Der Schlossplatz bietet an Silvester ein buntes Bild – und oft genug Negativschlagzeilen. Die Stadt will die Situation jetzt von Grund auf ändern. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Der Schlossplatz als Brennpunkt in der Silvesternacht – so hat sich Stuttgarts gute Stube in den vergangenen Jahren präsentiert. Damit soll Schluss sein. Die Stadt plant, privates Feuerwerk dort zu verbieten. Auch ein offizielles soll es nicht geben – dafür aber etwas anderes.

Stuttgart - Jugendgruppen, die sich und Außenstehende mit Raketen beschießen. Junge Männer, die Frauen belästigen. Und viel Polizei, die mit Flutlichtmasten die dunklen Ecken ausleuchtet. Das ist das Bild, das der Stuttgarter Schlossplatz in den vergangenen Jahren an Silvester abgegeben hat. Schön war das nicht, und viele Bewohner der Landeshauptstadt machen schon lange einen Bogen um das Stadtzentrum, wenn sie das neue Jahr begrüßen. Das soll sich jetzt ändern.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die City-Initiative die Idee ins Spiel gebracht, den Platz abzusperren und dort für Besucher ein offizielles Großfeuerwerk zu veranstalten. Dieses zentrale Fest für geschätzt 20 000 Menschen fiel letztendlich der komplizierten Organisation zum Opfer. Für die Veranstaltung hätte die halbe Innenstadt abgesperrt werden müssen. Doch jetzt gibt es einen neuen Anlauf unter Federführung der Stadtverwaltung – und zwar eine ordentliche Nummer kleiner.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn ist an verschiedene Beteiligte herangetreten, darunter die städtische Veranstaltungsgesellschaft in.stuttgart und Stuttgart Marketing. „Er hat uns gebeten, etwas Neues, Maßvolles zu machen. Damit wollen wir auch ein Signal setzen, dass der Platz den Bürgern zurückgegeben wird, die den Jahreswechsel im Herzen der Stadt verbringen wollen“, sagt Touristikchef Armin Dellnitz. Gedacht sei an kein großes prunkvolles Fest mit allen Nebenwirkungen, sondern an ein „niederschwelliges Angebot ohne Eintrittsgeld, wo die Leute einfach hinkommen können, wenn sie Lust haben“.

Beleuchtung und Musik

Die Federführung liegt bei der in.stuttgart. Zu hören ist, dass man an ein Kulturprogramm rund um Mitternacht denkt, das möglicherweise eine oder zwei Stunden dauert. Dazu könnten Lichtinstallationen am Neuen Schloss gehören und musikalische Auftritte. Gespräche dazu laufen bereits seit einiger Zeit.

Voraussetzung ist aber, dass das Raketenabfeuern aufhört. „Wir wollen privates Feuerwerk auf dem Schlossplatz verbieten“, sagt Ordnungsbürgermeister Martin Schairer deshalb. Bisher kannte man solche Verbote vorwiegend aus historischen Altstädten, die sich dabei auf die Brandgefahr berufen können. In Stuttgart will man einen Kniff anwenden. Die Stadt will eine Allgemeinverfügung für den Schlossplatz aufgrund eines polizeilichen Lagebildes erlassen. Das heißt nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre: Gefahr für Leib und Leben. „Es ist eine Situation entstanden, die die öffentliche Sicherheit beeinträchtigt“, sagt Schairer. Das Problem daran: In irgendeiner Form wird die Polizei kontrollieren müssen. Denn es soll nicht nur ein Abschussverbot von Feuerwerkskörpern gelten, sondern auch ein Mitbringverbot.

Schairer hält es für wichtig, dass es parallel eine Veranstaltung auf dem Schlossplatz gibt: „Wir wollen nicht nur Feuerwerk verbieten, sondern den Leuten sagen, dass sie etwas anderes dafür bekommen.“ Er hofft, dass sich die ganz normalen Bürger so an Silvester das Herz der Stadt zurückerobern. Ein eigenes offizielles Großfeuerwerk, wie es im vergangenen Jahr angedacht war, wird die Stadt nicht organisieren. „Das passt nicht zum intensiven Kampf gegen den Feinstaub“, so der Ordnungsbürgermeister.

Glanzlichter werden ausgebaut

Auch wenn man sich ein anderes Silvesterpublikum auf dem Schlossplatz erhofft: Die Glanzlichter genannten Lichtskulpturen von Stuttgart Marketing werden wie im vergangenen Jahr einige Tage vor Silvester abgebaut. „Das hat einfach Sicherheitsgründe“, sagt Dellnitz. Die Aktion soll dafür bei ihrer zweiten Auflage verbessert werden. Einige der Skulpturen werden ausgetauscht. Derzeit sind zwei neue geplant, die zur Weihnachtsmarkteröffnung Ende November ihre Premiere feiern sollen. „Wir werden außerdem die Jubiläumssäule mehr ins Rampenlicht rücken“, so Dellnitz. Sie soll komplett beleuchtet werden. Die Brunnen werden in Szene gesetzt, außerdem große Bodenflächen. „Wir wollen den Platz in seiner Wirkung betonen und noch mehr Wohlfühlatmosphäre schaffen“, kündigt Dellnitz an.

Für die Glanzlichter sowie die Illumination von Schlossplatz und Königstraße hat der Gemeinderat 1,37 Millionen Euro für drei Jahre bereit gestellt. Dellnitz hat weitere Mittel über Sponsoren eingetrieben. Das Projekt läuft vorerst noch bis einschließliches nächstes Jahr. „Wir müssen jetzt schon an die Zeit danach denken“, sagt der Touristikchef. Deshalb arbeite man bereits an einem längerfristigen Konzept.

Etablieren soll sich auch die neue Form der Silvesterfeier auf dem Schlossplatz. Was genau kommt, „ist noch nicht entschieden“, sagt Jörg Klopfer von der in.stuttgart. Klar ist aber, dass man vorsichtig starten wird, auch weil die Zeit drängt – und im Erfolgsfall das Modell weiter ausbauen möchte. Damit unschöne Bilder Vergangenheit sind.

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