Hühnerställe sind Tierquälerei, sagen Peta-Aktivisten bei der Demo gegen die geplante Bio-Haltung des Landwirts Föll auf dem Lichtenberg in Oberstenfeld (Kreis Ludwigsburg).
Eier gehören den Hühnern, nicht den Menschen, findet die Tierschutzorganisation Peta und setzt sich für eine Welt ohne Massentierhaltung ein. Die Verbraucher müssten vegan leben. Frühstückseier und Kuchen aus Eiern gäbe es nicht mehr. Eine Handvoll Aktivisten ist dafür am Donnerstag im 8000-Einwohner-Ort Oberstenfeld auf die Straße gegangen. Das sorgte für Verwunderung und Nachfragen.
Der Hühnerhof auf dem Lichtenberg ist umstritten
Anlass für die Demo ist der Plan des Großbottwarer Landwirtes Martin Föll, auf dem Lichtenberg eine Hühnerhaltung mit 12 000 Tieren zu errichten. Er braucht dazu eine Genehmigung des Landratsamtes Ludwigsburg, da das Areal in einem Landschaftsschutzgebiet liegt. Föll muss noch Nachweise über den Umweltausgleich vorlegen. Das Landratsamt wartet derzeit auf diese Unterlagen. Das Bauprojekt ist auch wegen der Nähe zur denkmalgeschützten Burg Lichtenberg umstritten.
Die Peta-Aktivisten treten in weißen Schutzanzügen und Hühnermasken auf. Drei von ihnen stehen vor dem Rathaus in Oberstenfeld auf einer Fläche, die laut Peta-Koordinator Steffen Lenhardt so groß ist „wie der gesetzliche Mindeststandard für Hühner in der Biohaltung: ein halber Quadratmeter“. Lenhardt bezeichnet die beiden geplanten Ställe von Föll als „Hühnerfabriken“, die für die Tierindustrie typische Großgebäude seien. Die 12 000 Tiere würden auf engstem Raum zusammengepfercht. Das Landratsamt solle dem Vorhaben einen Riegel vorschieben.
Die Peta sieht in den Ställen eine industrielle Tierhaltung
Die Kritik von Peta zielt aufs Grundsätzliche – das wird in den Gesprächen auf der Straße deutlich. Ein älterer Geschäftsmann, der aus Hannover stammt und in Oberstenfeld Verwandte besucht, erfährt vom jüngeren Lenhardt, dass die Hühner rund 300 Eier im Jahr legen müssen. Dabei verlören sie ihre Mineralstoffe. Nach etwa eineinhalb Jahren seien sie ausgemergelt. Laut Peta würden sie meist schon nach kurzer Zeit krank: Entzündete Eileiter und Kloaken, Knochenbrüche sowie Kalziummangel seien häufige Folgen der Nutztierhaltung.
Glückliche Hühner lebten viel länger als ihre Artgenossen in der Produktion
Eine Welt ohne Eier im Verkauf käme den Tieren zugute, findet Lenhardt: „Das Ur-Huhn legt nur 20 bis 30 Eier im Jahr.“ Es gebrauche sie, um sie selbst zu picken. So könne es den eigenen Mineralhaushalt aufbauen. Die Tiere in Lebenshöfen, die aus Gigaställen gerettet worden seien, lebten glücklicher und etwa zehn Jahre lang. Aber Lenhardt kann seinen Zuhörer nicht überzeugen: „Vielleicht macht es dem Huhn ja Spaß, Eier zu legen“, sagt er und gibt kund, nicht auf sein Frühstücksei verzichten zu wollen. Wie Kuchen ohne Eier gehen?, will die Frau des Mannes wissen. Lenhardt erklärt, er benutze zum Backen Kichererbsenpulver.
Martin Föll hatte immer wieder betont, dass er die Tiere biologisch tagsüber freilaufend halte und sie nur phasenweise und über Nacht in den Ställen seien. „Wir haben den gesetzlich festgesetzten höchsten Standard in der Bio-Tierhaltung“, sagt er und bezweifelt, ob man als Landwirt überhaupt mit Peta konstruktiv über Nutztierhaltung reden könne. Zu seinen Ställen nennt Martin Föll konkrete Zahlen und verweist auf gesetzlich festgelegte Richtwerte. „Eine industrielle Tierhaltung liegt erst bei 2,5 Großtier-Einheiten pro Hektar vor, darunter ist es eine landwirtschaftliche.“ Er erreiche mit seinen 12 000 Hühnern bei 45 Großtier-Einheiten auf 100 Hektar umgerechnet nur 0,4 pro Hektar – was deutlich unter dem Wert von 2,5 sei. Die Tiere würden in 3000er-Gruppen gehalten mit einem Hahn auf 500 Hennen. „Wir sind ein Familienbetrieb und keine Massentierhaltung.“
Peta hat eine andere Vorstellung von Tierhaltung
Tatsächlich gebe es deutlich größere Tierhaltungen, etwa mit 30 000 Hühnern, räumt Peta-Koordinator Steffen Lenhardt ein. „Das ist schon eine andere Dimension.“ Aber in allen Tierhaltungen wiesen rund 97 Prozent der Hühner nach etwa einem Jahr schwere Knochenbrüche auf. Die gesetzlichen Vorgaben reichten nicht aus.
Ein Leben voller Leid auch in der Bio-Produktion?
Die Tierschützer haben andere Vorstellungen: Hühner lebten am liebsten in kleinen Gruppen, kümmerten sich um ihren Nachwuchs und pickten nach Nahrung, teilt die Organisation mit. Dazwischen nähmen sie zur Gefiederpflege gerne ein Sandbad in der Sonne oder ruhten im Geäst von Bäumen. „In der Eierindustrie sind die sensiblen Tiere zu einem Leben voller Leid gezwungen – auch in der Biohaltung.“
Als weitere Argumente gegen eine Nutztierhaltung nennt Peta: „Küken schlüpfen nicht in der Nähe ihrer Mütter, sondern werden in Plastikkisten künstlich ausgebrütet.“ Die männlichen Küken würden seit Verbot des Kükentötens teils auf lange Transporte verfrachtet und wochenlang in kargen Hallen gemästet, bis sie im Schlachthaus getötet würden. Rund 40 Millionen sogenannte Legehennen seien aufgrund der Qualzucht gezwungen, rund 300 Eier im Jahr zu legen.
Welche Ziele verfolgt die Peta?
Motivation
Peta steht für „People for the Ethical Treatment of Animals“ („Menschen für die ethische Behandlung von Tieren“). Peta lehnt es ab, Tiere als Eigentum zu betrachten und wendet sich unter anderem gegen Tierversuche, Fleischverzehr, Massentierhaltung und Jagd. Die Organisation bekämpft den Einsatz von Tieren in der Unterhaltungsbranche. Ihre Produkte sollen nicht als Kleidung, Möbel oder Schmuck dienen.
Ermittlungen
In den Blick nimmt Peta unter anderem Zustände in Tierversuchsanlagen, Zirkussen und auf Bauernhöfen mit Intensivtierhaltungen. Peta wurde 1980 von Ingrid Newkirk gegründet und hat seinen Sitz in Norfolk im US-Staat Virginia.