Die aufgefrischte E-Klasse von Mercedes-Benz startet auch mit Plug-in-Hybrid-Antrieben, die weniger Kohlendioxid ausstoßen als Verbrenner. Foto: Daimler AG

Weil der Genfer Autosalon kurzfristig abgesagt wurde, muss Daimler bei der Präsentation seiner Neuheiten improvisieren. Der überarbeiteten E-Klasse kommt dabei eine besondere Rolle zu.

Stuttgart - Auf dem Genfer Autosalon gehört Daimler stets die ganz große Bühne. Die Stuttgarter stellen dort traditionell eine ganze Flotte von Neuheiten in vielen Varianten ins Rampenlicht. Hunderte von Journalisten drängen sich dann im Halbkreis am Messestand, wenn am Vormittag die große Show beginnt. An diesem Dienstag ist alles anders. Weil der Autosalon wegen des Coronavirus in diesem Jahr ausfällt, wurde die Präsentation der Neuheiten, die eigentlich an diesem Tag in Genf geplant war, kurzerhand in ein Sindelfinger Studio verlegt und über das Internet verbreitet.

 

Die Kulisse der improvisierten digitalen Pressekonferenz ähnelt den Morgenmagazinen der Fernsehsender: Ein großes halb rundes Sofa mit grauen und gelben Kissen steht vor einer lila Wand, davor drei kleine Tischchen mit Orangensaft und Sprudel. Die amerikanische Moderatorin Katie Linendoll sitzt in der Mitte und lächelt in die Kamera. Sie trägt eine große Brille und ein orangefarbenes Kleid mit einem bunten Blumenmuster. Der Daimler-Vorstandsvorsitzende Ola Källenius sitzt lächelnd neben ihr. Später kommen noch Daimler-Entwicklungschef Markus Schäfer und die Mercedes-Vertriebschefin Britta Seeger hinzu.

Es geht zunächst um die Auswirkung des Coronavirus auf das Geschäft

Es geht in dem auf Englisch geführten Gespräch zunächst gar nicht um Autos, sondern um die Auswirkungen des Coronavirus auf das Geschäft. Källenius zeigt hier Zuversicht. Die Produktion in China werde wieder Schritt für Schritt hochgefahren, außerhalb der Volksrepublik seien keine Lieferketten unterbrochen worden.

Autos sind dann zunächst nur auf zwei großen Bildschirmen hinter dem Sofa zu sehen. Nur kurz zeigt die Kamera später den Entwicklungschef mit der Moderatorin vor einem richtigen Auto: „Wir haben hier zu wenig Platz, um alle unsere Neuheiten zu zeigen“, bedauert Schäfer. Zum Schluss steht Källenius in einer Ecke des Studios vor drei Wagen der E-Klasse, preist das neue Design und technische Innovationen. „Es ist wirklich ein großes Update“, sagt Källenius.

Die E-Klasse gibt es auch mit Plug-in-Hybrid-Antrieb

Der Daimler-Chef verabschiedet sich schließlich gemeinsam mit dem Entwicklungschef und der Vertriebschefin von den Zuschauern mit den Worten: „Bleiben Sie sicher, und passen Sie auf sich auf. Wir freuen uns, Sie das nächste Mal wieder persönlich zu treffen.“ Abschließend kommt Beifall vom Band. Das Facelift der E-Klasse ist die wichtigste Neuheit von Mercedes-Benz in diesem Frühjahr. Sie ist das „Herz der Marke“, wie die Vertriebschefin sagt. Die aufgefrischte E-Klasse kommt im Sommer auf den Markt.

Es gibt diese Baureihe künftig auch mit mehreren Motorvarianten als Plug-in-Hybridantrieb, also einer Kombination aus Verbrenner und Elektroantrieb, dessen Batterie auch an der Steckdose aufgeladen werden kann. Hinzu kommen auch Motorvarianten mit der sogenannten 48-Volt-Technik, die auch Mildhybride genannt werden.

Weitere Neuheiten, die eigentlich in Genf präsentiert werden sollten, sind Plug-in-Hybride der Kompaktmodelle GLA und CLA, die eine elektrische Reichweite von 70 Kilometern haben sollen, deutlich mehr als bisherige Modelle. Die Elektrifizierung der Modellpalette habe neben der Digitalisierung in den kommenden Jahren Priorität, sagt der Daimler-Chef. „Wir bringen immer weitere Plug-in-Hybride und reine E-Autos. Sie können sicher sein, da kommt noch viel“, sagt Källenius. Allein in diesem Jahr, so der Daimler-Chef, soll der Absatz von rein elektrischen Autos und Plug-in-Hybriden vervierfacht werden. Im nächsten Jahr solle der Absatz dieser alternativen Antriebe dann noch einmal verdoppelt werden. Reine Elektroautos sind bisher indes nur der Kleinwagen Smart sowie der Geländewagen EQC. Im Sommer, so Källenius, komme der elektrische Van EQV hinzu, später feiere dann das elektrische Kompaktmodell EQA Weltpremiere, das im Jahr 2021 auf den Markt kommen soll.

Daimler drohen Strafzahlungen der EU

Daimler steht unter Druck, die Elektrifizierung voranzutreiben, weil von diesem Jahr an schärfere EU-Grenzwerte für CO2 gelten und im nächsten Jahr Strafzahlungen drohen, wenn das Limit nicht erreicht wird. Noch ist die Lücke groß. Im letzten Jahr lagen die Kohlendioxid-Emissionen bei Mercedes-Benz bei rund 137 Gramm, doch zum Schutz des Klimas erlaubt sind wohl nur etwas mehr als 100 Gramm. Der endgültige Wert richtet sich danach, wie viele Wagen von welchem Modell in diesem Jahr verkauft werden. Es dürfte knapp werden. Källenius peilt an, den CO2-Ausstoß in diesem Jahr um 20 Prozent zu senken. Der Daimler-Chef will nicht garantieren, dass Strafzahlungen vermieden werden können. „Wir haben die richtigen Produkte und werden uns maximal anstrengen“, versichert Källenius. Damit könne man zumindest in „Schlagweite“ des Ziels kommen.