Gold in der Abfahrt, Silber im Super-G: Maria Höfl-Riesch erlebt glänzende Olympische Spiele Foto: dpa

Die erfolgreichste deutsche Skirennläuferin der Geschichte feiert Erfolg um Erfolg – und denkt an das Ende ihrer Karriere

Sotschi - So eine Wundertüte ist ja eigentlich eine Sache, die mit Vorsicht zu genießen ist. Mal kommt was Gutes raus, mal was Schlechtes. Wolfgang Maier findet, er habe eine „Wundertüte“ in der Mannschaft. Der Vorteil seines Modells aber ist: Angst vor Enttäuschungen muss der Alpin-Sportdirektor des Deutschen Skiverbands (DSV) nie haben. Denn seine Wundertüte heißt Maria Höfl-Riesch.

Und so war der Vergleich auch eher als Kompliment gedacht, das Maier der Skirennläuferin am Samstag nach dem olympischen Super-G ausgesprochen hat. Nach dem Motto: Egal, wie die Verhältnisse sind, egal, ob es vorab eine Enttäuschung zu verkraften gab – „die Maria kann ihre Performance innerhalb kürzester Zeit verändern, das überrascht selbst uns manchmal“. Am Samstag in Rosa Khutor jedenfalls hatten nach dem Fehler im Schlussabschnitt nicht mehr viele mit dem Gewinn der Silbermedaille gerechnet.

So aber durfte Maria Höfl-Riesch am Abend bei einem Gläschen Sekt die Erinnerungen an eine weitere olympische Siegerehrung verarbeiten – und sich ganz entspannt auf ihre zweite Wettkampf-Woche freuen. „Ich habe mein Soll erfüllt, jetzt will ich meine letzte Olympia-Woche überhaupt in vollen Zügen genießen“, sagte die 29-Jährige am Sonntag.

Da saß sie gemeinsam mit Barbara Wirth, Viktoria Rebensburg und Trainer Tom Stauffer im Pressezentrum von Krasnaja Poljana und blickte voraus auf die noch anstehenden Rennen im Riesenslalom (Dienstag) und Slalom (Freitag). Mehr Ausblick gönnt sie sich – offiziell zumindest – noch nicht. Obwohl grundlegende Überlegungen anstehen.

Dass die Spiele von Sotschi ihre letzten werden, betont Höfl-Riesch schon lange. Offen ist noch, ob sie ihre Karriere bereits nach dieser Saison beendet oder noch ein Jahr dranhängt bis zur WM 2015 in Vail/USA. Und unklar ist auch, inwiefern die Erfolge von Sotschi diese Entscheidung beeinflussen. Hört sie auf, weil es schöner nicht mehr werden kann? Oder wählt die Zollbeamtin aus Garmisch-Partenkirchen den nächsten alpinen Höhepunkt für einen stimmungsvollen Abschied im runden Alter von dann 30 Jahren? Wenn man ihr Glauben schenken mag, weiß sie das selbst noch nicht so genau.

In den Rekordlisten des Skisports hat sie sich längst verewigt. In Deutschland war bei Olympischen Spielen keine Skirennläuferin besser, international stehen nur noch Janica Kostelic (Kroatien) und Vreni Schneider (Schweiz) vor ihr. Vater Siegfried schätzt die Chancen auf einen Verbleib Höfl-Rieschs im Skizirkus auf 50:50, seine Tochter will sich nach den Olympischen Spielen Zeit nehmen, eine eigene Rechnung aufzumachen. „Da habe ich ein, zwei Tage Ruhe zum Durchschnaufen“, sagt sie, „da werde ich mir mal tiefgründige Gedanken machen.“

Was dabei herauskommt, weiß bislang keiner. Maria Höfl-Riesch bleibt also eine Wundertüte – und diesmal könnte Wolfgang Maier doch enttäuscht werden.

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