Felix Dittrich hat in Weilheim sein neues Lokal eröffnet. Foto: Christian Hass

In Weilheim hat vor Kurzem das neue Restaurant Wolpertinger eröffnet. Die Lokalität ist nicht neu, dafür das Konzept. Ob sich die Reise ins beschauliche Städtchen unter der Teck für ein Abendessen lohnt, haben wir getestet.

Kein Wolf, auch kein Bär – in Weilheim  im Kreis Esslingen, zwischen Aichelberg und dem Stuttgarter Flughafen, hat sich ein Wolpertinger niedergelassen. Das bayerische Fabelwesen sei ein Mischwesen, hasenartig, etwa mit Geweih und Entenflügeln, um das sich abenteuerliche Anekdoten aus einer anderen Zeit ranken – ist darüber zu lesen. Unter diesem Namen hat seit Kurzem der Koch und Eventmanager Felix Dittrich in dem sehr geräumigen und verwinkelten Altbau im Zentrum der Gemeinde sein neues Lokal eröffnet. Sieben Räume mit bis zu 140 Sitzplätzen will der 37-jährige Göppinger nach Stationen in Ulm, Stuttgart und Freiburg nun zurück in heimischeren Gefilden bespielen.

 

Kulinarisch setzt Dittrich, der etwa im Heuss auf dem Killesberg gekocht hat, auf einen leicht gehobenen, internationalen Cross-over-Mix. Auch in Sachen Ausstattung wird das Bunte großgeschrieben: Allerlei Kunst, Deko und verschiedene Möbel, teils im Tierfelllook, schmücken die Räume, in denen zuvor eine Brasserie und davor ein Frühstückslokal beheimatet waren.

Cross-over-Küche trifft auf buntes Interieur

Die saisonal wechselnde Karte lädt zum Ausprobieren ein – etwa des Wildkräutersalats mit Cranberrys und Kernen (6,90 Euro). Der ist frisch und vielfältig und mit seinem leicht säuerlichen Dressing ein Kräuter-Träumchen. Die sämige Garnelen-Bisque (12,90 Euro) erinnert an die französische Küche, überzeugt durch ihr vollmundiges Aroma und die gehaltvolle Einlage der gebratenen Garnelen.

Dazu passt der Sauvignon blanc Dreisatz aus Rheinhessen (0,2 l, 5 Euro). Beim herrlich cremigen Burrata auf Bloody-Mary-Essenz mit Tomaten und Kräuteröl zeigt sich die Experimentierfreudigkeit der Küche. Die Komponenten für sich sind tadellos, nur muss der feine Geschmack der Essenz dem kräftigen Kräuteröl weichen. Gewagt, dennoch einen Versuch wert. Die Geschmacksverdrängung durch eine Komponente ist beim Hauptgericht – Seeteufel auf Szegediner Kraut mit Tiroler Schlutzkrapfen (28,90 Euro) – deutlich gravierender. Das Gericht schmeckt durch und durch nach rauchigem Kraut, das so gar nicht zum an sich feinen Fisch passen will, auch die Krapfen und der Kräuterschmand gehen völlig unter. Dieser Mix ist dann doch zu wild und kein Genuss.

Extravagante Kombinationen und solide Gerichte

Anders das zartrosafarbene Roastbeef, mit Patatas bravas, also krossen Kartoffelstückchen, und gerösteten, fein-würzigen Pfifferlingen (32,90 Euro). Diese Kombi ist stimmig und passt, abgerundet von einer feinen Jus, bestens zusammen. Top ist übrigens auch der äußerst umsorgende und freundliche Service. Fazit: Mischwesen sind geheimnisvoll und interessant und in der Fabelwelt bestens aufgehoben. Auf dem Teller ist weniger Mix manchmal mehr, das kann auch die Küche im Wolpertinger gekonnt zeigen.

Service

Wolpertinger, Marktstraße 3, Weilheim/Teck, Telefon 0 70 23 /  9 47 92 47, Mo, Do, Fr 17–22, Sa und So 12–22 Uhr. www.derwolpertinger.de

Bewertung

Küche: 3 SterneService: 5 SterneAmbiente: 5 Sterne

Legende: *****5 Sterne = herausragend, ****4 Sterne = überdurchschnittlich, ***3 Sterne = gut, **2 Sterne = Luft nach oben, * 1 Stern= viel zu verbessern