Foto: Pascal Thiel

Ein neues psychosoziales Netzwerk bietet Hilfe für traumatisierte Flüchtlinge.

Nürtingen - Viele Menschen, die in Deutschland Asyl suchen, haben auf ihrer Flucht Gewalt erfahren. Damit körperliche und seelische Verletzungen überwunden werden, haben die Stuttgarter Organisation Refugio und der Trägerverein Freies Kinderhaus in Nürtingen jetzt ein psychosoziales Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge (pntf) gegründet. Das Hilfsangebot soll dazu beitragen, „dass Menschen ihr Leben wieder in ihre eigenen Hände nehmen und Langzeitfolgen von traumatischen Erlebnissen minimiert werden“, sagte der erste Vorsitzende von Refugio, Helmut Scherbaum, beim Gründungsabend.

Refugio, bereits Träger des Psychosozialen Zentrums zur Beratung und Behandlung von traumatisierten Flüchtlingen und Folteropfern in Stuttgart und Tübingen, wird mit einem mobilen Team in Nürtingen vertreten sein. Die ehrenamtliche Gruppe Karibuni stellt für die gemeinsame Aufgabe ebenfalls Personal ab, und Dolmetscher sorgen bei Bedarf dafür, dass Sprachbarrieren überwunden werden.

Am Anfang steht ein klärendes Erstgespräch

Die Hilfe beginnt mit einem Erstgespräch, um die psychosoziale Situation und die Dringlichkeit der medizinischen und therapeutischen Versorgung zu klären. Es schließen sich stabilisierende Gespräche oder Therapien an, unter Umständen werden Patienten auch an Kooperationspartner innerhalb des Netzwerks weitervermittelt. Genutzt werden unter anderem auch die Möglichkeiten der Kunsttherapie. An dem Netzwerk beteiligt ist auch Nina Raber-Urgessa. Die Kunsttherapeutin bietet seit rund zwei Jahren an der Mörikeschule mit Erfolg ein Programm für traumatisierte Flüchtlingskinder an.

Der Bedarf an psychosozialer Hilfe für Flüchtlinge ist hoch, weiß Ulrike Schneck von Refugio. „Die psychosozialen Zentren in Deutschland sind komplett überlastet“, berichtet sie. Weltweit befinden sich nach Angaben der Vereinten Nationen 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Traumatisiert durch Verfolgung, Folter, Terror, Krieg und Vergewaltigung sind viele dringend auf rasche soziale, medizinische und psychotherapeutische Hilfe angewiesen.

Die Finanzierung des Hilfsangebots steht

Ohne Unterstützung von außen haben Betroffene große Schwierigkeiten, wieder Fuß zu fassen. „Die physische und psychische Gesundheit ist eine Grundvoraussetzung für Integration“, sagte Basri Askin vom Paritätischen Verband jetzt in Nürtingen. Über den Verband wird mit Geldern des Bundesfamilienministeriums das Hilfsangebot in Nürtingen bezahlt, zur Finanzierung trägt außerdem auch der Caritasverband bei. Unterstützung für das Netzwerk signalisiert auch die Stadt Nürtingen. Das Rathaus werde „nach Kräften“ mithelfen, damit das Angebot erfolgreich wird, so der Technische Beigeordnete Andreas Neureuther.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: