Die neue Messe Obscene will für jede Veranlagung eine „bunte, offene und tolerante Atmosphäre“ schaffen. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg

Die Erotik-Messe Obscence in Sindelfingen scheint in Zeiten von Corona ein angstfreies Paradies zu sein. Alle müssen aber am Eingang ihren Namen angeben. „Die Stimmung ist gut“, freut sich Ausstellerin Mascha Hülsewig.

Stuttgart/Sindelfingen - Erotik ist ihr Geschäft. Von herkömmlichen Porno-Messen hält sich Mascha Hülsewig von der Stuttgarter Boutique Frau Blum grundsätzlich fern. „Dort ist mir zu viel Frauenfeindlichkeit“, sagt sie. Wohltuend hebe sich die Obscene, die noch bis Sonntag zum ersten Mal in der Messe Sindelfingen stattfindet, davon ab. Dort verkauft die frühere Pressesprecherin des Friedrichsbau Varietés seit Freitag Toys und kleine schöne Dinge, die das Leben lustvoller machen.

„Die Stimmung unter den Ausstellern ist sehr gut“, freut sich Mascha Hülsewig. Während in Stuttgart eine Messe nach der anderen wegen Corona-Gefahren abgesagt wird, scheint die Sindelfinger Messe noch ein angstfreies Paradies zu sein. Jeder Besucher oder jede Besucherin muss sich allerdings namentlich und mit Telefonnummer am Eingang registrieren lassen – für den Fall der Fälle, dass es zu Ansteckungen kommt.

„Bunte und tolerante Atmosphäre für jede Veranlagung“

„Bei unserer Szenemesse mit Anspruch werden Offenheit, Toleranz und Respekt großgeschrieben“, sagt Veranstalter Michael von Enzberg, der im Schwarzwald lebt und mit seiner Partnerin nach Hamburg nun auch Fetischfreunde, Burlesquefans, BDSM-Liebhaber, Dildo-Nutzer und Korsett-Trägerinnen aus dem Großraum Stuttgart „abseits vom Mainstream“ erfreuen will. Mascha Hülsewig stellt dort am „Marktplatz Stuttgart“ mit weiteren Kollegen aus dem Kessel aus.

Ob hetero, lesbisch, schwul, bisexuell oder transsexuell, ob transgender oder queer – die neue Messe Obscene will für jede Veranlagung eine „bunte, offene und tolerante Atmosphäre“ schaffen. Handgefertigte und maßgeschneiderte Korsetts werden etwa gezeigt, viel Lack und Leder. Vor allem bei Latex, sagt der Veranstalter, sei die Nachfrage groß. Zu den Ausstellern zählen unter anderem die Organisatoren des Stuttgarter CSD und des Erotik-Slams, das Friedrichsbau Varieté, die Designer von Dark Fashion – eben viele Menschen, die sich mehr Erotik im Leben wünschen.

Stadt Sindelfingen sagt eigene Veranstaltungen ab

Während die Stadt Sindelfingen zum Schutz vor Infektionen alle eigenen Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen abgesagt hat, gilt diese Vorsichtsmaßnahme nicht für die Obscene. „Diese Erotik-Veranstaltung findet in der privaten Messe statt“, erklärt Nadine Izquierdo, die Pressesprecherin der Stadt Sindelfingen, unserer Zeitung, „darauf haben wir keinen Einfluss.“

Die in sozialen Medien geäußerte Kritik, man könne unter falschem Namen auf die Messe gelangen, weil Anonymität in dieser Szene wichtig sei und deshalb getrickst werde, weisen die Veranstalter der ausverkauften Obscene-Party zurück, bei der am Samstagabend 750 Gäste erwartet werden. „Jeder hat im Netz Karten mit seinem Namen bestellt“, sagt der Organisator. Nur wenige wollten aus Angst vor Ansteckung doch nicht kommen, fährt er fort: „Für jede Karte, die frei wird, haben wir fünf neue Interessenten.“

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