Niklas Kolbe (re.) versteht sich mit seinem Innenverteidigerkollegen Denis Zagaria auf und außerhalb des Spielfeldes sehr gut – hier genießt das Duo den DFB-Pokal-Triumph gegen die SpVgg Greuther Fürth. Foto: Baumann/Julia Rahn

Niklas Kolbe spielt im bisherigen Saisonverlauf auf konstant hohem Niveau. Vor dem Spiel beim FSV Hollenbach zieht der Innenverteidiger der Stuttgarter Kickers ein Zwischenfazit und sagt, warum er trotz anderer Anfragen den Blauen treu blieb.

Mit erst fünf Gegentreffern in acht Spielen stellen die Stuttgarter Kickers die beste Defensive in der Fußball-Oberliga. Großen Anteil daran hat Innenverteidiger Niklas Kolbe. Vor dem Auswärtsspiel an diesem Samstag (15.30 Uhr) beim Aufsteiger FSV Hollenbach nennt der 25-Jährige die Gründe und blickt nach vorne.

 

Herr Kolbe, teilen Sie die Einschätzung, dass Sie der bisher konstanteste Kickers-Spieler in dieser Saison sind?

Och, das ist schwer zu sagen. Dass wir in acht Oberligaspielen erst fünf Gegentore bekommen haben, freut mich. Aber da gehören immer mehrere dazu, es ist eine Teamleistung.

Welche Rolle spielt Ihr Innenverteidigerkollege Denis Zagaria, mit dem Sie sich auf und außerhalb des Platzes sehr gut verstehen?

Das passt einfach perfekt. Die Abstimmung, die Kommunikation zwischen uns beiden läuft hervorragend. Bei langen Bällen steigt einer hoch, der andere sichert ab.

Seit drei Spielen steht für den am Ellbogen verletzten Stammkeeper Ramon Castellucci Neuzugang David Nreca-Bisinger im Tor. Wie wirkt sich das aus?

Bis auf das Missverständnis im Heimspiel gegen den SV Oberachern, das zum 0:1-Rückstand führte, klappt es jetzt ganz gut. Natürlich sind wir mit Ramon eingespielt, da herrscht blindes Verständnis. Aber man entwickelt sich ja auch immer Stück für Stück weiter, egal wer hinten drin steht.

Wann kehrt er zurück?

Ramon hat am Donnerstag wieder mit leichtem Training begonnen. Mal schauen, ob es für das Spiel beim FSV Hollenbach an diesem Samstag schon reicht. Aber das muss das Trainerteam entscheiden.

Wie fällt denn insgesamt Ihr Zwischenfazit nach acht Spielen aus?

Wir hatten schon mal schlechte Halbzeiten dabei. Wenn wir effizienter gewesen wären, unsere viele Chancen besser genutzt hätten, hätten wir ein paar Punkte mehr auf dem Konto. Am Extremsten war das bei unserer 0:2-Niederlage in Ravensburg. Da hätten wir auch bei drei oder vier Gegentoren nicht verlieren brauchen, weil wir mindestens sechs Tore hätten schießen müssen. Nutzen wir unsere Chancen besser, verlieren wir kein Spiel mehr.

Die Mannschaft wirkt aber nicht mehr ganz so dominant, kompakt und stabil wie in der vergangenen Rückrunde.

Stimmt schon, aber man muss auch erst wieder in den Rhythmus reinkommen, unsere Sommerpause war sehr kurz und dass ein kleines Loch kommt, ist da nicht verwunderlich. Wenn wir unsere Tore machen, entwickelt sich eine gewisse Selbstverständlichkeit, dann kehrt die Dominanz auch vollends wieder zurück.

Zuletzt saßen erfahrene Stammkräfte wie Luigi Campagna oder Markus Obernosterer auf der Bank, die Neuzugänge David Nieland und Cedric Guarino sogar auf der Tribüne. Sorgt das für Unruhe?

Unsere Qualität im Training ist krass hoch. Da muss sich jeder Tag für Tag neu beweisen. Es entscheiden Nuancen, und keiner kann sich einen Durchhänger erlauben. Und der Trainer beurteilt das, was er sieht. Er zieht seine Linie konsequent und gerecht durch. Wenn er dieser Linie treu bleiben will, darf er auch auf Namen keine Rücksicht nehmen. Und unser Kader ist eben noch einen Tick stärker und breiter besetzt als im Vorjahr.

Viel diskutiert wurde schon darüber, dass der letztjährige Kapitän Mijo Tunjic als Stürmertyp nicht ersetzt wurde. Wie sehen Sie es?

Zum einen wird gegen einen Kickers-Spieler in der Liga anders und intensiver verteidigt. Von daher tut sich Mijo in Göppingen leichter, Tore zu erzielen. Zum anderen haben wir in David Nieland ja noch einen Angreifer geholt, aber eben einen anderen Stürmertyp, der im Training aber zeigt, dass er einen sehr guten Abschluss hat. Ich denke, seine Zeit wird noch kommen und dann wird man sehen, dass er wichtig für die Mannschaft ist.

Sie selbst hatten in der Sommerpause auch Anfragen höherklassiger Clubs vorliegen. Warum sind Sie geblieben?

Ich spiele neben dem besten Innenverteidiger der Liga bei einem attraktiven und ambitionierten Traditionsclub. Es macht mir sehr viel Spaß, ich fühle mich in meinem gewohnten Umfeld wohl und kann in Pforzheim wohnen bleiben. Mit 25 Jahren muss ich nicht mehr zwingend Profi werden, bei den Kickers gefällt es mir sehr gut, und ich habe mir hier auch etwas aufgebaut. Da wechsel ich nicht unbedingt wegen des Geldes.

Haben Sie Ihr Studium Unternehmensplanung an der FH in Pforzheim inzwischen abgeschlossen?

Ich muss noch meine Bachelorarbeit abschließen, arbeite nebenbei schon in der Firma meines Vaters in Rottweil im Bereich Einkauf und Logistik mit und möchte später im Vertrieb arbeiten.