Blaupause für Neckartenzlingen: die „Lustnauer Ohren“ an der B 27. Foto: Stadtwerke Tübingen

In den „Ohren“ der Bundesstraße im Kreis Esslingen wollen die Stadtwerke Tübingen im Jahr 2025 eine Freiflächen-Photovoltaik-Anlage errichten. Das ist geplant.

An der Bundesstraße B 312 zwischen Neckartenzlingen und Bempflingen sollen künftig Sonnenstrahlen eingefangen werden: Die Stadtwerke Tübingen planen in den kreisförmigen Zu- und Abfahrten – der Fachmann spricht von „Ohren“ – den Bau einer Freiflächen-Photovoltaikanlage, die den Jahresstrombedarf von gut 250 Vier-Personen-Haushalten decken könnte. Das Vorhaben wurde jüngst im Neckartenzlinger Gemeinderat vorgestellt. Das Gremium beschloss die Aufstellung eines so genannten vorhabenbezogenen Bebauungsplans einstimmig.

 

Zuerst braucht es Gutachten

So schnell aber wird nichts vom Solarpark zu sehen sein. „Sofern keine Besonderheiten oder Hürden im Genehmigungsverfahren auftreten, könnte der Bau etwa in der zweiten Hälfe des Jahres 2025 beginnen“, teilt Ulrich Schermaul, der Sprecher der Stadtwerke Tübingen, mit. Im Vorfeld gibt es auch für das Unternehmen noch viel zu tun. So müssten Gutachten, beispielsweise für den Natur- und Artenschutz, beauftragt und erstellt werden. „Zudem müssen am geplanten Standort mögliche Blendgefahren geprüft werden“, so Schermaul.

Geplant ist an der B 312 eine Anlage, die jener in den „Lustnauer Ohren“ an der B 27 in Tübingen ähnelt. Dort bauten die örtlichen Stadtwerke im Frühjahr 2022 einen Solarpark, der mehr als eine Million Kilowattstunden Ökostrom pro Jahr liefert. Nach aktuellem Stand sollen nach Angaben von Ulrich Schermaul in den beiden Neckartenzlinger Ohren auf zusammengenommen etwa einem Hektar Fläche rund 1800 Solarmodule errichtet werden – und zwar so, dass darunter Schafe weiden können. Der Aufbau ginge schnell über die Bühne: „Die Inbetriebnahme kann normalerweise acht bis zwölf Wochen nach Baubeginn erfolgen“, erläutert der Sprecher der Stadtwerke Tübingen. Man gehe daher von einem Zeitpunkt „in der zweiten Jahreshälfte 2025“ aus.

Projekt aus dem Verfahren des Landes

Die Investitionskosten könne man derzeit noch nicht beziffern. Sie seien abhängig von verschiedenen Faktoren: „Je nachdem, welche Art und Anzahl an Untersuchungen gefordert werden und wie deren Ergebnisse ausfallen, können die Kosten nochmals variieren“, räumt Schermaul ein. Zum Vergleich: Der Solarpark „Lustnauer Ohren“ hat rund 800 000 Euro gekostet.

Die Stadtwerke Tübingen haben im Rahmen des vom Land initiierten Verfahrens, bei dem Unternehmen Interesse an bislang ungenutzten Flächen entlang zentraler Verkehrsachsen für den Ausbau klimafreundlicher Energiequellen bekunden konnten, den Zuschlag für die beiden Verkehrsinseln an der B-312-Ausfahrt Weidach erhalten. Im Landkreis Esslingen hatte das Land 15 mögliche Standorte für Solarparks ausfindig gemacht. Diese liegen hauptsächlich an den zwei Bundesstraßen 312 und 313 sowie an drei Landesstraßen und betreffen die Gemeinden Ostfildern, Denkendorf, Wernau, Wendlingen, Köngen, Neckartenzlingen, Neckartailfingen und Aichtal.

Fünf potenzielle Betreiber

Nach Angaben des Verkehrsministeriums hatten sich fünf potenzielle Solarpark-Betreiber gemeldet. Theoretisch könnten die von ihnen skizzierten Photovoltaikanlagen auf diesen 15 Flächen rund 6,5 Gigawattstunden Ökostrom pro Jahr liefern. Doch ob die Freiflächenanlagen tatsächlich alle errichtet werden, ist unklar. Den Betreibern steht es laut Verkehrsministerium frei, ob sie ihre Projekte tatsächlich umsetzen wollen.

Die Stadtwerke Tübingen seien ständig auf der Suche nach geeigneten Flächen und Partnern in der Region, betont Schermaul. Gemeinden und Grundstückseigentümer dürften sich jederzeit gern melden. „Dann könnte es bei passenden Rahmenbedingungen auch weitere Projekte im im Landkreis Esslingen geben.“