Bitter enttäuscht: Timo Baumgartl (vorne). Foto: dpa

Fünftes Rückrundenspiel, vierte Niederlage – der VfB wartet im Kampf gegen den Abstieg weiter vergeblich auf ein Erfolgserlebnis. Und hat auch beim 2:3 gegen Borussia Dortmund kein Zeichen der Hoffnung gesendet.

Stuttgart - Es hätte kein Sinnbild für diesen Abend mehr gebraucht. Die Stimmung war hinüber, das Spiel des VfB Stuttgart gegen Borussia Dortmund hatte wenig Hoffnung für die kommenden Wochen gemacht, und die Lage im Kampf gegen den Abstieg aus der Fußball-Bundesliga ist auch nicht aussichtsreicher geworden. Alles schon trostlos genug also – und dann passierte auch noch dem Zweitjüngsten ein bitterer Fehler.

Timo Baumgartl nahm einen Pass von Florian Klein auf, der Ball prallte an seinen linken Fuß, weshalb er ihn mit dem rechten nicht mehr richtig traf. Also kullerte die Kugel in den Lauf von Marco Reus – und der Nationalspieler des BVB machte mit dem 3:1 klar, was ohnehin schon deutlich geworden war. Die Dortmunder marschieren aus dem Tabellenkeller, der VfB dagegen klebt auf Platz 18, als hätte man ihn festgetackert. Gut, in der Nachspielzeit gelang Georg Niedermeier noch das 2:3. Aber das war nicht mal mehr ein Hoffnungsschimmer. Ebenso wenig, wie es schon das 1:1 gewesen war.

Das hatte Florian Klein in der 32. Minute per Foulelfmeter erzielt, weil dem ersten Eckball für den VfB ein Foul von Nuri Sahin an Georg Niedermeier gefolgt war. Schiedsrichter Deniz Aytekin neben dem Elfmeterpfiff noch Rot zeigen können, zückte aber nicht einmal Gelb, was die Stuttgarter zu Recht beklagten. Und so hielt das Hochgefühl nach dem Ausgleich nicht lange, schon sieben Minuten später nämlich machten die Dortmunder da weiter, wo sie vor dem VfB-Treffer aufgehört hatten.

„Die Dortmunder sind wieder in Schwung gekommen“, sagte VfB-Sportvorstand Robin Dutt später. Tatsächlich setzte der Vizemeister den Gastgebern durch frühes Stören ordentlich zu. „Das war unser Plan“, sagte BVB-Coach Jürgen Klopp. Der VfB machte es dem BVB aber auch immer wieder einfach, vors Tor zu kommen – obwohl Huub Stevens seine Abwehrkräfte doch so sehr gestärkt hatte. Zwei Viererketten, bestehend ausschließlich aus Defensivspielern, hatte der VfB-Coach aufgeboten, darunter Neuzugang Geoffroy Serey Dié und der wiedergenesene Carlos Gruezo. Vorne sollten Martin Harnik und Timo Werner Nadelstiche setzen. Doch diese Taktik ging nicht auf.

Zum einen, weil die dünn besetzte Offensive der Roten kaum Gefahr ausstrahlte, keine Bälle halten konnte und auch kaum gezielt angespielt wurde. Zum anderen, weil trotz der Defensivstrategie Lücken im Mittelfeld klafften – erstmals beim Treffer von Pierre-Emerick Aubameyang (25.), ebenso beim 2:1 durch Ilkay Gündogan (39.). „Wir haben den Gegner eingeladen, Tore zu schießen“, kritisierte Stevens. „Wir haben zu viele einfache Fehler gemacht“, klagte Robin Dutt, dessen Team sich bis auf die beiden Tore keine einzige Torchance erspielt hatte. Und der daher Mühe hatte, dem Spiel etwas Positives abzugewinnen. Immerhin: Er wurde doch noch fündig.

„Kompliment an unsere Fans, sie verhalten sich vorbildlich“, sagte der Sportvorstand und meinte damit vor allem die Szenen nach dem Abpfiff. Da marschierten die VfB-Profis in die Cannstatter Kurve, wurden aber nur vereinzelt beschimpft, und teilweise sogar liebevoll wieder aufgerichtet. Vor allem der junge Timo Baumgartl bekam die Fürsorge der Anhänger zu spüren. Auch Stevens meinte daher: „Das hat mich gefreut.“ Was aber auch zu erkennen war: Zunehmende Hoffnungslosigkeit, gegen die Mannschaft, Trainer und Clubführung weiter ankämpfen müssen – was schwieriger wird, je länger die Misere andauert.

Seit acht Heimspielen wartet der VfB auf einen Erfolg, seit sechs Spielen generell auf einen Sieg. „Es war sicher unglücklich, dass wir unsere ersten Heimspiele in diesem Jahr gegen Mönchengladbach, den FC Bayern und den BVB hatten“, unternahm Dutt einen Erklärungsversuch. Und er versicherte: „Es kommen noch direkte Konkurrenten – und gegen die werden wir punkten.“

Zuvor sollte der VfB aber auch auswärts Zähler einsammeln – nächsten Samstag in Hannover wird es höchste Zeit, damit anzufangen. Sonst läuft den Roten die Zeit davon.

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