Ente gut, alles gut? Danach sieht es momentan nicht aus. Foto: 7aktuell/Daniel Jüptner

Ein Gärtner aus Zizishausen fühlt sich von den Behörden unter Druck gesetzt. Nun möchte er seine Laufenten, die seine Pflanzen vor Schädlingen schützen, weggeben.

Nürtingen - Friedemann Hieber kann es kaum fassen. Der Gärtner aus dem Nürtinger Stadtteil Zizishausen wird sich wahrscheinlich von einigen seiner treuesten Mitarbeiter trennen. „Wir sehen gerade keinen anderen Weg.“ Seit sechs Jahren helfen ihm sieben Indische Laufenten dabei, seine Pflanzen frei von Käfern und Schnecken zu halten. Weil sich die freilaufenden Tiere aber hin und wieder auch der innerstädtischen Oberboihinger Straße (Tempo 50) nähern und dort einen Unfall verursachen könnten, sollen sie nun eingesperrt oder weggegeben werden. Der 55-Jährige fühlt sich von den Behörden unter Druck gesetzt. „Ich lege mich nicht mit dem Ordnungsamt an.“

Einzäunen will der Gärtner sein Gelände nicht

Dabei findet Hieber nicht, dass seine Tiere eine große Gefahr für den Straßenverkehr sind. Seine Enten hätten sich zuweilen zwar in der Nähe der Straße aufgehalten, aber es sei nie zu einem Unfall deswegen gekommen, sagt er. Nur einmal sei eine seiner Enten überfahren worden. Die Polizei sei aber schon öfters von besorgten Passanten angerufen worden, weil seine Enten im Straßengraben gesessen hätten, weiß Hieber. „Das hat den Enten Spaß gemacht. Und einige Autos sind deswegen langsamer gefahren“, sagt er. Aber falls es einmal zu einem Unfall käme, wäre er als Halter der Tiere verantwortlich. Dies hätte ihm das Ordnungsamt sehr deutlich mitgeteilt. „Die sind richtig massiv gekommen“, erinnert sich Hieber. Er solle das Gelände doch einzäunen lassen.

Inzwischen hat sich der Gärtner von einem Rechtsanwalt beraten lassen. Sein Gärtnereigelände einzuzäunen, kommt für ihn nicht in Frage. Damit müsse er quasi auch seine Kunden aussperren, sagt er. Und die Haftung bei einem Verkehrsunfall möchte er auch nicht tragen. Schließlich könne immer etwas passieren. „Ganz ausschließen kann man es nie.“

Die Enten müssen aber trotzdem nicht befürchten, als Weihnachtsschmaus zu enden. Es gebe bereits verschiedene Angebote von Menschen, die seinen Enten gerne ein neues Zuhause bieten würden, sagt Hieber. Die Schädlinge müsse er dann eben mit Chemie bekämpfen, erklärt der Gärtner.

Schilder warnen Verkehrsteilnehmer vor den Enten

In den sozialen Netzwerken im Internet haben sich viele Menschen bereits negativ zum angeblichen Gebaren des Ordnungsamts geäußert. Auf dem Rathaus in Nürtingen sieht man sich indessen zu unrecht an den Pranger gestellt. Der Sprecher des Rathauses, Clint Metzger, betont, dass der Entenhalter kürzlich auf die Behörde zugegangen sei, um zu fragen, ob es Vorschriften für die Haltung der Tiere gebe. Daraufhin sei ihm mitgeteilt worden, dass er die schnatternden Zweibeiner artgerecht halten und die Geflügelhaltung beim Veterinäramt anmelden müsse. Außerdem sei dem Mann empfohlen worden, das Gelände einzuzäunen. Ansonsten könnte es sein, dass er bei einem durch die Enten verursachten Unfall haften müsse. „Wir haben ihn informiert, wie wir das sehen. Wir haben weder gedroht, noch sonst irgendetwas“, stellt der Sprecher klar. Aus Sicht der Stadt könne der Gärtner seine Enten behalten. Die Kommunalverwaltung habe auch gar keine Handhabe, dies zu verbieten.

Eine andere Sache sei, dass vor der Gärtnerei Schilder auf öffentlichem Grund mit der Aufforderung zum langsamen Fahren angebracht worden seien. Dies sei nicht erlaubt, erklärt Metzger. Inzwischen stünden die Schilder aber wohl auf einer privaten Grundstücksfläche.

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