Im Westflügel des Neuen Schlosses werden gerade die Ausstellungsstück des Römischen Lapidariums verpackt. Foto: Uwe /ogen

Rückt die Öffnung des Neuen Schlosses näher? Dort muss das Römische Lapidarium ausziehen, weil das Land die Räume offenbar für ein Bürgerschloss benötigt. Was genau ist vorgesehen? Wird es gar eine Schlossgastronomie geben?

Statuen, Säulen, Reliefs, Pfeilspitzen und vieles mehr erzählen davon, wie die Römer Süddeutschland geprägt haben, als das heutige Württemberg eine „Germania superior“ war, eine römische Provinz. Die einzigartige Sammlung der steinernen Zeugen befindet sich in den Kellergewölben des Neuen Schlosses – doch nicht mehr lang.

 

Im Jahr 2005 sind die Ausstellungsräume als Teil des Landesmuseums im Westflügel zur Planie aus Anlass des damaligen Römerjahres neu gestaltet worden – an einem Ort im Untergeschoss, der nach dem Krieg den Siechenbierstuben diente. Als sich kürzlich Bernd Gehweiler, der Sohn des Wirtspaars, dort unten umsehen durfte, wo seine Eltern von 1950 bis 1958 die Gaststätte betrieben haben und er als Kind wohnte, fiel auf, dass die meisten Steindenkmäler, die an die Zeit der Römer in Stuttgart erinnern, bereits verpackt sind.

Denn die Sammlung muss umziehen. „Da das Neue Schloss auf Wunsch der Landesregierung zu einem Bürgerschloss umgebaut wird, werden die Räume des Lapidariums künftig anderen Funktionen zugeführt und stehen dem Landesmuseum Württemberg nicht mehr zur Verfügung“, erklärt dessen Sprecherin Ulrike Reimann.

Trotz „intensiver Suche“ mit der Staatlichen Vermögens- und Hochbauverwaltung sei es nicht gelungen, „eine Ersatzspielstätte in Landesliegenschaften zu finden, die den konservatorischen Ansprüchen gerecht wird und die hohe Traglast der Objekte aufnehmen kann“. Jetzt geht es in ein Depot nach Fellbach, in dem die Besichtigung „aus sicherheitstechnischen Gründen“ nicht möglich sei, wie man beim Museum bedauert.

„Wir haben uns auf einen Auszug verständigt“

Keineswegs gekündigt habe die Landesbehörde Vermögen und Bau dem benachbarten, im Alten Schloss beheimateten Museum, versichert Michaela Hornung, Sprecherin des Finanzministeriums. „Aufgrund der momentan nicht optimalen Unterbringung des Lapidariums haben wir uns mit dem Landesmuseum auf einen Auszug verständigt“, erklärt sie.

Geht es mit dieser Entscheidung, das Kellergewölbe freizuräumen, gar einen großen Schritt weiter in Richtung Bürgerschloss, von dem seit Jahren in Stuttgart geträumt wird? Bereits 2012 hatte Kreativdirektor Johannes Milla gefordert, die Beamten aus dem Neuen Schloss zu verbannen und stattdessen daraus ein Bürgerschloss mit vielen Attraktionen zu machen. Seit Jahren wird darüber diskutiert – weiter vorangekommen ist man dabei bisher aber kaum.

Der Begriff Bürgerschloss ist wie sich zeigt sehr dehnbar

Gerade dort, wo das Neue Schloss Pracht entfaltet, wo Ministerpräsident Winfried Kretschmann Staatsoberhäupter begrüßt sowie Bürger zu Empfängen bittet, lauert die Gefahr. Der Mitteltrakt muss dringend saniert werden. Im Neuen Schloss sind momentan das Finanz- sowie das Wirtschaftsministerium untergebracht. Dass deren Beamte in Kürze ausziehen müssen, ist kaum zu erwarten. Wenn überhaupt dürfte nur ein kleines Bürgerschloss entstehen.

„Bei der Sanierung des Mitteltrakts soll die Kantine aus dem zweiten Obergeschoss in das Untergeschoss des Planieflügels verlegt werden“, betätigt Michaela Hornung, die Sprecherin des Finanzministerium, „damit könnte die Kantine einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.“

Einst gab es vor dem Neuen Schloss einen Biergarten

Wie dies genau aussehen soll, scheint aber noch unklar. Von einer „öffentlichen Gastro“, die in absehbarer Zeit eröffnet, will Michaela Hornung noch nicht reden. Jedenfalls soll das Restaurant im Bereich der früheren Siechenbierstuben entstehen, die in den 50ern vor dem Wiederaufbau des Schlosses auch über einen Außenbereich an der Planieseite verfügten. Wird dies in Zukunft wieder so sein? Bekommt das noch immer geschlossene Grand Café Planie in der Nachbarschaft gar irgendwann einen Mitbewerber am Schloss?

Alles hängt davon ab, ob genügend Geld vorhanden ist. Die Sanierung des Mitteltrakts und damit die Verlegung der Kantine stehen „unter Finanzierungsvorbehalt“, erklärt die Ministeriumssprecherin. Falls es das Bauvorhaben in den Landeshaushalt von 2025/2026 schaffe, womit viele rechnen, werde man die Planungen umsetzen.

„Raum der kulturellen Begegnungen“ im Mitteltrakt des Schlosses

Das Staatsministerium erklärt auf unsere Anfrage, man setze die Idee, den Mitteltrakt mit seinen Repräsentationsräumen stärker für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, bereits um. So habe man einen „Raum der kulturellen Begegnungen“ geschaffen. Dort gab es zuletzt die öffentliche Lesung „Zwischen zwei Welten“ von drei jungen jesidischen Autorinnen. Künftig sollen dort weitere Auftritte folgen. Der Begriff Bürgerschloss, so zeigt sich, ist also sehr dehnbar.

Viele wollen mehr als lediglich Bürger für Veranstaltungen ins Schloss zu lassen: Durch eine Öffnung des Neuen Schlosses und eine Gastronomie steige die Attraktivität, gleichzeitig könne die Kulturmeile näher an die City heranrücken. Mit dem Bürgerschloss erhalte die Bürgerschaft einen Ort der Identifikation, was die Demokratie stärke, so wird argumentiert – das sei gerade jetzt sehr wichtig.

Dass es beim Bürgerschloss mit einem Gastrokeller beginnen soll, enttäuscht Patrick Mikolaj vom Blog Unnützes Stuttgartwissen: „Das stand nicht ganz oben auf der Wunschliste der Bürger.“ Besser seien wechselnde Ausstellungen, ein Museum oder ein Café im Schlosshof, findet er.