Mit einem knappen Prozent Vorsprung wird Bernd Hornikel zum neuen Stadtoberhaupt von Schorndorf gewählt. Bis zum Schluss liegt Markus Reiners fast gleichauf.
Schorndorf - Den Wahlsonntag hat Bernd Hornikel damit verbracht, Kisten zu packen und Möbel auseinanderzuschrauben. An diesem Montag will der 52-Jährige von Schönaich nach Schorndorf umziehen. Und seit Sonntagabend gibt es noch einen weiteren guten Grund dafür. Um 19.15 Uhr verkündet der Erste Bürgermeister Thorsten Englert in der Aula des Burggymnasiums: Bernd Hornikel wird als neuer Oberbürgermeister der Daimlerstadt im Umzugswagen sitzen. Mit 35,98 Prozent der Stimmen ist der parteilose Kandidat der gewählte Nachfolger von Matthias Klopfer (SPD), der mittlerweile sein Amt als OB in Esslingen angetreten hat.
Hornikel und Reiners liegen fast gleichauf
„Ich kann es immer noch nicht ganz fassen und bin total überwältigt“, sagt Bernd Hornikel, der bisher als stellvertretender Amtsleiter beim Landesbetrieb Vermögen und Bau in Ludwigsburg tätig war. Vom ersten Zwischenergebnis an war der Jurist leicht vorne gelegen. Aber auch, nachdem 22 von 37 Wahlbezirke ausgezählt waren, wollte sich Hornikel noch nicht so recht freuen: „Beim ersten Wahlgang bin ich ganz am Schluss noch überholt worden.“ Tatsächlich ist es auch beim zweiten entscheidenden Wahlgang ein Wimpernschlagfinale: Letztendlich hat Bernd Hornikel gerade einmal 98 Stimmen Vorsprung vor Markus Reiners, auf den 35,22 Prozent der Stimmen entfallen. Deutlicher aber als im Vorfeld vermutet ist der Abstand zu Andreas Schneider, der mit 24,44 Prozent den dritten Platz einnimmt. Horst Zwipp erhält 2,77 Prozent, Brigitte Aldinger liegt bei 1,52 Prozent.
Große Enttäuschung bei Markus Reiners
So groß die Freude bei Bernd Hornikel ist, so groß ist die Enttäuschung bei Markus Reiners. „Das ist heftig. Ich bin leer“, sagt der 57-Jährige. Der geringe Abstand bringe einen ins Grübeln, ob man nicht doch hätte mehr tun können. „Aber ich habe alles gegeben. Ich bin in den vergangenen zehn Tagen 200 Kilometer gelaufen, ich habe 20 Stunden am Tag für den Wahlkampf gearbeitet“, sagt Reiners, der für die CDU im Stuttgarter Gemeinderat sitzt und auch als Kandidat der CDU, der FDP und mehrheitlich der Freien Wähler angetreten war.
Andreas Schneider blickt zufrieden auf den Wahlkampf
Durchaus zufrieden ist dagegen der Drittplatzierte Andreas Schneider. „Das ist ein sehr gutes Ergebnis“, sagt der Schorndorfer Stadtrat. Woran es gelegen hat, dass der Abstand zu den ersten beiden Kandidaten nun doch einiges größer war als im ersten Wahlgang, bei dem alle drei fast gleichauf lagen? „Ich habe keine Partei im Rücken. Und ich habe keinen Urlaub gemacht, konnte nicht überall hingehen“, sagt der 46-Jährige, der in der Kinder- und Jugendhilfe tätig ist. Trotzdem schaut er auf den Wahlkampf dankbar zurück: „Ich habe ein tolles Team, habe wunderbare Menschen kennengelernt. Das hat mein Leben reich gemacht“, sagt Andreas Schneider, der nun seinem Mitbewerber Bernd Hornikel als Gemeinderat wiederbegegnen wird.
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Wann Hornikel sein Amt antreten wird, das ist noch nicht klar: „Wir werden jetzt besprechen, wann er zur Verfügung steht und dann mit dem Gemeinderat beraten“, sagt Thorsten Englert. Vermutlich werde der neue Rathauschef Anfang kommenden Jahres starten. Bernd Hornikel wird nun zuerst einmal das Einwohnermeldeamt aufsuchen müssen, um sich als Neubürger von Schorndorf anzumelden. „Und dann will ich die Verwaltung, den Gemeinderat näher kennenlernen.“ Und er wolle mit den Menschen ins Gespräch kommen, die ihn nicht gewählt haben, die er noch nicht von sich habe überzeugen können. Optimistisch sei er, dass ihm dies noch gelinge. Nachdenklich macht ihn und den Ersten Bürgermeister Thorsten Englert die Wahlbeteiligung: sie lag bei 41,4 Prozent der Stimmberechtigten und war damit noch niedriger als im ersten Wahlgang, bei dem sich noch 43,58 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt hatten.