Bio liegt voll im Trend. Der Verkauf von Biolebensmitteln geht daher weniger stark zurück als bei konventionell produzierten Waren. Wegen der steigenden Kosten für Dünger könnte der Preisunterschied zu allen Lebensmitteln zudem geringer werden.
Die neue Sparsamkeit der Verbraucher bekommen auch die Anbieter von Biolebensmitteln spüren. „Generell sind die Umsätze im Lebensmitteleinzelhandel rückläufig“, sagt eine Sprecherin des Bundesverbands ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) in Berlin. „Aber bei Bioangeboten war der Umsatzrückgang geringer als im Lebensmittelhandel allgemein.“
Diesen Trend bestätigen auch die jüngsten Zahlen des Nürnberger Marktforschungsunternehmens GfK. Danach sind die Umsätze der Händler mit Nahrungsmitteln und Getränken von Januar bis März um 6,6 Prozent gesunken. Bei Biowaren lag der Rückgang danach allerdings nur bei 4,5 Prozent. Dabei gibt es aber erhebliche Unterschiede: Einem Rückgang bei den Angeboten der Markenartikelhersteller um etwas mehr als 14 Prozent stand ein Zuwachs bei den Bioeigenmarken von Discountern und Supermärkten um fast 15 Prozent gegenüber – weil diese meist preiswerter sind.
Naturkostumsatz lässt nach
Besonders starke Rückgänge musste von Januar bis März dieses Jahres der Naturkostfachhandel, also kleinere Läden mit im Schnitt 15 Beschäftigten, hinnehmen. Bei diesen sank der Umsatz um 13,4 Prozent. Vor allem im März war der Rückgang deutlich zu spüren – da lag das Minus mit mehr als 18 Prozent noch einmal spürbar höher als in den beiden Monaten zuvor. „Die Verbraucher achten verstärkt auf den Preis“, berichtet Kathrin Jäckel, die Geschäftsführerin des Bundesverbands Naturkost Naturwaren, „dabei haben es Markenprodukte im gesamten Lebensmittelsegment schwerer.“ Die Kunden, so sagt sie, „kaufen weiterhin Bio, greifen aber verstärkt zu den günstigeren Eigenmarken der Händler“.
Demeter erwartet Besserung
Auch beim Anbauverband Demeter ist zu hören, dass die Umsätze gesunken seien, nachdem in den vergangenen Jahren die Coronapandemie einen Aufschwung bewirkt hatte. „Das pendelt sich jetzt wieder ein“, heißt es bei Demeter. „Spätestens im nächsten Jahr werden wir wieder an die Erfolge aus 2021 anknüpfen können“, meint eine Sprecherin. Besonders starke Preissteigerungen jedenfalls habe es nicht gegeben.
Bioland, der größte Anbauverband in Deutschland, spricht ebenfalls von einem Rückgang. Der Biomarkt habe sich „im Vergleich zum gesamten Markt allerdings als robuster gezeigt“. Johannes Mühling, Manager bei Alnatura sagt: „Wir werden dieses Jahr sicher keine zweistelligen Wachstumsraten erreichen. Bei Alnatura steigt der Umsatz aber stärker als bei Biolebensmitteln insgesamt.“ Der Biomarktverbund, zu dem als größter einzelner Anbieter die Dennree-Gruppe aus dem oberfränkischen Töpen gehört, spürt „aktuell eine steigende Nachfrage nach Aktions- und Preiseinstiegsprodukten, aber keinen bewussten Verzicht“. Ähnlich ist auch die Auskunft von Edeka Südwest. „Wir nehmen teilweise wahr, dass die Kundinnen und Kunden aktuell stärker zu Eigenmarken greifen, auch bei Erzeugnissen in Bioqualität“, erklärt ein Edeka-Sprecher.
Billiges Obst aus dem Ausland
Diese Produkte, etwa die Eigenmarken der Discounter, müssen aber nicht unbedingt schlechter sein und auch nicht aus dem Ausland kommen. „Auch Eigenmarken von Handelshäusern werden von inländischen Biobäuerinnen und Biolebensmittelherstellern produziert“, sagt der Sprecher von Bioland, einem Unternehmen, das auch an Lidl liefert. Doch natürlich nicht komplett: „Billiges Obst und Gemüse kommt aus dem Ausland“, erklärt eine Sprecherin des Landesbauernverbands, „bei uns bleiben Spargel und Erdbeeren liegen.“
Über eine etwa gleichbleibende Nachfrage nach Bioprodukten berichtet Aldi Süd, nach eigenen Angaben derzeit größter Biohändler in Deutschland. Lidl und Kaufland geben an, ihr Biosortiment ständig auszuweiten und etwa 250 Demeter-Produkte im Angebot zu haben. Bei Eigenmarken würden Produkte aus Deutschland „bevorzugt“. Bei zu geringem Angebot im Inland werde allerdings auch im Ausland gekauft.
Preise könnten sich annähern
Der höhere Preis, der bisher manchen vom Biokauf abhielt, könnte in Zukunft eine geringere Rolle spielen – auch weil konventionelle Bauern etwa sehr teuer gewordene Düngemittel einkaufen müssen: „Die aktuelle Situation könnte dazu führen, dass sich der Preisabstand zwischen konventionellen Lebensmitteln und Biolebensmitteln verkleinert“, heißt es etwa bei Bioland. Das könne sich positiv auf den Bioabsatz auswirken, heißt es bei Bioland. Auch Alnatura meint, „die Preise könnten sich annähern“.
Bioausbau nicht in Gefahr
Bioland und auch der Bundesverband ökologische Lebensmittelwirtschaft sehen das Ziel, bis 2030 einen Anteil von 30 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen biologisch zu bewirtschaften, keineswegs in Gefahr. „Wenn es mal eine Delle gibt, schreckt uns das nicht“, sagt die Sprecherin des Bundesverbands ökologische Lebensmittelwirtschaft. Viele Bauern, so heißt es auch bei Bioland, wollten weiter auf Bio umstellen.
Bauernverband fürchtet um Düngerversorgung
Ein steigender Bioanbau könne auch zu einer größeren Unabhängigkeit von mineralischem Stickstoffdünger führen, „der noch dazu häufig aus Russland importiert wurde“, heißt es beim Bundesverband ökologische Lebensmittelwirtschaft. Auch beim Landesbauernverband räumt man ein, mit Stickstoffdünger könne es ein Problem geben – wegen der massiv gestiegenen Preise, aber auch, weil man nicht wisse, „wie man im Anbaujahr 2022/23 an den Dünger rankommt“, so eine Verbands-Sprecherin.
Der Biomarkt
Umsatz
Die Verbraucher in Deutschland haben 2021 knapp 15,9 Milliarden für Bio-Lebensmittel und Bio-Getränke ausgegeben. Dies waren sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor, weil Corona einen Schub brachte.
Diesel
Biobauern sparen Dünger, brauchen aber möglicherweise mehr Diesel: „Wenn auf Pflanzenschutzmittel verzichtet wird, muss man öfter mit dem Traktor und der Hacke auf den Acker fahren“, so der Bauernverband in Baden-Württemberg.