Sie haben allen Grund zum Jubeln: Karl Geiger, Markus Eisenbichler, Stephan Leyhe und Constantin Schmid (von links). Foto: AFP/Christof Stache

Versöhnlicher Abschluss: Das deutsche Skisprungteam um den überragenden Markus Eisenbichler holt Bronze – auch, weil der Favorit schwächelt.

Zhangjiakou - Wie wichtig den deutschen Skispringern diese Medaille war, zeigte sich eine halbe Stunde nach dem Teamwettbewerb. Das Thermometer im bitterkalten Zhangjiakou war mittlerweile auf minus 24 Grad gefallen, doch niemand dachte an das Ende der Feierlichkeiten. Weiterhin hallten Jubelschreie durch den Zielbereich der olympischen Schanzenanlage, Umarmung folgte auf Umarmung, und dann dauerte es auch noch eine kleine Ewigkeit, bis sich alle für das Mannschaftsfoto mit allen Trainern, Technikern und Funktionären postiert hatten. Aber offenbar reichte der Gewinn von Bronze aus, um sowohl Herzen als auch Körper zu erwärmen.

 

Horngacher ist durch, Eisenbichler ist erleichtert

Einem schien die Kälte überhaupt nichts auszumachen: Markus Eisenbichler, an diesem Abend der Überflieger im deutschen Team, zehrte von seinen Emotionen, auch noch lange nach seinem superstarken zweiten Sprung auf 139,5 Meter – weiter kam keiner im Feld. „Das war eine echte Rakete“, meinte Bundestrainer Stefan Horngacher. Und Eisenbichler sagte in der ihm typischen Art: „Ich kann nicht mehr, ich bin durch. Ich wollte unbedingt diese, sorry, Scheißmedaille haben.“ Es war der erste olympische Podestplatz für ihn. 2018, als der deutsche Vierer in Pyeongchang Silber holte, hatte er als fünfter Mann den Sprung ins Team verpasst, musste frustriert zuschauen. „Die Situation vor vier Jahren hat sehr an mir genagt“, sagte Eisenbichler voller Erleichterung, „es war ein brutal enger Wettkampf. Ich weiß nicht, wohin mit meinen Gefühlen.“

Erst abgeschlagen, dann aufgeholt – und doch braucht es ein Wunder

Eng war es, das stimmt. Allerdings nur im Duell um Bronze. Olympiasieger Österreich und die zweitplatzierten Slowenen lagen deutlich vorne. Vor allem, weil Constantin Schmid nicht seinen besten Tag erwischte hatte, sah es zwischenzeitlich gar so aus, als wäre nicht mal mehr Rang drei möglich – nach fünf von acht Durchgängen lagen die Deutschen hinter Norwegen, Japan und Polen auf Rang sechs. Dann aber brachten Stephan Leyhe, der weit besser sprang als erwartet, und Eisenbichler ihr Team zurück ins Rennen. Im letzten Durchgang musste Karl Geiger gegen den Norweger Marius Lindvik 2,6 Punkte aufholen. Der Oberstdorfer kam auf 128,0 Meter – und dann verteilte der Olympiasieger ein Geschenk.

Lindvik, der am Samstag Gold auf der Großschanze geholt hatte, war der mit Abstand schwächste Norweger, landete schon nach 126,5 Metern. Am Ende hatten die Deutschen nach acht Sprüngen 0,8 Punkte Vorsprung – fast nichts. „Das war sehr knapp, eine Medaille auf der letzten Rille. Zwischendurch dachte ich, boah, jetzt brauchen wir ein Wunder“, meinte Stefan Horngacher. Und bedankte sich beim Olympiasieger: „Marius Lindvik hat uns heute geholfen.“ Zu einem versöhnlichen Abschluss.

Holperigen Winterspielen folgt die große Freude

Es waren aus Sicht der deutschen Skispringer durchaus holprige Winterspiele. Auf der kleinen Schanze passte zunächst wenig zusammen, dann folgte der verkorkste Mixed-Wettbewerb, in dem Katharina Althaus wegen eines nicht regelkonformen Anzugs disqualifiziert wurde – nicht nur nach Meinung von Geiger die „reine Willkür“. Auch auf der Großschanze ging es schwach los, dann aber sprang der Weltcup-Führende von Rang sechs noch aufs Podest. Und nun folgte die zweite Bronzemedaille, wieder hätte es anders ausgehen können. „Ich wusste nicht, was mein letzter Sprung wert ist“, sagte Geiger, „ich dachte, es reicht nicht.“ Umso größer war die Freude.

Prompt wurde der Bundestrainer gefragt, ob er im Weltcup gerne mal wieder auf die Schanze in Zhangjiakou zurückkehren würde. „Gerne nicht“, antwortete Horngacher, „es ist zu weit weg – und eindeutig zu kalt.“ Selbst wenn man etwas zu feiern hat.