Die Internetstores GmbH in Stuttgart, zu der Fahrrad.de gehört, wurde von der Signa-Gruppe des österreichischen Unternehmers René Benko überrascht. Finanzhilfen wurden dem Fahrradhändler zugesagt und wieder zurückgezogen. Nun droht das Aus.
Die Spekulationen haben sich in den vergangenen Tagen und Stunden gemehrt, dass die Firma Fahrrad.de Insolvenz angemeldet hat. Nun haben Mitarbeiter aus Stuttgart diesen Verdacht gegenüber unserer Zeitung bestätigt. Das Unternehmen ist nicht nur online vertreten, sondern auch an sechs ausgewählten Standorten in Deutschland, wie zum Beispiel in Stuttgart an der Rotenwaldstraße 154.
Fahrrad.de gehört wie Bikester, Probikeshop, Campz und Addnature zur Internetstores GmbH. Das Unternehmen führt laut eigenen Angaben über 130 000 Produkte und 1300 Marken. „Ergänzt wird dieses breite Angebot durch Filialen in Deutschland, Schweden und Frankreich sowie ein wachsendes Servicenetzwerk mobiler und lokaler Partner“, heißt es auf der Internetseite von Internetstores. „Wir beschäftigen 600 Mitarbeiter in Stuttgart, Berlin, Lyon und Stockholm.“
Finanzierung in Höhe von 150 Millionen Euro zurückgezogen
Die Internetstores GmbH wiederum ist Teil von Signa Sports United (SSU), nach eigenen Angaben Europas führender Online-Sporthändler. „Ob Radfahren, Outdoor, Tennis, Mannschaftssport oder Athleisure – Sportfans finden hier mit Sicherheit alles, was sie zum Erreichen ihrer Ziele brauchen.“ Man habe mehr als vier Millionen aktive Kunden, über 300 Millionen Besucher jährlich und mehr als 1000 Markenpartner.
Die Internetstores GmbH hat ihren Sitz in der Friedrichstraße 6 in Stuttgart und war am Freitag telefonisch und per E-Mail nicht zu erreichen. Allerdings sollen die Geschäftspartner jüngst ein Schreiben bekommen haben, in dem mitgeteilt wird, dass die Signa „die zugesagte bedingungslose Finanzierung von 150 Millionen Euro ohne weitere Erklärungen zurückgezogen“ hat. Aufgrund dieser Umstände sei man gezwungen, vor Gericht zu gehen und einen Insolvenzantrag zu stellen, insbesondere einen Antrag auf Eigenverwaltung. Solange man keinem Verwalter zugeteilt sei, sei man nicht in der Lage neue Liefertermine zu vergeben und Neuware anzunehmen.
Signa Sports United will rechtliche Schritte einleiten
Die Signa Sports United (SSU) mit Hauptsitz in Berlin wird auf ihrer Internetseite präziser: Einer der größten Aktionäre des Unternehmens sei die Signa International Sports Holding GmbH. Deren Tochtergesellschaft, die Signa Holding GmbH, habe am 26. Juni dieses Jahres eine sogenannte verbindliche Eigenkapitalzusageerklärung unterzeichnet, „mit der bedingungslosen Zusage, der Gesellschaft im Zeitraum vom 1. September 2023 bis 30. September 2025 zusätzliche Liquidität in Höhe von 150 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen“. Mit dem Geld sollte der „operative Finanzierungsbedarf der SSU“ gedeckt und der Fortbestand gesichert werden. Doch nun habe die Signa Holding GmbH diese Zusage zurückgezogen beziehungsweise den Vertrag gekündigt. Die SSU hält diesen Schritt für ungerechtfertigt und möchte rechtliche Schritte unternehmen.
Signa hat weitere Baustellen in Stuttgart
Die Signa Holding GmbH ist Teil der österreichischen Signa-Gruppe von René Benko, der auch in Stuttgart in den vergangenen Monaten immer wieder für Schlagzeilen sorgte. Eigentlich wollte das Unternehmen einen Neubau anstelle des heutigen Kaufhof-Gebäudes in der Eberhardstraße 28 bauen lassen. Die Firma des österreichischen Immobilienunternehmers René Benko hatte ihre Pläne dann aber Ende März dieses Jahres offiziell beerdigt, weil die Bundesbank als Generalmieter auf dem Kaufhof-Areal (2619 Quadratmeter) abgesagt hatte.
Zudem stoßen die Pläne und Baumaßnahmen der Signa an der Königstraße 25 immer wieder auf Kritik. Die Firma hat die ehemalige Sportarena abreißen lassen. Nun ist dort seit Wochen eine riesige Baulücke zu sehen. In Immobilienkreisen wird schon darüber spekuliert, ob René Benko das Gebäude an die Firma Dibag verkaufen möchte. Der Neubau soll auf jeden Fall im Sommer 2025 fertig werden. Geplant ist ein Gebäude, das Platz für 2300 Quadratmeter Einzelhandels- und 5000 Quadratmeter Bürofläche bietet.