Fünfte im Riesenslalom: Mikaela Shiffrin. Nun Gold im Slalom? Foto: Getty Images Europe

An diesem Freitag (13.45 Uhr und 17.15 Uhr/ARD) fährt Maria Höfl-Riesch um eine weitere Olympia-Medaille. Das Gold fechten aber wohl zwei andere aus: ein US-Girl und eine erfahrene Österreicherin.

Sotschi - Die Situation ist alles andere als unangenehm für Marlies Schild. 35 Weltcup-Siege hat die Österreicherin im Slalom bereits gewonnen, auch in dieser Saison fährt sie stark, sie ist gesund, hat mit ihren 32 Jahren auch die Erfahrung, die man bei Olympischen Spielen braucht – und das Beste an der Sache ist: Trotzdem ist sie an diesem Freitag in Rosa Khutor nicht die Top­favoritin. Die Favoritenrolle, sinnierte sie in diesen Tagen, „wird wohl die Mikaela haben“. Sie meinte Mikaela Shiffrin.

Wundern muss man sich ja nicht über die Aussagen von Marlies Schild, denn über die US-Amerikanerin gibt es beinahe so viel Positives aufzuzählen wie über sie selbst. Shiffrin fährt stark, sie ist amtierende Weltmeisterin, auch sie ist gesund und fühlt sich gut. Der größte Unterschied der beiden: Mikaela Shiffrin ist gerade einmal 18 Jahre alt – weshalb das Rennen ums Slalom-Gold von Sotschi zum Duell der Generationen werden könnte. Mit offenem Ausgang. Oder nicht?

Die meisten Experten würden, wenn sie denn um Geld wetten müssen, wohl auf den Teenager aus Colorado setzen. Schon im vergangenen Jahr war die junge Dame mit den roten Bäckchen die dominierende Rennläuferin in der technisch anspruchsvollsten Disziplin. Neben dem Titel bei der WM in Schladming gewann sie auch die Weltcup-Wertung im Slalom. Und wer gehofft hatte, sie verliere im Überschwang der Gefühle über den Sommer ihre Sicherheit, der wurde in den Rennen der laufenden Saison enttäuscht. Es scheint, sie ist die personifizierte Champions League auf Ski.

Drei Slalom-Rennen hat Mikaela Shiffrin in diesem Winter für sich entschieden, dazu wurde sie einmal Zweite – und: Mittlerweile ist sie auch im Riesenslalom derart stark, dass es für Podiumsränge reicht. „Mika ist brutal cool und hat sich extrem weiterentwickelt“, sagt Patrick Riml, der Alpin-Direktor im US-Verband. Kein Wunder also, dass sie längst mit Lindsey Vonn verglichen wird.

Im Prinzip ist es sogar noch mehr als das. Seit die 29-Jährige aufgrund eines zweiten Kreuzbandrisses ihre Teilnahme an den Winterspielen von Sotschi hat absagen müssen, heißt es nicht mehr, Shiffrin sei wie Vonn. Sondern: Shiffrin ist die neue Vonn. Doch das hört die Hochgelobte gar nicht gern. „Das ist so, als ob ihr zu Lindsey sagen würdet: Geh aus dem Weg, es ist kein Platz für zwei Lindseys“, erklärte sie Journalisten, die diesen Vergleich gezogen hatten, und bat: „Nennt mich einfach Mikaela Shiffrin.“ Eigene Spuren hat sie ja sowieso schon hinterlassen. Allerdings nur, weil sie dann doch etwas mit Lindsey Vonn verbindet.

„Vom Arbeitseifer und von der Einstellung her bestehen Parallelen“, sagt Alex Hödlmoser, der österreichische Coach der US-Damen und lobt wie alle anderen, die mit Shiffrin zu tun haben, deren Ehrgeiz und die Gabe, extrem lernfähig zu sein. Als Kind orientierte sie sich an ihrem zweieinhalb Jahre älteren Bruder, dann kam sie in eine Sportschule und versuchte wieder, die Älteren zu schlagen. Mit 16 bekam sie vom US-Verband ein professionelles Team an die Seite gestellt, mit 17 war sie Weltmeisterin, nun der nächste Schritt im Riesenslalom. Weitere Leistungssprünge würden niemanden ­verblüffen.

„Wir versuchen alles“, sagte etwa die Österreicherin Michaela Kirchgasser nach dem Slalomrennen von Flachau, „aber wir fahren nur in der zweiten Liga.“ Und Maria Höfl-Riesch erklärte: „Mikaela fährt unglaublich.“ Unglaublich schnell in den ­Beinen, unglaublich sicher auf den Ski und immer noch unglaublich unbekümmert, so dass ihr die Rolle der Favoritin auf den Olympiasieg anscheinend gar nichts ausmacht.

„Ich bin 18 Jahre alt, fahre zu Olympia, erfülle mir einen Kindheitstraum“, sagt sie dazu, „und dass ich zu den Favoriten zähle, das heißt, dass ich auch noch um die Medaillen fahre. Das ist wundervoll.“

Und schlecht für die Konkurrenz. Und damit auch für Marlies Schild? Die will mit einem Sieg am Freitag ihre große Karriere „perfekt“ machen. Trotz Mikaela Shiffrin.

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