden, ist tatsächlich eine größere Herausforderung in diesem Jahr“, sagt Klenk. Man gehe aber davon aus, dass das Festival wie geplant funktionieren werde. „Im Zweifel werden wir Personaldienstleister bemühen“, so Klenk. In jedem Fall sei man jedoch gespannt und hoffnungsvoll, dass das Fest gut werde.

Heslacher Stadtteilhocketse

In Heslach freut man sich ebenfalls auf die Stadtteilhocketse am 16. und 17. Juli. „Da wir auf freiwillige Helfer zurückgreifen können, ist die Personalnot in der Gastronomie an uns etwas vorüber gegangen“, sagt Axel Littig, der Vorstand der Tafelrunde des Ritters Verein, der die Hocketse veranstaltet. Bei ihm überwiege die Vorfreude, allerdings sei man auch noch skeptisch, wie viele Gäste man erwarten könne. „In den meisten Lokalen sind die Gäste noch zurückhaltender als vor der Pandemie, so ein Festle ist aber etwas anderes, daher hoffen wir auf das Beste“, sagt Littig.

Stuttgarter Weindorf

Freunde des Weindorfs müssen keine Abstriche machen. Obwohl auch die Weinwirte von Personalnot berichten würden, sei diese nicht so verheerend, dass es deswegen Absagen gegeben hätte. Die Zahl der Lauben befinde sich zwischen dem 17. August und 4. September etwa auf Vor-Corona-Niveau, ist vom Veranstalter Pro Stuttgart zu erfahren.

Hamburger Fischmarkt

Auch der Hamburger Fischmarkt auf dem Karlsplatz (7. bis 17 Juli) kommt 2022 wieder nach Stuttgart. "Wir leiden darunter, dass ganz viele Aushilfen fehlen", sagt Anne Rehberg von der Veranstaltungsagentur WAGS Hamburg Events. Personalmangel führe zwar auch dazu, dass der eine oder andere Teilnehmer ausgetauscht werden musste, insgesamt finde der Fischmarkt aber in der üblichen Größe statt. "Das ist ein schwieriges Jahr", sagt Rehberg und betont, dass gestiegene Dienstleisterpreise die Situation nicht einfacher machten.

Weitere Straßenfeste, die stattfinden dürften

Das Bohnenviertelfest vom 21. bis 23. Juli wird im gewohnten Altstadtcharme stattfinden, wie die Veranstalter in den Sozialen Medien und auf der Internetseite des Festes bekannt geben. Das gilt auch für das Henkersfest, das laut einem recht aktuellen Facebook-Post von Anfang April vom 27. bis zum 31. Juli steigen soll. Auch das linksalternative Festival Umsonst & Draußen (5. bis 7. August) auf der Uniwiese am Pfaffenwald sind laut offiziellen Internetseiten geplant. Genauso soll das Festival der Kulturen (12. bis 17. Juli) demnach wie immer auf dem Marktplatz abgehalten werden.

Abgesagte und stark abgespeckte Feste

Doch nicht alle Feste unter freiem Himmel werden wie geplant gefeiert. Das Kulturfestival ArtLänd, das im September eigentlich Premiere feiern sollte, wurde zumindest für dieses Jahr schon wieder verworfen. Hier wollten Staatstheater und Kreativschaffende aus Stuttgart eigentlich Hochkultur und Subkultur zusammenbringen. Laut den Veranstaltern scheiterte dies an den strengen Auflagen am Eckensee und an Finanzierungsproblemen. Kleiner Lichtblick: 2023 will man einen neuen Anlauf wagen.

Ebenfalls ganz abgesagt ist die Lange Ost Nacht rund um die Gablenbergstraße. Immerhin versuchen die Veranstalter hier, eine kleinere Ersatzveranstaltung im September auf die Beine zu stellen. Ob dies gelingt, ist noch ungewiss. Auch das Afrika-Festival gibt es dieses Jahr nicht unter freiem Himmel auf dem Erwin-Schoettle-Platz, sondern nur drinnen – vom 8. bis zum 10. Juli im Alten Feuerwehrhaus.

Die Festivals, die stattfinden, gibt es in unserer Bildergalerie im Schnelldurchlauf!