Tanja Schäfer (Mitte) ist seit drei Jahren aktive Trampolinsportlerin. Das Springen beansprucht den ganzen Körper. Foto: Stoppel

Tanja Schäfer hat im vergangenen Oktober das Trampolinstudio Jump to Move eröffnet. Der Sport trainiert den ganzen Körper, ist gelenkschonend – und äußerst schweißtreibend. Der Fitnesstrend kommt so gut an, dass die Kurse oft weit im voraus ausgebucht sind.

Schorndorf - Die Musik ist laut, trotzdem kann sie das Schnaufen der 20 Frauen kaum übertönen. Dabei sind die Jumperinnen noch gar nicht beim anstrengendsten Teil der Stunde angekommen. „Kopf aus, Beine an“, kündigt die Trainerin Lisa Engelmann die sogenannte Power-Einheit an. „Ballert nicht gleich alles raus, ihr müsst drei Lieder durchhalten.“ Erst wird locker gehüpft, dann werden die Knie immer höher gezogen, und schließlich drehen sich die Teilnehmerinnen auf dem Trampolin zur Seite und strecken ihre Beine abwechselnd nach oben in die Waagrechte. Sieht anstrengend aus, ist die Hölle. „Ich gehe jeden Tag ins Fitnessstudio, aber das ist echt hart“, sagt eine schweißüberströmte Frau, und ihre Freundin nickt zustimmend: „Es bringt mich an die Grenzen, aber nur hier habe ich so eine Endorphin-Ausschüttung.“

Zum Einsatz kommen speziell bespannte Geräte

Glückshormone bilden sich auch bei Tanja Schäfer, wenn sie solche Reaktionen hört. Die 36-Jährige hat das Trampolinstudio im vergangenen Oktober im Röhm-Areal eröffnet, als erstes seiner Art im Rems-Murr-Kreis. Sie selbst ist dem Fitnesstrend vor drei Jahren verfallen. „Ich bin extra nach Stuttgart gefahren, um dort Kurse zu besuchen.“ Andere Studios sind noch wesentlich weiter weg. „Das Jumpen hat mich total begeistert“, erzählt sie. „Es ist ein Ganzkörpertraining, das alle Muskeln fordert, aber trotzdem gelenkschonend ist. Außerdem ist jeder so mit sich selbst beschäftigt, dass man sich auch nicht beobachtet fühlen muss.“ Gesprungen wird auf speziell bespannten Trampolinen, die mit Kindergeräten für den Garten nicht viel gemeinsam haben. „In der Reha oder bei Physiotherapeuten werden diese schon lange eingesetzt“, sagt Schäfer, die hauptberuflich als Rettungsschwimmerin bei den Stadtwerken Schorndorf angestellt ist. Immer wieder habe sie sich darüber geärgert, dass die Sportart hier nicht angeboten wird. „Irgendwann habe ich zu ihr gesagt, sie soll einfach den Trainerschein machen“, sagt ihr Partner Oliver Schacherl.

Eröffnung in Rekordzeit

Keine drei Monate später eröffnete Tanja Schäfer Jump to Move. „Irgendwie hat alles gepasst. Wir hatten ein super Angebot für Trampoline und haben dann durch Zufall auch noch den passenden Raum gefunden.“ Das Interesse an der Eröffnung war groß – „wahrscheinlich, weil es so was hier einfach noch nicht gab. Fitnessstudios sieht man überall, aber unsere Kurse sind etwas Neues“, sagt Oliver Schacherl, der das Buchungssystem entwickelt hat. Das spielt bei Jump to Move eine wichtige Rolle: Wer mitmachen möchte, muss nicht Mitglied werden, sondern kann sich direkt über die Homepage in die verschiedenen Kurse einbuchen und sich sein Trampolin sichern. Das war Tanja Schäfer besonders wichtig: „Ich arbeite selbst im Schichtbetrieb und weiß aus eigener Erfahrung, wie doof es ist, wenn man an der Hälfte der ­Termine nicht teilnehmen kann.“

Ein guter Sport für Übergewichtige

Inzwischen betreuen sechs Trainer elf Kurse, 25 Trampoline stehen im Übungsraum. Einsteiger und Übergewichtige fangen mit der Softvariante an, wer mehr möchte, geht zum Basic-Kurs. Viele Elemente sind aus anderen Fitnesskursen bekannt – nur dass die Schrittkombinationen eben auf dem Trampolin stattfinden. Gesprungen wird nicht nach oben in die Luft, sondern nach unten ins Trampolin hinein. Eine Haltestange hilft manchmal dabei, das Gleichgewicht zu halten. „Wir haben auch extra zehn Trampoline für bis zu 200 Kilo. Eigentlich wollte ich einen eigenen Ü-100-Kurs anbieten, aber der wird nicht so gut angenommen“, erzählt Schäfer. Unter den Teilnehmern finden sich Junge und Alte, Dicke und Dünne, Frauen und Männer. Auch Fuß- oder Handballer nutzen das Studio, um auf den Trampolinen ihre Ausdauer aufzubauen. Und Muskelkater gibt es bei aller Anstrengung übrigens keinen, außer man macht etwas falsch: „Wenn man nur auf den Zehenspitzen springt, dann zwickt es in den Waden“, sagt Tanja Schäfer.

Beim Existenzgründertreffen Mitte Mai, zu dem die Stadt Schorndorf eingeladen hatte, berichtete Tanja Schäfer von ihren Erfahrungen als Selbstständige im Nebenerwerb. Von der Entwicklung des Studios ist sie begeistert: „Es läuft toll, viel besser als erwartet.“ Trotzdem ist ein weiterer Ausbau derzeit nicht geplant. Denn Jump to Move soll ein Nebenerwerb bleiben. „Es steckt ja doch mehr Arbeit dahinter, als man so sieht – zum Beispiel die ganze Verwaltung.“ Wobei sie auch da für manche Dinge eine flexible Lösung gefunden hat: um kurzfristig stornierte Plätze an die 150 Leute vergeben zu können, die auf der Warteliste stehen, hat sie eine spezielle Whatsapp-Gruppe gebildet. „Das kann ich auch von der Eisdiele aus organisieren“, sagt sie und lacht.

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